Restaurierung der Stiftskirche

Überraschung in Heiligengrabe

Die Restaurierung der Stiftskirche auf dem Gelände des Klosters in Heiligengrabe wird ab April fortgesetzt. Die oberen Gewölbebereiche bekommen ihre spätmittelalterliche Krabbenmalerei zurück.

Chef-Restaurator Jochen Hochsieder bei der Arbeit in der Stiftskirche in Heiligengrabe.
Quelle: Kloster Stift Heiligengrabe
 
Die Verzierungen sind hier gut erkennbar. Im April sollen die Arbeiten in der Stiftskirche weitergehen
Quelle: Kloster Stift Heiligengrabe
 
Eine beeindruckende Detailansicht.
Quelle: Kloster Stift Heiligengrabe

Heiligengrabe. Das hatte niemand erwartet: Als die Restauratoren in der Stiftskirche auf dem Klostergelände in Heiligengrabe Hand anlegten, stellten sie fest, dass sich weit mehr übereinanderliegende Wandmalereien aus verschiedenen Zeitepochen unter der oberen weißen Mal- und Putzschicht befinden, als sie angenommen hatten – nämlich insgesamt vier, zwei mittelalterliche, eine barocke und eine kaiserzeitliche. Mit so vielen „Befunden“ habe niemand rechnen können, sagt Architektin Jutta Behnecke. Die Restauratoren mussten daraufhin in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und dem Kloster eine Entscheidung treffen: Welche der Ausmalungen soll künftig sichtbar sein? Die Wahl fiel schließlich auf die spätmittelalterliche Krabbenmalerei mit den aufwendig gestalteten Schlusssteinumrahmungen. Jutta Behnecke beschreibt sie als „wunderschöne, zauberhafte Mariendistelmalerei“.

Ein Teil davon – der erste Bauabschnitt – ist bereits umgesetzt. Den Restauratoren verlangte das jedoch einiges ab. „Die erhaltenen Putze befanden sich in einem sehr schlechten Zustand und mussten nahezu vollständig mit Injektionsmörtel hinterfüllt werden. Auch war es nötig, die desolaten mittelalterlichen Putze auf größeren Flächenbereichen zu festigen. Bei der freigelegten Malerei handelt es sich um die spätmittelalterliche Zweitfassung, die einer sehr kompakten ersten Ausmalung aufliegt“, so die Architektin.

Die überraschenden Funde an der Decke geben der Kirche ein sehenswertes Stück Vergangenheit zurück, doch sie machen die Restaurationsarbeiten auch teurer als geplant. Bislang stehen insgesamt 120 000 Euro zur Verfügung – 60 000 Euro aus dem Denkmalschutzsonderprogramm IV des Bundes, die im vergangenen Jahr bewilligt wurden, und Eigenmittel des Klosters in gleicher Höhe. Letzterer Betrag beinhalte neben zahlreichen kleinen und größeren Spenden auch 8000 Euro von der Stiftung Denkmalschutz, wie Jutta Behnecke sagt. „Damit war es möglich, mit der Restaurierung zu beginnen.“ Durch die unerwartet wiederentdeckten Ausmalungen geht die Architektin jedoch davon aus, dass die Arbeiten in der einschiffigen Kirche, die im Osten durch eine pentagonale Apsis geschlossen wird, zunächst nur etwa zu einem Dreiviertel finanziert werden können. „Zum Glück“ gab der Förderverein Heiligengrabe 10 000 Euro, um die ausgewählten Lampen zu erwerben und in luftiger Höhe zu installieren. Nach der Winterpause werde voraussichtlich von April bis Juni in der Stiftskirche weitergebaut. Wie das Projekt finanziell zu Ende gebracht werden kann, sei laut Jutta Behnecke noch offen. „Wir prüfen weitere Möglichkeiten der Finanzierung und sind auch künftig über jede Spende dankbar.“

Von Björn Wagener

Märkische Allgemeine vom 04. Februar 2016

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