Das Mysterium der Ostwand

Stephan Achilles

Wansdorf (MOZ) Als 2014 der Außenputz der Wansdorfer Kirche erneuert wurde, gab es eine Überraschung: Zwei zugemauerte Fenster kamen zum Vorschein. Karin Jacob, Denkmalschützerin aus Ketzür, ging der Frage nach und untersuchte die Innenseite der Wand. Schon bei der Abnahme der ersten Putzstücke wurde klar, dass hier etwas ganz Besonderes auf die Wiederentdeckung wartete.

Gruß aus dem Mittelalter: Was für den Laien noch unsichtbar ist, haben Restauratorin Karin Jacob und Denkmalschützer Hans Burger (rechts) längst als bedeutende Wiederentdeckung erkannt.
© MOZ/Achilles

Hans Burger vom Landesamt für Denkmalpflege bezeichnet die von der Familie Jacob zwischen Weihnachten und Silvester 2014 in drei Tagen freigelegten und vorläufig gesicherten mittelalterlichen Wandmalereien als einmalig in Brandenburg. Zwei Drittel der bemalten Wandfläche sind vermutlich ohne Schäden. Er datiert die Bilder auf den Beginn des 15. Jahrhunderts, etwa um 1430.

Am vergangenen Sonntag informierten Jacob und Burger in einer öffentlichen Gesprächsrunde in der Kirche über die bisherigen Untersuchungen und den weiteren Verlauf der Restaurierung. Den Fachleuten erschließt sich schon jetzt, was der Laie wohl erst nach der Wiederherstellung des Wandbildes sehen wird. Demnach zeigt die spätgotische Malerei im Zentrum Christus im Umhang mit einem Reichsapfel als Weltenherrscher unter einer Baldachin-Architektur, umgeben von schmückenden Anrankungen. Zu seiner Linken ist der Heilige Paulus mit bärtigem Gesicht und Schwert dargestellt, zu seiner Rechten der Apostel Petrus, barhäuptig und mit einem Schlüssel in der Hand. "Es wird eine schwierige Sache, daraus ein lesbares Bild zu erhalten. Aber ich denke, wir bekommen es hin", meint Hans Burger.

In seinem Vortrag kann er mit Fotos mehrerer gelungener Restaurationen aus Kirchen in Brandenburg und der Niederlausitz aufwarten. Die erfahrene Restauratorin Karin Jacob ist zuversichtlich: "Teile des Bildes sind mit monochromer Tünche und einer Überputzung bedeckt. Diese müssen im Detail, mechanisch, überwiegend mit dem Skalpell abgenommen werden. Verunreinigungen, die gelbe Verfärbungen hervorgerufen haben, müssen entfernt werden. Einige Löcher werden bleiben. Jedoch werden sie so bearbeitet, dass sie nicht mehr stören.

Insgesamt wird das Bild so gewinnen, das es sich auch dem Laien erschließt." Rund 40.000 Euro wird die Rettung des Kunstschatzes wohl kosten. Der Gemeindekirchenrat, der Förderverein und die Denkmalschutzbehörde bemühen sich gemeinsam um die Finanzierung. Wegen der besonderen Bedeutung des Wandbildes sind die Aussichten gut. Die Gemeinde, einzelne Sponsoren und eine Stiftung sollen bereits positive Signale gesendet haben. Nach zwei bis drei Monaten intensiver restauratorischer Arbeit könnte das mittelalterliche Wandbild saniert sein. "Wenn die Wansdorfer Kirche nicht noch weitere Überraschungen für uns bereithält", fügt Karin Jacob hinzu.

Märkische Onlinezeitung vom 25. Januar 2016

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