Mittelalterliche Fresken in Briesen konserviert

Sparkassenstiftung, Land, Kirche und Gemeinde sowie Stiftung des Sorbischen Volkes finanzieren Projekt

BRIESEN Sie erzählen Geschichten von Tod und Verderben, dem sündigen Leben und der Hoffnung auf Auferstehung: Die Fresken in der Briesener Dorfkirche, vermutlich vollendet 1486, sind in ihrer Breite in Südbrandenburg und Sachsen einzigartig. Jetzt konnten zwei bemalte Wände saniert werden.

Die vermutlich 1486 vollendeten Fresken erzählen Geschichten vom sündigen Leben und der Hoffnung auf Erlösung.
Foto: Michael Helbig

Landeskonservator Thomas Drachenberg ist ein Mann mit Humor. Bei der feierlichen Präsentation der Fresken in der Briesener Dorfkirche (Spree-Neiße-Kreis) musste er sich den ein oder anderen kleinen Seitenhieb gefallen lassen: Klaus Heinrich vom Verein "Briesener Fresken" bedankte sich bei allen, die die Rettung der kostbaren Wandmalereien in den vergangenen Jahren unterstützt haben. Er nannte die Sparkasse Spree-Neiße, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Stiftung des Sorbischen Volkes.

"Das Land Brandenburg ist dann auf den fahrenden Zug aufgesprungen", sagte er schmunzelnd, fügte aber hinzu, dass man für die dann erfolgte Zusammenarbeit dankbar sei. Drachenberg stimmte ihm lachend zu. Letztlich waren alle Beteiligten froh, die jetzt in frischem Glanz strahlenden Malereien präsentieren zu können.

Immerhin 113 000 Euro haben die Arbeiten verschlungen, die 2015 und 2016 nötig waren, um die spätmittelalterlichen Fresken zu bewahren. "Denn wir haben nicht restauriert", erklärte Thomas Rautenberg. "Wir haben nur behutsam konserviert." Der Unterschied? Die Denkmalschützer haben ein Konservierungskonzept erstellt, haben Schäden behoben, den Bestand geschützt. Aber: "Sie haben nichts bunt übermalt, nichts retuschiert, nichts hinzugefügt, was nicht schon im Mittelalter vorhanden war", so der Landeskonservator.

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Bearbeitet wurden die Fresken an der Nord- und der Südseite der Kirche, Ost- und Westwand sollen später folgen. Mechthild Noll-Minor, brandenburgische Landesrestauratorin: "Es war eine ausgesprochen spannende Arbeit." Bevor die Restauratoren mit ihrer Arbeit begonnen haben, hatten Briesener die Vermutung geäußert, dass die Farben der in den 1950er-Jahren freigelegten Fresken verblassen würden. "Diese Vermutung hat sich nicht bestätigt", sagt die Restauratorin. Doch was die Forscher tatsächlich feststellten, war ein ebenso bedenklicher Zustand: Salze unter den Farbschichten wuchsen quasi aus den Wänden heraus und drückten die Pigmente von der Wand ab. Für die Denkmalschützer hieß es also, die betroffenen Wandteile zunächst zu entsalzen und weitere Schäden zu verhindern. Außerdem wurde versucht, Schadstellen optisch in den Hintergrund treten zu lassen. "Was wir nicht gemacht haben", so Mechthild Noll-Minor, "war die Ergänzung von bereits verschwundenen Bildelementen oder der Auftrag von verblassten Farben." Man habe etwa herausgefunden, dass eine große Marienfigur ursprünglich einen blauen Mantel getragen habe. Heute erscheint dieser Mantel weiß, die Farbpigmente sind verschwunden. Auch seltsam schwarz erscheinende Münder einiger Figuren haben nicht in der Absicht der mittelalterlichen Maler gelegen: Das ursprüngliche Orange sei einfach zu Schwarz geworden. Überhaupt ist es fast ein Wunder, dass noch derart viele Malereien zu erkennen sind. Immerhin wurden die Kirchenwände im 18. Jahrhundert mehrfach übermalt, der Ein- und Ausbau von Emporen und Kanzeln hat tiefe Spuren hinterlassen. Sparkassen-Direktor Bernd Kühner: "Wir sind froh, dass wir hier helfen konnten und so der Region, in und mit der wir leben, etwas zurückgeben."

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Vor zwölf Jahren war der Verein "Briesener Fresken" auf Anregung des Schriftstellers Jurij Koch gegründet worden, er setzt sich seitdem für den Erhalt der Kirche mit ihren üppigen Malereien ein.

Andrea Hilscher

Lausitzer Rundschau vom 01. Juli 2016

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