Groß Gaglow hat den Traum von der Kirchenuhr nie aufgegeben

Zum Jubiläumsjahr gehört auch eine Kletteraktion

GROSS GAGLOW Ein besonderes Geschenk soll die Kirche Groß Gaglow in ihrem 125. Jahr bekommen.

Die Kirche Groß Gaglow soll zu ihrem 125. Geburtstag endlich eine Uhr bekommen.
Foto: Igel-Allzeit

In einem Dreivierteljahr war die neoromanische Backsteinkirche 1891 errichtet worden. "Das war für den großen Bau mit seinem Kreuzgewölbe erstaunlich. Doch dann reichte das Geld nicht mehr: Die vier Rosetten für Zifferblätter im Turmgiebel blieben bis heute leer", erzählt Pfarrer Johannes Winkel.

Die Dorfbewohner sollen in den vergangenen Jahrzehnten einiges versucht haben, um noch zu ihrem Uhrwerk zu kommen, ohne Erfolg. "Zwar bekommen wir nun kein mechanisches Uhrwerk. Aber eine Funkuhr ist heute auch preiswerter", so der Pfarrer. Für etwa 9000 Euro fertigt die Leipziger Turmuhrenfabrik Zachariä die Uhr mit vier Zifferblättern an und will sie bei guter Witterung mit Industriekletterern der Groß Gaglower Firma Industrie alpine einbauen.

Die Groß Gaglower Kirche hat noch mehr Besonderheiten: Ein Davidstern überlebte im Fenster auf der Ostseite das Dritte Reich, wohl weil ihn damals Bäume versteckten. "Und wer an den Altartisch tritt, darf in den Brandenburger Taghimmel über sich schauen", ermuntert Pfarrer Winkel. Ein Nachthimmel mit Sternen findet sich öfter in Kirchen, aber ein Taghimmel? Der Maler und Restaurator Jan Kretzschmar, den der Gemeindekirchenrat zur umfangreichen Sanierung 2004/2005 für die Restaurierung des Innenraums gewinnen konnte, hat einen verwaschenen Taghimmel im Gewölbe vorgefunden. Weil der kaum nachzuempfinden war, schaute sich Kretzschmar an jenem Tag den Himmel überm Dorf an, zeichnete ihn mit dem Kohlestift an einer Angel am Gewölbe vor und malte ihn blau, weiß und grollend grau. Schmunzelnd zeigt Johannes Winkel von dieser Aktion Fotos, die neben dem Eingang im Innenraum hängen.

Das prunkvolle Epitaph, das an den Rittmeister Wolff Friedrich von der Heyde und seinen Sturz vom Pferd erinnert, ist ein Hingucker. Und der strenge Blick des Ernst Julius Gierth blieb der Kirche durch ein Gemälde erhalten. Er war in jener Zeit Pfarrer in Groß Gaglow, als der Vorgängerbau, eine kleine 1688 errichtete Fachwerkkirche mit separatem Glockenstuhl, so baufällig geworden war, dass er abgerissen werden musste. Der Glockenstuhl wanderte in den Turm des Neubaus, und die Tagesglocke aus dem 15. Jahrhundert hören die Groß Gaglower noch heute.

Im Jubiläumsjahr lädt Pfarrer Winkel am 1. Mai, 17 Uhr, alle zur Führung ein. Am 29. Mai, 17 Uhr, will er sie vor allem Kindern zeigen. Zum Wandel-Gottesdienst am 5. Juni sind Fotoapparate erlaubt. Am nächsten Sonntag, 17. April, 17 Uhr, gestalten Bläserchöre des Kirchenkreises d en Gottesdienst zum Motto "Luft nach oben 0.1". Der Festgottesdienst zum Jubiläum wird am 11. September gefeiert.

Annett Igel-Allzeit

Lausitzer Rundschau vom 13. April 2016

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