Sietzinger Fachwerkkirche muss dringend saniert werden

Doris Steinkraus

Sietzing (MOZ) "Die Kirche gehört ins Dorf." Das steht nicht nur für die Sietzinger Ortsvorsteherin Ines Zochert-Köhn fest. Als einer ihrer ersten Amtshandlungen suchte sie Ende 2014 Gleichgesinnte, die sich um den Erhalt der 1803 errichteten Fachwerkkirche sorgen. Mit Karl-Heinz Sommerfeld von der Kirchengemeinde lud sie die Bürger ein, um zu beratschlagen, wie das den Ort prägende Gotteshaus saniert werden kann.

Pflanzenbörse für einen guten Zweck: Angelika Plett mit Klaus Kröger, Karl-Heinz Sommerfeld, Barbara Kröger, Ines Zochert-Köhn und Pfarrer Arno Leye (v.l.) an der Kirche Sietzing
© Johann Müller

Im Januar 2015 gründete sich der Freundeskreis Sietzinger Fachwerkkirche. Der hat inzwischen einiges angeschoben. "Wir hoffen auf Fördermittel aus dem Leader-Programm", sagt die Vereinsvorsitzende Barbara Kröger. Dafür hat der Verein bereits viele Seiten Papier beschrieben. "Es ist klar, dass wir ein Nutzungskonzept brauchen", erklärt die Wahl-Sietzingerin, die seit 20 Jahren zwischen Berlin und dem Oderbruch pendelt. Es nütze niemandem, wenn das historische Gebäude hergerichtet, aber nicht genutzt wird. Mit Veranstaltungen macht der Verein bereits jetzt deutlich, wie die Nutzung durch das gesamte Dorf aussehen kann. Ausstellungen, Lesungen, Kindertheater, Adventsmarkt - all das kam gut an. An diesem Sonnabend hat der 17 Mitglieder zählende Verein zum 2. Sietzinger Pflanzcafé eingeladen.

Ein dickes Lob gibt es für Angelika Plett, die viele der Pflanzen selbst gezüchtet hat. Der Erlös geht in die Spendenbox. Denn die Aufgabe ist riesig. Eine halbe Million Euro wird die Sanierung kosten. Wände sind feucht, Balken vom Holzwurm zernagt, die Fenster verzogen und nicht mehr dicht und vieles mehr. Klappt es mit der Förderung, muss der Verein 25 Prozent der Kosten als Eigenanteil aufbringen. Dafür wird jeder Euro gebraucht. Die anfängliche Skepsis im Ort ist der Freude darüber gewichen, dass sich Leute ernsthaft ins Zeug legen und einiges auf den Weg bringen. Auch mit Nachmittagen wie diesen. "Eine wunderbare Sache", sieht es Pfarrer Arno Leye, der selbst im Freundeskreis mitwirkt. Viele würden helfen. Der Treff bei Kaffee und Kuchen auf dem Anger vor der Kirche bewirke, dass man miteinander redet und das Kirch-Vorhaben im Gespräch bleibt.

Auch Besucher tragen die Kunde weiter. Der Verein möchte eine Radfahrkirche entwickeln. Schon jetzt stoppen Durchreisende. Ein Schild an der Kirchentür lenkt Besucher zu Karl-Heinz Sommerfeld, der schräg gegenüber wohnt und auf Wunsch gern einen Blick in die Kirche - wohl die einzige, die einen Kreisverkehr hat - werfen möchten.

Infos zur Kirche unter www.altekirchen.de, Kontakt Tel. 033474- 4695; E-mail: fachwerkkirche-sietzing@web.de

Märkische Onlinezeitung vom 09. Mai 2016

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