Rettung für Wormlager Orgelpfeifen

100 Jahre altes Instrument wird restauriert / Kirchgemeinde hat dafür Windpacht angespart

WORMLAGE Die 101 Jahre alte pneumatische Heinze-Orgel in der Wormlager Kirche soll in alter romantischer Klangfülle wieder ertönen. Die Restaurierung wird im Juli abgeschlossen. Die Finanzierung stemmt die kleine Kirchgemeinde auch aus der Windpacht für eine Mühle auf Kirchland.

Orgelbauer Tobias Mutke (l.) bläst die Tonventile aus, unterstützt am Spieltisch von Tischler Guido Zahrn. Orgelbaulehrling Philipp Körber (r.) bespricht mit Pfarrer Christian Raschke die nächsten Arbeitsschritte.
Foto: Steffen Rasche/str1

Der Abschied von den Heulern und Pfeiftönen während des Spiels fällt Pfarrer Christian Raschke nicht schwer. Die 101 Jahre haben dem Instrument hörbar zugesetzt. Einige Register sind nicht mehr spielbar, der Luftdruck sackt ab, der Klang fängt an zu schwimmen, nach den vielen Jahrzehnten ist vieles ausgenudelt und abgenutzt. Trotzdem: Ihren Dienst hat die pneumatische Orgel vom Niederlausitzer Orgelbaumeister Gustav Heinze bis zum letzten Gottesdienst vor der großen Restaurierung im Juni zuverlässig verrichtet.

Inzwischen sind die 515 Pfeifen allesamt ausgebaut und durchgepustet. "Von der Grundsubstanz her ist die Orgel ein gut erhaltener kleiner Schatz", bestätigt Orgelbauer Tobias Mutke von der Firma Wilhelm Sauer aus Frankfurt/Oder. Was die Wormlager Orgel so besonders macht, ist das Aeoline-Register. "So weiche, verträumte Töne haben andere Orgeln gar nicht mehr", erklärt Orgelbaulehrling Philipp Körber. In den 50er-Jahren war es Mode, dass Orgeln einen scharfen, spitzen, glasklaren Klang hatten. Alles Barocke, Weiche wurde damals abgelehnt. Um Wormlage hat diese Bewegung Gott sei Dank einen großen Bogen gemacht. Mit dem Aeoline-Register können besonders warmherzige romantische Töne gespielt werden. Dieses weiche, verträumte Klangbild wieder zu präzisieren, ist Aufgabe des Intonations-Teams, das demnächst in der Kirche Quartier bezieht. Dann wird Register für Register wieder eingebaut und alles aufeinander abgestimmt, bis jeder Ton sitzt.

Technisch ist die Orgel mit den neun Registern in den vergangenen drei Wochen durchgecheckt worden. Erfreulich aus Sicht der Restauratoren: Es steckt nur sehr wenig Wurm im alten Kiefernholz. "So löchrig wie ein Pfefferkuchen sieht in Wormlage kein Orgelteil aus", bestätigt Tobias Mutke dem Pfarrer. Mit seinem Team hat er in den vergangenen Wochen die Balgkammer mit der Windanlage restauriert, den Spieltisch überarbeitet, die Register-Einschaltung neu beledert, abgegriffene, gelbliche Tasten poliert und sämtliche 515 Ledersäckchen getauscht, die die Töne ansteuern. Fehlende Pfeifen werden in der Orgelbauwerkstatt in Müllrose nachgebaut. Nach Wormlage steht übrigens die Sauer-Orgel in der Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Hermsdorf auf dem Plan der Orgelbauer.

Für ein neues Klangerlebnis sorgen wird die Heinze-Orgel spätestens ab September. Das königliche Instrument, auf das die Wormlager so stolz sind, soll dann mit einem Eröffnungskonzert eingeweiht werden. Das Geld für die Restaurierung haben die 100 Kirchgemeindemitglieder lange zusammengespart. "Mit Windpachteinnahmen einer Mühle auf Kirchland konnten wir eine Baurücklage bilden", erklärt Pfarrer Raschke.

Zum Thema:

Der Großteil der Kirche Wormlage ist schon 1768 gebaut worden. Der Grundstein für den Kirchturm wurde am 12. Juli 1914 gelegt. Die Niederlausitzer Firma Gustav Heinze aus Sorau (heute Polen) hat im Jahr 1915 die pneumatische Orgel eingebaut. 1917 wurde die kleine Kirchenglocke gespendet. In den 1990er-Jahren ist die gesamte Kirche restauriert worden. Der morsche Glockenstuhl ist im Jahr 2006 erneuert worden.

Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 09. Juli 2016

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