Ralf Loock

Freude auf barocke Klänge

Rießen (MOZ) In der Rießener Kirche wird die sanierte Orgel wieder eingebaut. Mit den Arbeiten hat man den Fachbetrieb Hüfken in Halberstadt beauftragt. Die festliche Wiedereinweihung ist für den 7. September angesetzt.

In dem Rießener Gotteshaus: Pfarrer Matthias Hirsch, Matthias Godderidge und Daniel Gatzsche (v. li.) vor dem leeren Orgel-Schrank. Die beiden Techniker tragen eine sanierte Windlade. Drei Wochen lang sind sie nun im Schlaubetal im Einsatz.
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Echtes Schmuckstück: Der Fachwerkbau wurde im Jahr 1600 eingeweiht.
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Wenn Pfarrer Matthias Hirsch von der Rießener Orgel spricht, dann ist auch für einen Außenstehenden schnell seine Begeisterung hörbar. Matthias Hirsch kennt sich nicht nur bestens mit der Bibel-Auslegung aus, er musiziert auch und ist der Kirchenmusik sehr verpflichtet. "Ein wunderschönes Barockinstrument. Sehr alt und sehr selten", erläuterte er. Die Orgel stammt aus der Werkstatt von Johann George Gast (geboren 1755 in Kobbeln - gestorben nach 1821). Dieses Exemplar baute er 1801. Sein Wissen gab er weiter an seinen Sohn Johann Friedrich Gast. Bis 1805 war Johann George Gast als Orgelbauer in Bahro tätig; ab 1805 war die Werkstatt in Fürstenberg (Oder) ansässig. Sein Enkel Johann Friedrich II Gast und sein Urenkel Johann August Gast führten den Betrieb weiter. Eine bekannte Orgel (gebaut 1802) aus der Werkstatt Gast befand sich in der Wiesenauer Kirche. Mit dem Untergang dieses Gotteshauses 1945 wurde das Kunstwerk leider zerstört.

Erhalten geblieben ist unter anderem die Rießener Orgel. Nun soll das Instrument, das bereits mehr als 210 Jahre alt ist, auf Vordermann gebracht werden. Mit der Sanierung wurde der Fachbetrieb Hüfken in Halberstadt beauftragt.

Im Februar hatte man mit dem Ausbau der Orgel begonnen, die Teile wurde nach Halberstadt gefahren und dort aufgearbeitet. Der Großteil konnte saniert werden, nur jene Teile, die völlig irreparabel oder überhaupt nicht mehr vorhanden waren, mussten durch Neuanfertigungen ersetzt werden.

Jetzt kommen die sanierten Teile zurück ins Schlaubetal; Matthias Godderidge und Daniel Gatzsche, Mitarbeiter der Firma Hüfken, sind in den nächsten drei Wochen mit dem Einbau beschäftigt. "Wir wurden hier sehr freundlich aufgenommen", berichtete Matthias Godderidge. "Wenn wir jetzt an einem Exemplar arbeiten, das mehr als 210 Jahre alt ist, dann denken wir natürlich ehrfurchtsvoll an die Erbauer", beschrieb Daniel Gatzsche seine Gefühle.

Wer sich für den Fortgang der Arbeiten interessiere, sei herzlich eingeladen, in Rießen den beiden Technikern bei ihrer Arbeit zuzuschauen, sagte Matthias Hirsch. Matthias Godderidge und Daniel Gatzsche machen Anfang August zwei Wochen Urlaub, ab Mitte August folgen noch zwei weitere Arbeitswochen.

Der Termin für den Festgottesdienst steht auch schon: "Wir feiern am 7. September um 18 Uhr. An dem Instrument sitzt Organist Martin Schulze", kündigte der Pfarrer ein. Die Kosten für Sanierung bezifferte er auf insgesamt knapp 42 000 Euro. Das Geld kommt zum Teil vom Kirchenkreis, auch die Denkmalschutzbehörde habe eine Unterstützung zugesagt. Bei solchen Vorhaben gelte jener Spruch, den sinngemäß auch Fußballer gerne zitieren: Nach der Sanierung ist vor der Sanierung. Denn, wenn das Rießener Projekt beendet sei, dann werde man sich Fünfeichen zuwenden.

Natürlich hoffe die Kirchengemeinde, dass es bei dem Fest am 7. September Spenden geben werde, sagte Matthias Hirsch. Wenn man bedenke, dass die Schlaubetaler vor mehr als 400 Jahren dieses Fachwerkgebäude errichtet haben und man es durch die Not des 30-jährigen Krieges brachte, dann könne man in unserer Zeit sicher am Festtag etwas Geld in das Spendenkörbchen legen.

Märkische Onlinezeitung vom 07. Juli 2016

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