Im Kirchbauverein steht Generationswechsel an

Vorstand will die Geschicke in neue Hände geben

FORST Nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit möchte der Vorstand des Forster Kirchbauvereins im kommenden Jahr diese Arbeit in neue Hände legen. Noch bei der Gründung stand eine schier unlösbare Aufgabe vor dem Verein: 100 000 Euro Eigenkapital mussten für die Sanierung von Fassade und Dach der Stadtkirche St. Nikolai zusammenkommen. Mittlerweise ist es rund eine Viertelmillion geworden. Die größten Aufgaben scheinen erledigt.

Die Finanzierung des neuen Daches und der Fassade war ein Grund für die Gründung des Vereins - der Eigenanteil von 100 000 Euro wurde binnen 13 Monaten aufgebracht.
Foto: Jürgen Scholz
Vor zehn Jahren wurde der Freundeskreises der Stadtkirche St. Nikolai gegründet. Der Vorstand von damals Harald Bertke, Marko Sieber, Sybille Kutzscher, Frank Henschel, Andreas Hammer, Matthias Vogt und Marko Bierholdt ist fast noch derselbe.
Foto: Angelika Brinkop/abr1

Mit viel Fantasie gingen die Mitglieder an die Spenden-Akquise; Benefizkonzerte, Karten, Turmbesteigungen und andere Veranstaltungen sollten das Projekt auch zu einer Sache von vielen machen auch von Forstern außerhalb der Kirchengemeinde. Dafür wurde der Kirchbauverein gegründet. Der Erfolg war messbar: Nach 13 Monaten waren die Eigenmittel für die Trockenlegung der Mauern, der Sanierung von Dach und Fassade zusammen. Mittlerweile, so Henschel, dürfte die Summe eine Viertelmillion erreicht haben. Die Kirche hat eine neue Lautsprecheranlage, die Gruft der alten Standesherren wurde archäologisch untersucht, saniert und wieder bequem von innen zugänglich gemacht, die Erinnerungstafeln an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgearbeitet, Sanitäranlagen eingebaut, sodass auch kein Künstler mehr verzweifelt nach draußen gehen muss, wenn er mal muss.

Man könnte also meinen, alles Wichtige sei erledigt. Zumindest die großen Sachen sind es, sagt Henschel, der von Anfang an stellvertretender Vorsitzender ist. Und doch fallen ihm gleichzeitig Dinge ein, die es vielleicht doch noch anzugehen gelte. Auf der Südseite haben sich Risse im Mauerwerk gebildet. Die Pieta, die Figur, die zu den bereits aufgearbeiteten Erinnerungstafeln gehört, müsste aufgefrischt werden. "Vielleicht sehen andere auch noch mehr", räumt Henschel ein.

Die Aufgaben jedenfalls gehen nicht aus, Geld wird immer benötigt. Und wenn es "nur" um den Ersatz von kupfernen Fallrohren geht, die erst Anfang des Jahres gestohlen worden waren. Einige Tausend Euro hat dies gekostet. Die Kirchengemeinde hatte um Unterstützung gebeten, und genau dafür wurde der Verein gegründet: Die Erhaltung des Kirchengebäudes zur Sache aller zu machen; gleichzeitig soll das Gotteshaus aber nicht nur ein Museum sein. Auch wenn der Verein über den entsprechenden Fonds des Landkreises Unterstützung erhält. Im Turm gibt es eine neu gestaltete Ausstellung in der Stube. Die Turmbesteigungen in der zwischen April und Oktober offenen Kirche gibt es immer noch. Der Eintritt zum Turm, 2,50 Euro ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Unterhaltung der Kirche. Bei Höhepunkten, wie dem Derny-Rennen, steigen Hunderte hinauf.

Damit sich Interessenten mit den Aufgaben des Kirchbauvereins und dem Gebäude intensiv vertraut machen können, gibt es am Donnerstag 9. Juni, um 18 Uhr ein Rundgang durch die Kirche vom Gruft bis Turmstube.

Jürgen Scholz

Lausitzer Rundschau vom 04. Juni 2016

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