Steffen Göttmann

Neue Balken als Basis des Turms

Wollenberg (MOZ) Die Sanierung des Turms der Wollenberger Kirche läuft auf Hochtouren. Turmdach und Glockenstuhl lagern verpackt neben dem Gotteshaus. Bis September könnte der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Für die Sanierung des Kirchenschiffs reicht das Geld noch nicht.

Abgehoben: Ein Kran hebt das Turmdach von der Wollenberger Kirche. Dadurch werden die beschädigten Balken, die den Turm tragen, freigelegt.
© Siegfried Zschärlich (Förderverein)

Wo sich eigentlich der Kirchturm befindet, klafft ein tiefes Loch in der Feldsteinkirche. Nur das Gerüst lässt erahnen, wie hoch die Kirche eigentlich ist. "Plötzlich ging alles ganz schnell", sagt Siegfried Zschärlich, Vorsitzender des Fördervereins Feldsteinkirche Wollenberg. Die Bauanlaufberatung sei am 24. April gewesen, Ende des Monats kam dann schon das Holz - schwere Balken aus Eiche und anderen Holzarten, um verfaulte Balken zu ersetzen. Danach sei der Kran gekommen und habe zuerst das Turmdach und dann den Glockenstuhl einschließlich der Glocke entfernt und neben der Kirche abgesetzt.

Als die Spanplatten aus DDR-Zeiten vom Boden des Gotteshauses entfernt wurden, sei der Schaden erst richtig sichtbar geworden. "Der Balken, auf dem der Turm steht, war verfault", erklärt der Vereinsvorsitzende. Weil nicht nur die Balkenköpfe durch Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen waren, sondern sich der Schaden bis in die Mitte zog, musste der Balken komplett ersetzt werden. Der Zahn der Zeit nagte mehr am Gotteshaus, als zunächst gedacht.

"Wir sind froh und stolz, dass wir so weit gekommen sind", sagt Siegfried Zschärlich. Als sich der Förderverein Feldsteinkirche Wollenberg im März 2013 gründete, habe niemand zu hoffen gewagt, dass es irgendwann los gehen könnte. Doch die Vereinsgründung brachte Bewegung ins Dorf und überzeugte die Kirche als Bauherr, dass sich die Investition lohnt. Zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Feste hat der Förderverein seit seiner Gründung zugunsten des Gotteshauses auf die Beine gestellt. "Mit 5000 Euro stellen wir nur einen kleinen Teil der Bausumme zur Verfügung", so Siegfried Zschärlich. Den Löwenanteil gebe der Kirchenkreis Oderland-Spree, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die Schiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Die geschätzten Kosten für die gesamte der Sanierung der Kirche betragen 320 000 Euro, berichtet der Vorsitzende des Fördervereins. Für die beiden Bauabschnitte werde jeweils die Hälfte der Gesamtsumme benötigt. Das Geld für den zweiten Bauabschnitt stehe noch nicht gänzlich zur Verfügung. Bis September, hofft Zschärlich könnte der erste Bauabschnitt abgeschlossen werden.

Dann werde bei einem Festakt die Turmbekrönung auf den Turm gehoben. Pfarrer Johannes Reiner und Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde, hatten die Turmbekrönung geöffnet und dabei lediglich eine Turmknopfurkunde von 1918 gefunden. "Sie spiegelt die damalige Zeit und die Verunsicherung nach dem verlorenen Weltkrieg wider", berichtet Reinhard Schmook, der in Kontakt mit Dorita Traub, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, steht. Der Museumsleiter transkribierte das Original, das Pfarrer Reimer aufbewahren wird. Eine Abschrift verbleibt im Museum, eine weitere kommt als Beigabe in die Hülse der neuen Turmbekrönung. Ferner werden Münzen, ein Bericht über die Sanierung und eine aktuelle MOZ in die Hülse hineingesteckt.

Märkische Onlinezeitung vom 14. Juni 2016

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