Außenkanzel, Mordkreuz und Unterarme

Wolfgang Balzer

Tremmen (MOZ) Auch 600 Jahre nach dem Bau der einschiffigen, kreuzförmigen und gewölbten Backsteinkirche in Tremmen birgt das Gotteshaus ungeklärte Geheimnisse. So ist bis heute die Bestimmung der Außenkanzel im Westgiebel nicht genau bekannt. Man spricht zwar davon, dass durchziehende Pilger und Wallfahrer von der Außenkanzel den Segen erhielten. War es also eine Wallfahrtskirche? Es gibt keine Quellen, die das bestätigen könnten. Über dem Südeingang gibt es das sogenannte Mordkreuz, über das der Volksmund spekuliert, dass an dieser Stelle ein Mörder lebendig eingemauert wurde.

Heike Meißner und Pfarrer i. R. Klaus Brosig bei der Ausstellungseröffnung.
© Balzer

Was genau bekannt ist, erzählte Klaus Brosig, Pfarrer in Ruhe, am vergangenen Sonntag zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Tremmener Dorfmuseum, in dem auf mehreren Tafeln die 600-jährige Geschichte der Backsteinkirche spannend, und mit zahlreichen Exponaten ergänzt, erzählt wird. So ist es sicher, dass nach dendrochronologischen Untersuchungen des Dachstuhls in den Jahren 1416/17 mit dem Bau der Kirche begonnen wurde.

Dass so wenige Daten aus der Kirchengeschichte vorhanden sind, ist dem Brand von 1794 geschuldet, durch den alle Akten vernichtet wurden. Ausgestellte und unterschiedlich große Orgelpfeifen zeigen, dass die Tremmener Kirche einst über eine neogotische Orgel verfügte. Bei der Kirchenrestaurierung 1968 musste diese allerdings für immer ausgebaut werden. Sie war zerschossen und ebenso kaputt wie die barocken Emporen, die gleichfalls entfernt wurden, wie Heike Meißner erzählte. Sie ist Vorsitzende des örtlichen Gemeindekirchenrates und hat mit Klaus Brosig maßgeblichen Anteil an der Ausstellungsgestaltung. Bei den Restaurierungsarbeiten 1968 wurden spätgotische Wandmalereien entdeckt, denen ein weiteres Ausstellungskapitel gewidmet ist. Interessant ist auch die Bedeutung der Wandmalerei zur Erklärung der Verwandlung von Brot und Wein in den Leib des Herrn Jesus Christus auf der sogenannten Hostienmühle. Allerdings, so Klaus Brosig, enthielten die nur in Fragmenten sichtbaren Wandmalereien auch noch so manches Rätsel. Berichtet wird, dass die markanten und für ein märkisches Dorf ungewöhnlichen Zwiebeltürme im Jahre 1724 gebaut und durch den Brand samt Glocke und Uhr in Asche gelegt worden sind. Nach dem Wiederaufbau musste die Kirche trotzdem noch lange auf die Turmspitzen verzichten. Wie Klaus Brosig informierte, soll der damalige Dorfschulze dem durchreisenden Friedrich Wilhelm III. (Schloss Paretz) das Dilemma geschildert haben, sodass dieser den Befehl gegeben habe, die Tremmener Kirche mit neuen Turmspitzen zu versehen und das auch noch aus der Privatschatulle finanzierte.

Verwundert blickten die Eröffnungsgäste auf ein etwas größeres Holzkreuz. An den Querarmen hingen je an einem Nagel ein linker und ein rechter Unterarm. Sie hat Pfarrer Brosig vor einem Jahrhundert auf dem Dachboden der Etziner Kirche entdeckt. Durch Recherchen und Zufälle wurde deutlich, dass das Kreuz einst zur Tremmener Dorfkirche gehörte und eine Kreuzigungsdarstellung ist. Wurmstiche ließen wohl den Rest der Darstellung des Körpers abfallen. Ein Arm ist im Original Bestandteil der Ausstellung - ein geklärtes Geheimnis also. Ein Geheimnis ist auch die Herkunft der gezeigten 45 Münzen, unter anderem aus den Jahren um 1703 bis 1793. Sie wurden bei Restaurierungsarbeiten der Türme 1990 im Turmknopf entdeckt. Mehr zu sehen über die spannende Geschichte ist im Dorfmuseum jeweils an den Sonnabenden, Sonntagen und Feiertagen bis Ende Oktober in der Zeit von 13.30 bis 17 Uhr. Die Kirche ist an den gleichen Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Märkische Onlinezeitung vom 08. April 2016

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