Der Schnitzaltar der Lindenaer Kirche ist in Berlin zur Kur

Einzigartig in der Niederlausitz: die Darstellung der Nothelfer / Unverfälschte mittelalterliche Kunst / Arbeiten dauern bis zum Frühjahr

LINDENA Vor knapp zwei Jahren hat Lindena die Kirchensanierung mit einem Festgottesdienst gefeiert. Allerdings mit einem kleinen Wermutstropfen.

Der sogenannte Nothelfer-Altar in der Dorfkirche Lindena.
Foto: privat
 
Der "abgeräumte" Altar. Flügel und Figuren sind beim Restaurator.
Foto: privat

Denn für den spätgotischen Flügelaltar und die Apsis war noch kein Geld da. Jetzt aber ist auch der Altar an der Reihe, atmet Birgit Schrey, Vorsitzende vom Gemeindekirchenrat, auf.

Die Dorfkirche Lindena (Dorfkirche des Monats Januar 2012) aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zählt zu den bedeutendsten Dorfkirchen des Landes Brandenburg. 1253 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Mit Fördergeldern für die Integrierte ländliche Entwicklung (ILE), von der Union Evangelischer Kirchen und einem stattlichen Eigenanteil der Kirchengemeinde Lindena hat das Gotteshaus 2013/14 einen neuen Farbanstrich bekommen. Bänke, Fenster und Türen wurden restauratorisch aufgearbeitet, das marode Chorgestühl und die Malereien hergerichtet alles unter fachlicher Begleitung vom Landesamt für Denkmalpflege.

Die Lindenaer haben nicht aufgegeben und fleißig weiter gespendet. Auch wenn die Gottesdienste wie anderswo eher spärlich besucht werden, ihrer Kirche fühlen sich die Lindenaer sehr verbunden. Es wurde viel im Dorf gespendet, verbunden mit mehreren Aktionen.

Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat geholfen ebenso wie der Kirchenkreis Niederlausitz. Seit September ist nun auch der wertvolle sogenannte Nothelfer-Altar in Berlin beim Restaurator zur Kur. Etwa 38 000 Euro wird dessen Sanierung kosten.

Der Altar stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts schon einmal restauriert. 2008 hatte sich Bernadett Freysoldt im Rahmen ihrer Diplom-Arbeit zur Restauratorin an der Dresdener Hochschule für Bildende Künste schon einmal dem linken Flügel gewidmet. Das gilt als weitere Teilrestaurierung.

In wunderbarer Ausführung ist mittelalterliche Tafelmalerei mit Schnitzwerk verbunden worden. Seit jeher zollen die Menschen dem Altar, auf dem Gruppen- und Einzeldarstellungen sowie eine biblische Szene zu bewundern sind, höchsten Respekt. Der Altar hat Kriege überstanden und wurde auch nicht während der Reformation übermalt. Mittelalterliche Kunst ist noch in reinster Ausführung zu bestaunen.

Prägend für den Altar ist die Darstellung sogenannter Nothelfer, weltliche und kirchliche Würdenträger, die aufgrund ihres Handelns nach ihrem Tod heilig gesprochen wurden. 14 Nothelfer kennt die Kirchengeschichte, elf sind auf dem Lindenaer Altar dargestellt. Sie drücken die Wünsche und Hoffnungen der Menschen im Mittelalter aus. Allein die Darstellung der Nothelfer ist in Südbrandenburg eine Rarität.

Wenn es terminlich machbar ist, können die Lindenaer noch im März einen Abstecher in die Berliner Restauratorenwerkstatt unternehmen, um zu erfahren, wie an ihrem Kunstwerk gearbeitet wird.

Frühestens im Frühjahr ist der Altar wieder an seinem angestammten Platz. Für die Kirchengemeinde ist das ein weiterer Schritt bei der Sicherung ihrer kulturhistorischen Güter.

Bleibt noch eine Baustelle offen: Die Apsis zeigt bedenkliche Risse im Mauerwerk.

leh

Lausitzer Rundschau vom 02. März 2016

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