Förderverein Dorfkirche Gadow

Kirche ist Museum der „Freien Heide“

Erst trafen sich die Gegner des Bombodroms vor ihr, später beteten sie in ihr. Die Geschichte der Dorfkirche Gadow und des um ihren Erhalt bemühten Fördervereins ist eng mit der Protestbewegung „Freie Heide“ verbunden. Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten ist die Kirche mittlerweile eine Art kleines Museum für die Bürgerinitiative von damals geworden.

Auf der Empore befindet sich ein Museum zur Freien Heide.
 
Renate Schüler steht dem Verein seit seiner Gründung vor zwölf Jahren vor.
Quelle: Christian Bark
 
Die Bilder des Malers Wolfgang Dicks hängen in der Kirche.
Quelle: Christian Bark

Gadow. Alles fing vor über 14 Jahren an, als sich die Gegner des geplanten Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide für ihre Protestmärsche vor der Dorfkirche in Gadow sammelten. „Damals fanden schon lange keine Gottesdienste mehr in der Kirche statt“, erinnert sich Renate Schüler vom Förderverein zum Erhalt der Kirche. Diese seien im Pfarrhaus abgehalten worden, während aus dem Dach des Gotteshauses bereits die Bäume wucherten. „Die letzte Hochzeit fand 1979 in der Kirche statt, dann kam sie immer mehr herunter“, sagt Schüler.

Mindestens einmal im Jahr mit dem Klingelbeutel unterwegs

Doch dann muss sich etwas in den Köpfen der Gadower bewegt haben, im Jahr 2002 starteten sie, auch mit Unterstützung des hiesigen Singkreises, eine groß angelegte Putzaktion. Im Jahr 2004 taten sich die fleißigen Helfer dann in einem Förderverein zusammen, der sich bis heute für die Sanierung des 1861 in der aktuellen Form erbauten Gotteshauses einsetzt. „Wenn ich sehe, was wir seitdem bereits alles geschafft haben, bin ich schon etwas stolz“, lässt Schüler ihren Blick über das sanierte Gebälk und die hell verputzten Mauern im Innenraum der Kirche schweifen.

Freilich sei das nicht ohne tatkräftige Unterstützung durch die Gadower, die Kirchgemeinde, Finanzspritzen von Stiftungen und Förderprogrammen sowie Spenden von Privatleuten gegangen. „Mindestens einmal im Jahr gehe ich oder ein anderes Mitglied mit dem Klingelbeutel durchs Dorf“, lacht Schüler. Und immer komme gutes Geld zusammen. Die Bewohner hingen eben an ihrer Kirche. Deshalb gebe es ja auch den Förderverein, dem auch Nichtmitglieder der Kirchgemeinde angehören könnten.

Veranstaltungen sichern Unterhalt der Kirche

Und damit das Gotteshaus Einheimische wie Besucher begeistern kann, muss sich der Verein auch regelmäßig etwas ausdenken, dass das Interesse am Erhalt nicht schwindet. „Wie rettet man eine Kirche?“, habe sich Schüler schon vor zwölf Jahren gefragt. „Indem man Leute reinbringt, die sie retten wollen“, fand sie die Antwort. So gebe es jeden Monat mindestens eine Veranstaltung in den Räumen. Vom Gottesdienst bis hin zum Orgel- oder Bläserkonzert, irgendwie sei in der Gadower Kirche immer was los. Am 7. Juni sei zum Beispiel ein Gespräch über Bücher mit dem ehemaligen Superintendenten Joachim Christoph angesetzt, nur drei Tage später gebe der Wittstocker Kantor Uwe Metlitzky ein Konzert an der restaurierten Lütkemüller-Orgel.

"Die Orgel kam erst vor 60 Jahren aus Wittstock, wo man sie ausgesondert hatte, nach Gadow“, sagt Schüler. Vor einigen Jahren sei sie dann restauriert worden und könne nun in dem vergleichsweise großen Gotteshaus ihren Klang entfalten.

Beim Streifzug durch die Kirche dürfte jedem auffallen, wie eng das Gebäude mit der Protestbewegung gegen das Bombodrom verbunden ist. Drei Bilder des Malers Wolfgang Dicks zeigen die bewegte Geschichte der Heide, von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs über die führenden Köpfe der Bürgerinitiative „Freie Heide“ bis zum erlösenden Gerichtsbeschluss 2009, der das Ende des geplanten Bombodroms zur Folge hatte. Auch rund um die Orgel auf der Empore können sich Besucher über die Protestbewegung informieren. Dort ist eine kleine Ausstellung eingerichtet. „Am 9. Juli gibt es wieder einen Gedenkgottesdienst“, kündigt Schüler an. Anlässlich des 7. Jahrestags der „Freien Heide“.

Von Christian Bark

Märkische Allgemeine vom 20. Mai 2016

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