Hohenbrucher Orgel soll wieder kraftvoll klingen

Robby Kupfer

Hohenbruch (OGA) Bei den höheren Tönen geht der Orgel in der Hohenbrucher Kirche zwar nicht gerade die Luft aus, aber ganz sauber klingen sie schon lange nicht mehr. Auch deshalb soll das ehrwürdige Instrument nunmehr eine Generalüberholung bekommen.

Auf die Empore und unters Dachgestühl gequetscht: Die Orgel ist eigentlich zu groß für den Kirchenneubau von 1877.
© MZV/Robby Kupfer

Erbaut wurde die Orgel mit einem Manual, zehn Registern und 417 Pfeifen anno 1817. Baumeister war Tobias Thurley. Der Treuenbrietzener, eigentlich gelernter Bäckermeister, schaute sich wohl beim bekannten Brandenburger Orgelbauer Joachim Wagner vieles ab, als dieser wenige Jahre zuvor in Treuenbrietzen eine Orgel errichtete. Insgesamt baute Thurley in der Mark Brandenburg 22 Kirchenorgeln, die in Hohenbruch ist die zweitälteste bis heute erhaltene.

Das hört und sieht man dem Instrument inzwischen an. Deshalb beschloss die Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Hohenbruch um Pfarrer Malte Koopmann und den ehrenamtlichen Organisten Stefan Freitag, die Orgel vor ihrem 200. Geburtstag zu überholen. Etwa 4 000 bis 5 000 Euro soll die Sanierung kosten, die renommierte Firma Mecklenburger Orgelbau aus Plau am See hat sich den "Patienten" bereits angesehen und rechnet mit zirka vier Tagen für die Überholung. "Das ist uns wichtig, weil wir dann bei keinem unserer alle zwei Wochen stattfindenden Gottesdienste auf die Orgel verzichten müssen", betont Pfarrer Koopmann. Organist Freitag ergänzt: "Die Leute hier in Hohenbruch lieben ihre Orgel, auch wenn sie schon ein bisschen altersschwach ist."

Tatsächlich hat das Hohenbrucher Instrument so seine ganz eigenen Merkmale. Zum einen stammt es noch aus der Vorgängerkirche. Als 1877 die jetzige Kirche geweiht wurde, zog das Instrument aus dem alten Gotteshaus um, war aber für das neue zu groß und wurde daher ziemlich rabiat unters Dachgestühl gepresst. Zum anderen wird die Luft für den Blasebalg mittels lautem Motor aus dem Kirchturm angesaugt und ins Orgelinnere geleitet - ein DDR-Provisorium, das bei der Sanierung beseitigt werden soll.

180 Mitglieder zählt die Hohenbrucher Kirchengemeinde. Knapp die Hälfte der erforderlichen Mittel für die Sanierung kamen über Spenden bereits zusammen, weitere sind dringend erwünscht. Informationen dazu gibt Pfarrer Koopmann unter 03381 200200.

Gefeiert werden soll die gelungene Verjüngung der Hohenbrucher Orgel am 3. September. Dann wird in Hohenbruch der bekannte Berliner Organist Andreas Hetze ein Konzert geben und das neue alte Instrument in seiner ganzen Pracht erklingen lassen.

Märkische Onlinezeitung vom 12. Mai 2016

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