Die Geschichte eines Gotteshauses

Doris Steinkraus

Gusow-Platkow (MOZ) Die Kirche in Gusow hat eine wechselvolle Geschichte. In verschiedenen Publikationen gibt es Abschnitte zu ihrer Historie. Norbert Remus vom Gemeindekirchenrat hat jetzt ein Büchlein zusammengestellt, das in Wort und Bild vieles zusammenfasst.

Ein Herz für die Kirche: Das hat Norbert Remus, der das Buch zusammenstellte.
© MOZ/Doris Steinkraus

Erst sollte es ein Faltblatt werden, erzählt Norbert Remus. Denn immer wieder mal melden sich bei ihm Besucher, die gern ins Gusower Gotteshaus hinein schauen und etwas von der Geschichte erfahren möchten. Sein Name und seine Telefonnummer stehen im Verzeichnis der Dorfkirchen Brandenburg. Als er begann, sich näher mit der Geschichte des Hauses zu beschäftigen, wurden es immer mehr Informationen, die er einfach bündeln wollte.

In der Gusower Chronik gibt es einen Abschnitt zur Kirche, im Pumpenhaus standen dicke Chronik-Ordner, die ABM-Kräfte nach Wende angelegt hatten. Und auch im Gemeinderaum der Kirche fand er einen Ordner, in dem durch den einstigen Pfarrer Joachim Neubert ein ganz besonderes Kapitel zusammengefasst worden war - die Wiederauferstehung des eigentlich verloren geglaubten Gotteshauses.

Zur Wende war die Kirchenruine kaum noch auszumachen. Anfang 1945 war der einst imposante Kirchturm durch die Wehrmacht gesprengt worden. Das Kirchenschiff blieb erhalten. Nach dem Krieg, als Material knapp war, beschafften sich viele Bürger des Ortes in dem angeschlagenen Gotteshaus Baumaterialien. Die Kirche wurde zur Ruine und über Jahrzehnte ein nicht ganz ungefährlicher Abenteuerspielplatz für Kinder.

Von Jahr zu Jahr wuchsen dort nicht nur Bäume und Sträucher immer höher, sondern auch Schutt- und Unratberge. Mit der Wende kam neue Hoffnung, zumindest die Kirchenhülle wieder herzurichten. Dank einer ABM erfolgte die komplette Beräumung. Im Juni 1991 fand erstmals wieder ein Gottesdienst statt. 1993 wurde die Ruine in die Denkmalliste aufgenommen und es gab die ersten 80 000 DM Fördermittel. Damit wurden die Mauern und die Mauerkronen repariert.

Der Bonner Journalist Eberhard Nitzschke entdeckte 1995 bei einer Fahrt durchs Oderbruch die Ruine und verlor sofort sein Herz daran. Er gründete die Initiative "Ein Dach für die Kirche", sammelte über Jahre privat Spenden. Es sollte bis zum Jahr 2000 dauern, ehe genügend Geld da war, um einen neuen Dachstuhl aufzubringen. 2002 folgte der Einbau der original nachgebauten großen Rundfenster. Gemeinde und Kirche hatten einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Er sah vor, dass die Kirche auch für kommunale Veranstaltungen genutzt werden soll. Daraufhin gab es Fördermittel aus dem Programm Dorferneuerung. Am 18. Mai 2003 wurde die Kirche durch Bischof Wolfgang Huber in einem Gottesdienst wieder als Gotteshaus in den Dienst gestellt. 2006 gab es mit der vom Geschichts- und Heimatverein des Doppeldorfes initiierten Rückkehr des Derfflinger-Epitaphs von Lietzen nach Gusow noch einmal einen Höhepunkt.

All diese Stationen sind im Buch nachzulesen, illustriert mit vielen Fotos. Auch die MOZ hat viel beigesteuert. Immer wieder wurde von den Arbeiten und auch Hemmnissen berichtet. Aber auch zahlreiche historische Fotos, u.a. auch von der Derfflinger-Gruft, finden sich im Buch.

Norbert Remus, der 1993 ein Haus in Gusow erwarb, zunächst nur an Wochenenden aus Berlin ins Oderbruch kam und seit acht Jahren ständig im Ort wohnt, ist ein geschichtsinteressierter Mensch. Der Religionslehrer bedauert es, dass nicht mehr Veranstaltungen in der Kirche stattfinden, auch wenn diese innen nach wie vor "roh" ist. Die Vision, eine Decke einzuziehen, scheiterte zum einen am Geld und zum anderen am Wunsch vieler, die ungewöhnliche Dachbalken-Konstruktion der Kirche mit ihrer enormen Neigung weiter sichtbar zu lassen, erzählt er. Mit dem Erlös des Buches (15 Euro) soll die weitere Arbeit in der Kirche finanziert werden.

"Die Dorfkirche in Gusow", erhältlich bei Erda Grigat, Tel. 03346 844598, Norbert Remus, Tel. 843800, Ida Winter, Tel. 844724 oder im Shop von Schloss Neuhardenberg

Märkische Onlinezeitung vom 14. April 2016

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