Zweiter Münzschatz wäre ein Segen

Innensanierung der Hermsdorfer Kirche kann starten / Notwendig ist sechsstellige Summe

HERMSDORF Die Kirchbauvereine in Lauchhammer-West und Kroppen haben es auch nicht in kürzester Zeit geschafft. Ebenfalls einen langen Atem wollen die Ehrenamtlichen in Hermsdorf bei der Renovierung ihres Gotteshauses beweisen.

Der erste Eindruck täuscht. Die Hermsdorfer Kirche muss drinnen komplett renoviert werden. Das kostet sehr viel Geld.
Foto: Manfred Feller

Ja, so einen Schatz, wie er im August 1999 bei Schachtarbeiten in der Hermsdorfer Kirche gefunden worden war, könnte der Kirchbauverein heute dringend gebrauchen. Vielleicht noch einen größeren. Denn die Innenrenovierung verschlingt mindestens 130 000 Euro, wenn nicht 150 000 und mehr Euro, rechnet der Vorsitzende Reinhard Noack vor.

Seinerzeit hatten Handwerker im Boden des Hauses 933 Silbermünzen entdeckt. Es handelte sich um meißnisch-sächsische Groschen und Nachahmungen aus der Inflationszeit zwischen 1456 und 1465. Die ehrlichen Finder erhielten vom Land Brandenburg, das den Schatz an sich nahm, 4000 D-Mark, die sie der Gemeinde für die Kirchensanierung schenkten.

Heute hofft Reinhard Noack auf Fördergeld. Der Verein selbst kann aktuell 21 000 Euro beisteuern. Er nutzt jede Gelegenheit, um Einnahmen zu erzielen. Wie den morgigen Sonntag. Dann ist die Musikschule des Landkreises zu Gast und spielt vor hoffentlich zahlreichen Besuchern.

Reinhard Noack zeigt auf eine der zum Teil freigelegten Wandmalereien. Die komplette Restauration ist für den Verein unbezahlbar.
Foto: Manfred Feller

In der Kirche können diese sich von den Vorbereitungen für die Renovierung überzeugen. Überall an den Wänden und in der Einrichtung haben die Restauratoren ihre Spuren hinterlassen, kleben Zettelchen. Mit Unterbrechungen waren die Fachleute ein Jahr lang auf der Suche nach Wandmalereien, Besonderheiten sowie auch der Originalfarbe zum Beispiel von Decke, Wänden, Altar, Empore und Bänken. Und sie wurden fündig. "An der südlichen Kirchenwand sind mittelalterliche Bilder zum Teil freigelegt worden", weist Reinhard Noack in die Richtung. Doch es wird bei den Versuchen bleiben. Denn nur um einen Quadratmeter eines Bildes in Filigranarbeit freizulegen, seien etwa 10 000 Euro erforderlich.

Dieses Geld braucht der Kirchbauverein dringender für die eigentliche Renovierung. An der Reihenfolge und dem Zeitplan arbeiten derzeit die Fachleute. Hinsichtlich der Decke, die wohl hell bleiben wird, werde derzeit geprüft, ob der Putz ausgebessert werden kann oder komplett erneuert werden muss.

Der Klinkerfußboden wird so bleiben. Doch die Wände müssen aufgefrischt werden. In den Bänken aus dem 19. Jahrhundert mit der steilen Lehne und dem geringen Abstand sitzt es sich schlecht. Ein Tischler soll das ändern.

Schließlich muss das gesamte Inventar jene Farben erhalten, die es wahrscheinlich ursprünglich getragen hat. Und die mangelhafte Beleuchtung verlangt nach einem neuen Konzept. Alte Fotos liegen keine vor. Wer kann helfen?



Zum Thema:

Damit die Kirchbauvereine landesweit mit ihren Bemühungen vorankommen, Gotteshäuser zu sanieren, öffnen Musikschulen mit Benefizkonzerten die Kirchentüren. In Hermsdorf treten am Sonntag ab 16 Uhr das Klarinettenquartett, das Violoncellotrio und das Streichquartett der OSL-Musikschule auf. Draußen wird ein Zelt mit Kaffeetafel aufgebaut. Bereits heute um 16 Uhr öffnet die Barockkirche Kroppen zum Konzert mit "Jazzika".


Manfred Feller

Lausitzer Rundschau vom 17. Juni 2016

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