Bärbel Kraemer

Die alte Lady erhält eine Frischekur

Lühnsdorf (MZV) "Das ist sie, unsere alte Lady", so Fritz Moritz, der auf die Lühnsdorfer Dorfkirche (Dorfkirche des Monats Juni 2015) zeigt. "Na gut, so alt ist sie dann doch nicht. Aber sie hat einige Probleme", fährt er fort.

An der Informationsreise nahmen teil: Bernd Janowski sowie Theda von Wedel und Joachim Killus. Außerdem Dr. Monika Tontsch und Professor Dr. Thorsten Albrecht. Auf dem Bild ferner Fritz Moritz, Hans-Jürgen Bergholz und Heidrun Tietz.
© MZV

Das Lachen in seinem Gesicht hat einen Hintergrund. Seit wenigen Tagen wissen Fritz Moritz, Hans-Jürgen Bergholz und Heidrun Tietz, dass die Probleme der alten Lady bald der Vergangenheit angehören werden. Die ersten, die davon erfahren, sind die Teilnehmer einer Informationsfahrt von Vertretern des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und des Bistums Hildesheim, die am Montag die Kirchen in Brück, Lühnsdorf, Garrey und St. Briccius in Bad Belzig besuchten. "Sie haben es also geschafft", zollt die Regionalbeauftragte des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Theda von Wedel, den Lühnsdorfern ihren Respekt.

An Dr. Monika Tontsch, Konservatorin im Bistum Hildesheim, und Professor Dr. Thorsten Albrecht, Kunstreferenz der Evangelischen Landeskirche Hannover, gerichtet, bemerkt sie: "Ich hatte ihnen versprochen, dass ich erfolgreiche Projekte zeigen werde."

Dann erzählen die Lühnsdorfer von den Erfahrungen der letzten Monate und laden zu einem Rundgang in die Kirche ein. Fritz Moritz erklärt die Probleme der alten Lady, die ihren Ursprung im Kirchenbaujahr haben, und zeigt auf den Turm. "Die Schieferplatten der Turmeindeckung wurden damals mit den falschen Nägeln befestigt, so Moritz. 35 Jahre nach der Vollendung der 1897/98 erbauten Kirche wurden dieser Fehler und erste dadurch bereits eingetretene Schäden festgestellt. Doch die Kriegs- und Nachkriegsjahre erlaubten keine Sanierung. So verging die Zeit. Bereits in den 1960er Jahren hatte sich die Problematik so arg verschärft, dass ein Stützwinkel im Turm installiert werden musste, um ihn zu sichern. Tatsächlich wurde dadurch jedoch nur eine Kräfteverlagerung von einer Seite auf die andere erreicht. 2010 musste die erste Notsicherung erfolgen. Weil die Konstruktion, die die Lasten von den zerstörten Holzbauteilen auf andere umleiten sollten, keine Erfolge gezeigt und zusätzlich zu Rissen im Mauerwerk geführt hatte. 2013 folgte eine erneute Notsicherung, mittlerweile besteht dringender Handlungsbedarf - der Turm droht herabzustürzen.

Mit dem Eintreffen des letzten Fördermittelbescheides kann die 100.000 Euro teure Turmrettung endlich beginnen. Fritz Moritz hofft, dass die Arbeiten schon im September abgeschlossen sind. Dann soll der 400. Geburtstag der Kirchenglocke gefeiert werden. Immer wieder kommen die drei Kirchenretter in ihren Erläuterungen auf die starke Lühnsdorfer Dorfgemeinschaft zu sprechen, die immer helfend zur Stelle ist. Mit den Worten "jeder hilft" untermauert Moritz das Verantwortungsgefühl, das Christen und Atheisten im Dorf eint, wenn Arbeiten an der Kirche oder auf dem Kirchhof erledigt werden müssen.

Sogar weltliche Trauerfeiern werden in der Lühnsdorfer Kirche bereits abgehalten. Auch deshalb will man im Dorf mit der Profilierung des Gemäuers als Hochzeitskirche neue Wege gehen und auch Atheisten in der Kirche das Ja-Wort ermöglichen. Im Konsistorium steht man dem noch skeptisch gegenüber. Die Lühnsdorfer wollen dennoch nicht locker lassen und ihr Engagement wird von den Gästen mit Respekt und Anerkennung bedacht.

Märkische Onlinezeitung vom 18. Juni 2016

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