Klima-Ampel soll Orgel schützen

Janet Neiser

Eisenhüttenstadt (MOZ) Nach wochenlanger Abstinenz ist sie wieder zurück zu Hause in der Fürstenberger Nikolaikirche, die Eule-Orgel. Sämtliche Pfeifen waren ausgebaut und gereinigt worden. Der Grund? Schimmelbefall. Schuld war die Feuchtigkeit in der Kirche.

Wieder sauber: Die Eule-Orgel aus dem Jahr 1999 in der Fürstenberger Nikolaikirche gehört zu den jüngsten Orgeln in Oder-Spree. Durch Feuchtigkeit in der Kirche bildete sich in den Pfeifen und an der Mechanik Schimmel, der jetzt entfernt wurde.
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"Sie klingt gut und sie klang schon immer gut", sagt Martin Schulze, nachdem er der Eule-Orgel in der Fürstenberger Nikolaikirche die ersten Töne nach ihrer Generalüberholung entlockt hat. "Das Problem an ihr war, dass sie durch die Feuchtigkeit maßlos viel Schimmel hatte." Dieser habe in der ganzen Orgel gesessen, vor allem in den Pfeifen, aber auch an der Mechanik, so der Orgelsachverständige des Kirchenkreises. "Das war erschreckend, da war dringend Handlungsbedarf. Ansonsten wäre sie vergammelt." Und das in einem für Orgeln doch sehr zarten Alter. Denn das Instrument wurde erst 1999 eingebaut, ist also noch nicht einmal volljährig. Zudem wäre der Schimmel auf Dauer auch gesundheitsschädlich für die Organisten und für die Gemeinde gewesen, macht der Orgelsachverständige klar. Klanglich wurde an dem Instrument während der wochenlangen Wartungsarbeiten allerdings nichts gemacht. "Das ist eine ganz hervorragende neue Orgel", lautet das Fazit von Schulze. Und die Feuchtigkeit in der Kirche könne man ja den Orgelbauern nicht zur Last legen. Da halfen selbst die regelmäßigen Wartungsarbeiten nichts.

Drei Angebote gab es für die Beseitigung der Schäden an der Eule-Orgel, unter anderem von den Eule-Spezialisten in Bautzen. Doch letztlich bekam Sauer-Orgelbau in Müllrose den Zuschlag. Das ausschlaggebende Argument dafür, dass man sich für die Experten aus der Region entschieden hat, nennt Pfarrer Wolfgang Krautmacher von der Nikolakirchengemeinde: "Weil sie einen Großteil der Arbeiten in ihrer eigenen Werkstatt durchgeführt haben. Es war uns auch aus gesundheitlichen Gründen wichtig, dass die Entfernung des Schimmels nicht im Alltagsgeschäft, also während der Gottesdienste und Konzerte, passiert." Andere Firmen hätten das schon allein aufgrund der Entfernung vor Ort machen müssen. Finanziert wurde die etwa 41 000 Euro teure Reparatur und Reinigung über Rücklagen und Spenden.

Während der Pfarrer erzählt, lässt Martin Schulze seine Finger und Füße schon wieder tanzen. Endlich wird das Gotteshaus nach Monaten der Stille wieder mit wundervollem Klang erfüllt. Nur die letzten Pfeifen müssen noch richtig eingestellt werden.

Doch was ist mit der so schädlichen Feuchtigkeit? Das zeigt ein kleines schwarzes Kästchen am Kircheneingang an. Dieses wurde als eine der ersten Maßnahmen angebracht. "Das ist eine Klima-Ampel", berichtet Wolfgang Krautmacher. Die messe drinnen und draußen jeweils die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit. Sobald die Gefahr besteht, dass die Luftfeuchtigkeit im Innenraum zu hoch wird, weil sich warme, feuchte Luft, die hineingelassen wird, abkühlt und die Feuchtigkeit ans Gebäude und an die Orgel abgibt, blinkt ein rotes Lämpchen. Dann sollte die Tür geschlossen bleiben. Wenn umgekehrt das grüne Lämplein aufleuchtet, wird frische Luft benötigt. So werden künftig mögliche Lüftungsfehler vermieden.

Außerdem achtet der Pfarrer jetzt penibel darauf, dass ursprüngliche Öffnungen im Kirchturm auch offen bleiben. "Die Wärme soll dort abziehen", sagt Krautmacher. "Man kann den Turm nutzen wie einen Kaminabzug." Auch die lange versagte Regenentwässerung über Dachrinnen wurde nun ermöglicht, da die Wände der Kirche immer nass waren - mit entsprechenden Folgen fürs Klima. Möglicherweise stecke die Kirche aber auch zu weit im Erdreich drin. Das müsse man alles prüfen.

Märkische Onlinezeitung vom 18. Mai 2016

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