Nach Gottesdienst knallte Gewicht auf den Boden

Ulrich Heß steigt regelmäßig auf den Turm der Pinnower Kirche und sorgt für den Antrieb der Uhr

PINNOW Fast auf den Tag genau vor 35 Jahren hat der damalige Kirchenälteste Hartmut Deinert die Wartung der alten mechanischen Kirchturmuhr in der Pinnower Kirche übernommen. In Betrieb genommen wurde sie bereits mit der Einweihung der Kirche im Jahr 1910.

Ulrich Heß zeigt stolz das immer noch intakte Innneleben der Kirchturmuhr in Pinnow.
Foto: Ute Richter

Die drei Zifferblätter in Nord-, West- und Südrichtung zeigten fortan den Einwohnern bei ihrem Tagewerk, sei es auf dem Hof, der Garten- oder Feldarbeit oder aber schon von Weitem, bei der Heimkehr aus der Ferne die Tageszeit an.

Die Jahrzehnte gingen jedoch an diesem Zeitmesser nicht ohne Verschleiß vorüber. So gab es auch einen zeitlosen Abschnitt in der Geschichte des Uhrwerkes. Dann nahm sich der Bärenklauer Schlossermeister Joachim Besse des Kleinodes an und brachte das Schmuckstück wieder zum Laufen. Seither weiß man, bis auf Ausnahmen, in Pinnow wieder auch ohne Armbanduhr, wann es Zeit zum Mittagessen oder aber Feierabend ist.

Ursprünglich war auch vorgesehen, die ältere der beiden Glocken, welche vor 1910 in der auf dem Kirchhof stehenden Linde hing, mit der Uhr zu koppeln. Das Schlagwerk für die Viertelstundenschläge ist zwar vorhanden, jedoch war und ist die Ruhe in Pinnow heilig.

Damit auch heute vom Kirchturm noch die genaue Zeit verkündet wird, ist alle paar Wochen der Gang zur Kirche und der Aufstieg in den Turm mit seinen 50 Stufen nötig.

Das Uhrwerk wird durch ein zentnerschweres an einem Drahtseil frei hängendes Gewicht am Laufen gehalten. Von Zeit zu Zeit muss diese Antriebslast wieder mittels Kurbel nach oben gezogen werden.

"Vor einiger Zeit hatte die Zentnerlast beinahe schlimmen Schaden verursachen können. Als die Gottesdienstbesucher sich auf den Heimweg machten, ertönte ein mehrfaches lautes Knallen aus dem Kircheninnern. Als wir nach eingekehrter Ruhe die Ursache derselben ergründen wollten, fand man auf dem Turmfußboden das Gewicht", erzählt Ulrich Heß, Gemeindebezirksvorsitzender Grano der Evangelischen Kirchgemeinde Region Guben.

Die Aufhängung war ihrer jahrzehntelangen Last überdrüssig geworden und hatte sich gelöst, worauf das Eisen zwei Böden und die Treppe durchschlug.

Heute wird eine Wiederholung durch regelmäßige Kontrollen und einen Sandfang für den Notfall vorgebeugt.

Ute Richter

Lausitzer Rundschau vom 12. Februar 2016

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