Im April rücken Bauarbeiter an

Die Kirche in Bornim ist nicht ganz dicht

Wenn das Dach aber nun ein Loch hat? Und wenn’s zwei Löcher hat? Drei? Hunderte? Die Bornimer können ein Lied davon singen. Seit Jahren schon ist das Dach ihrer Kirche hin. Die Ziegel haben Risse, Wasser sickert ein, an den Wänden blühen feuchte Flecken. Jetzt naht Hilfe: Nach Ostern rücken die Bauarbeiter an. Die Finanzierung der lang ersehnten Baumaßnahme erregte Aufsehen.

Die Gemeinde hält zusammen – auch bei den Arbeitseinsätzen im Frühling und Herbst. Gerade rückten Eva Maria Schönherr, Christine Herold, Katharina Schwarz und Christiane Thiel (v.l.) zum Kirchputz an.
Quelle: Christel Köster
 
Brigitte Neumann ist die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.
Quelle: Christel Köster

Bornim. Nach Ostern soll’s im Oberstübchen der Bornimer Dorfkirche rappeln – aber richtig! Das Dach ist seit Jahren schon hinüber. Die Pfannen haben Risse und im Gebälk steckt womöglich der Schwamm. „Wie groß die Schäden am Dachstuhl tatsächlich sind, wissen wir im Moment nicht so genau“, sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, Brigitte Neumann. Der Gutachter habe zwar die Südseite abschreiten können und Entwarnung gegeben. Doch die Nordseite ließ sich nicht bis in den letzten Winkel erkunden. „Da könnte noch eine Überraschung lauern. Hoffen wir das Beste.“

Für Anfang April sind nun die Bauarbeiter bestellt. Zwei Trupps decken beide Dachseiten parallel ab – der Statik zuliebe. Genug, dass die Finanzierung der lang ersehnten Rettungsmaßnahme für einen bangen Moment ins Wanken geraten war, denn die für die Sanierung erforderlichen 700000 Euro kommen von der Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) rund um Ex-Bundeswehroberst Max Klaar.

Wie andere Kirchengemeinden in Brandenburg auch machte die Bornimer im vergangenen Jahr erfolgreich Gebrauch von Klaars Offerte, sich an den eigentlich für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gedachten 6,3 Millionen Euro Spendenrücklagen zu bedienen. Doch es hagelte Kritik. Denn Klaar ist wegen seiner national-revanchistischen Ansichten umstritten. Im Land kam gar die Frage auf, ob man überhaupt Geld seiner Stiftung annehmen dürfe. Die evangelische Landeskirche erklärte daraufhin, auf SPKE-Spenden zu verzichten – künftig.

Die Freude über den unerwarteten Geldsegen hat sich in Bornim trotz des Hickhacks gehalten. So lange schon ringt man hier um den Erhalt des unverwechselbaren Gotteshauses, das nun nicht nur neu, sondern auch originalgetreu eingedeckt werden kann. Auf dass spätestens 2017, im Jubiläumsjahr der Reformation, wieder im Trockenen getauft und konfirmiert, getraut und getrauert werden kann. Brigitte Neumann hofft indes, dass schon zum großen Erntedank- und Festgottesdienst Ende Oktober alles fertig ist.

Mitte der 90er zog Brigitte Neumann mit ihrer Familie aus dem Rheinland in den Potsdamer Norden. Seit 17 Jahren engagiert sie sich im Gemeindekirchenrat, steht seit zehn Jahren an dessen Spitze. „Wie fest diese Gemeinde zusammenhält, hat mich von Anfang an beeindruckt“, sagt Brigitte Neumann. Diese Verbundenheit zeige sich bei vielen Gelegenheiten. Im Kirchbauverein und beim Kindertreff, beim Gemeindenachmittag für die Älteren und im Chor, bei den Arbeitseinsätzen und bei den allsonntäglichen Gottesdiensten, von denen der Familiengottesdienst besonders beliebt ist. Gut 500 Mitglieder zählt die Bornimer Kirchengemeinde – und es werden entgegen dem Trend mehr. „Unsere Tür steht für jeden offen“, sagt Brigitte Neumann. Die nächste Gelegenheit, die Gemeinde und ihre markante Kirche kennenzulernen, ist am Karfreitag und am Ostersonntag. Jeweils um 11 Uhr läuten die Glocken zum Gottesdienst mit Chor- und Orgelmusik.



Das Gotteshaus

Am 12. Juni 1903 wurde die Bornimer Dorfkirche eingeweiht – in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. und seiner frommen Gemahlin, die im Volksmund „Kirchenjuste“ genannte Kaiserin Auguste Viktoria.
Die Kirche ist die größte im Norden Potsdams. Der prachtvolle Bau im Stile der Neogotik wurde von Ludwig von Tiedemann geplant. Die mit einem Blendgiebel geschmückte Kirche ist asymmetrisch gestaffelt, der Turm ragt 55 Meter in die Höhe.
Pfarrerin in Bornim ist die Gemeindepädagogin Anke Spinola, die auch die beiden Potsdamer Gemeinden Golm und Grube betreut.


Von Nadine Fabian

Märkische Allgemeine vom 23. März 2016

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