Irina Voigt

Festliche Orgelweihe in Wegendorf

Wegendorf (MOZ) Mit "Nun lob mein Seel den Herrn", einem Stück, bei dem die neue Orgel in der Wegendorfer Kirche zeigen konnte, was für ein Klangreichtum in ihr steckt, begann am Sonnabend ein ganz besonderer Gottesdienst. Das war zugleich ein festlicher Auftakt fürs Wegendorfer Sommerfest, das sich mit Kaffeetafel, Puppenspiel für die Kinder und Führungen durch die Kirche und anderen Programmpunkten anschloss.

In ihrem Element: Die Organistin Gudrun Grötzinger an der Orgel, die der Förderverein beschaffte und finanzierte.
© Irina Voigt/MOZ

Während die Organistin Gudrun Grötzinger die Register zog, gab es beim Gottesdienst zur Weihe des Instrumentes viele lobende und anerkennende Worte. "Die Zeiten, dass ich mein Keyboard für Hochzeiten, Trauerfeiern oder Feste mit in die Kirche bringen musste, sind nun vorbei", freute sich die 73-jährige Musikerin. Schließlich hatte es der rührige Förderverein der Kirche geschafft, dass in nur zwei Jahren eine über 70 Jahre lang auf der Empore klaffende Lücke mit einer neuen Orgel geschlossen wurde. Die alte Orgel, so berichtete Pfarrer Johannes Menard in seiner Predigt, war nach dem Krieg zerstört worden. Manch alter Einwohner erinnere sich noch daran, wie Kinder mit den Orgelpfeifen durchs Dorf liefen.

10 000 Euro brachten die Vereinsmitglieder für die Anschaffung und den Transport der aus Schwanebeck stammenden Orgel auf. Orgelbauer Matthias Beckmann stand den Wegendorfern als Fachmann zur Seite und war bei der Orgelweihe auch im Publikum. Er hatte eine Dokumentation vom Umzug der Orgel und dem Einbau mitgebracht.

Zuvor hatte im Kirchenkreis Skepsis über das ehrgeizige Vorhaben geherrscht. Die Altlandsberger schauen nun ein bisschen neidvoll nach Wegendorf, ob des Erreichten. Hatte es doch geheißen, dass es Wichtigeres gebe als eine Orgel für Wegendorf. Wer sollte die denn spielen? Wer würde zuhören? Nun ließ auch der Superintendent des Kirchenkreises Oderland-Spree, Frank Schürer-Behrmann, die herzlichsten Grüße und Wünsche ausrichten.

Überraschend war auch der Altlandsberger Nachtwächter Horst Hildenbrand gekommen. "Ein Herzenswunsch der Bürger ist in Erfüllung gegangen, die Königin der Instrumente - wie sie eins Mozart genannt hatte - erklingt wieder." Der dem Förderverein Anerkennung für den Mut und die Tatkraft zollte, an seinem Ziel festgehalten zu haben.

Frank Drusche vom Kirchenkreis ließ in seiner Rede das Altlandsberger Neid-Gefühl mit fröhlichen Worten in Anerkennung für die Wegendorfer und ihr Engagement münden. Da gab es einmütigen Beifall für seine Stabreime, die auf "wohl fühlen in Wegendorf" endeten. Drusche hatte als Geschenk außerdem zwei Bände mit Orgelnoten mitgebracht. Im Anschluss hatten die Gäste des Gottesdienstes Gelegenheit, ihre Grüße und Wünsche aufzuschreiben und an die neue Orgel zu heften. Drusches Wunsch lautete - und er behauptete, es absolut ernst zu meinen: "Mögen dies die einzigen Pfeifen sein, die in Wegendorf künftig laut tönen werden."

Märkische Onlinezeitung vom 11. Juli 2016

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