Moses befreit von 100 Jahren Kohledreck

Rettung für Freienhufener Kirchenschatz: Kostbarer Schnitzaltar aus Frühbarock kann endlich restauriert werden

FREIHENHUFEN Moses erhält seinen fehlenden Finger zurück, die Engel ihre Flügelspitzen, das Gefieder des Pelikans erstrahlt wieder Weiß statt Grau. Der weitestgehend in der originalen Farbgebung von 1657 gut erhaltene Schnitzaltar in der Freienhufener Dorfkirche wird konserviert und restauriert.

Die freiberufliche Restauratorin Brigitte Bub aus Berlin beim Retuschieren des Bekrönungsaufsatzes.
Foto: Rasche/str1
Fehlende Holzteile, wie den Finger von Moses, ergänzt Schnitzer und Restaurator Moosel Koch. Den Fortgang der Arbeiten überwacht die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Irmhild Wahren.
Foto: str1

Wurmlöcher hat das Prunkstück zuhauf. Ansonsten aber ist der frühbarocke Holzaltar aus der Kirche Freienhufen erstaunlich gut in Schuss. "Der Kohlestaub hat unseren Schatz regelrecht konserviert", erklärt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Irmhild Wahren. Mit Holzstäbchen und Watte, Lösungsmittel und destilliertem Wasser haben die beiden Restauratorinnen Sabine Stachat und Brigitte Bub die ganze Pracht der original Farben aus dem Jahr 1657 Stück für Stück in mühsamer Handarbeit freigelegt. Mit dem Reinigen sind die beiden Expertinnen nach gut zwei Wochen so gut wie durch. Die vom Staub der Jahrhunderte überdeckten Farben leuchten wieder: das rote Gewand der Engel, der Umhang von Johannes dem Täufer. Die größte Überraschung für Irmhild Wahren indes sind die wieder zum Vorschein gebrachten Häuser der Stadt Jerusalem hinter dem großen Kruzifix in der Mitte des Altaraufsatzes.

Schönheitskur geht weiter

Mit dem Ergänzen der fehlenden Teile aus Lindenholz und verloren gegangener Malschichten wird die Schönheitskur in den nächsten beiden Wochen fortgesetzt. Mit einem Sammelsurium von unterschiedlichsten Schnitz eisen ist dafür Restaurator Moosel Koch aus Berlin angerückt. Der passionierte Schnitzer, der auch schon in der Marienkirche Frankfurt/Oder zu Gange war, gibt Moses den fehlenden Finger zurück und ersetzt fehlende Flügelspitzen der drei Freienhufener Engel. Zu ergänzen sind auch einige Stellen am reichen Ohrmuschel- und Knorpelwerk der Altareinfassung.

Mit Pinsel und Aquarellfarben beweisen die beiden freiberuflichen Restauratorinnen Sabine Stachat und Brigitte Bub ein gutes Auge beim Retuschieren kleinster Fehlerstellen. Beide verändern nur das, was wirklich notwendig ist. Der über Jahrhunderte unverändert gebliebene Freienhufener Altar vom Torgauer Meister Andreas Schultze soll "alt" bleiben. Wenn sie in zwei Wochen vom Gerüst steigen und die Tageslichtleuchten ausknipsen, dann ist der Altaraufsatz aus Nadel- und Lindenholz vorsichtig konserviert, gereinigt und vor weiterem Schaden geschützt.

Gemeindeglieder sparen fleißig

Die 100 Mitglieder der Kirchgemeinde Freienhufen-Barzig haben die Restaurierung ihres Schatzes lange herbeigesehnt. Seit Jahren sind sie dafür fleißig am Sparen. Der Startschuss konnte nun endlich gegeben werden, weil das Land Brandenburg 5500 Euro für das Projekt dazugibt. Im März hatte die evangelische Kirchengemeinde den Zuwendungsbescheid des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur im Briefkasten. Beim Landkreis sind weitere 2500 Euro für die Restaurierung beantragt.

Zum Thema:

Der Schnitzaltar in Freienhufen ist ein Werk des Bildhauers Andreas Schultze aus Torgau. Mit ihm war der Vertrag über die Anfertigung des neuen Altars in Dobristroh im Jahre 1656 geschlossen worden. Die 25 Anwesen in Freienhufen (19 Bauernwirtschaften und sechs Gärtner und Häusler) brachten 153 Gulden und 19 Groschen für den neuen Altar auf. Der bisherige gotische Flügelaltar hatte den Dreißigjährigen Krieg zwar überstanden, war aber aus der Mode gekommen. Bis 1913 lag der Flügelaltar auf dem Kirchenboden. In der Abendmahlsdarstellung taucht in Freienhufen als 14. Person ein Wirt mit einem Krug in der Hand auf.

Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 01. Juli 2016

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