Kreuz und Kugel glänzen wieder

Turmsanierung an Kolpiener Kirche fast vollendet / Gerüste sollen im Frühjahr fallen

SCHÖNA-KOLPIEN Nachdem die zwölfjährige Sanierung der Dorfkirche in Schöna im vergangenen Sommer abgeschlossen wurde, rückt auch die Nutzung des Kolpiener Gotteshauses (Dorfkirche des Monats September 2009) in greifbare Nähe. Sichtbares Zeichen ist die neue Bekrönung auf dem noch eingerüsteten Kirchturm.

Metalldrückermeister Christoph Müller und Architekt Thomas Kuhn nach der Bekrönung auf dem Kolpiener Kirchturm.
Foto: Christian Jänicke

"Wenn die Bekrönung aufgesetzt wird, das ist schon ein besonderer Moment", sagt Sylvia Schmidt vom Gemeindekirchenrat, während sie die Arbeiten hoch oben auf der Kirchturmspitze verfolgt. "Wir sind froh, dass unser Turm jetzt saniert wird und hoffen, dass wir bald wieder Gottesdienste in unserer Kolpiener Kirche feiern können."

Der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Feldsteinbau war akut gefährdet. In einem ersten Bauabschnitt sei im Jahr 2010 die Sicherung des Kirchenschiffes erfolgt, berichtet Architekt Thomas Kuhn. Mit der Turmsanierung habe im Mai 2015 der zweite Abschnitt begonnen. An dem etwa 1870/80 errichteten rechteckigen Turm seien bereits sehr viele zerstörte Backsteine ausgetauscht und neu verfugt worden. "Sie wurden als Sonderformat angefertigt und extra dafür gebrannt", erläutert Thomas Kuhn. Das Ergebnis ist am fertig sanierten Portal bereits gut sichtbar.

Besonders aufwendig war die Erneuerung der Sandsteingesimse auf den acht Dreiecksgiebeln. "Der Sandstein war sehr porös, vermutlich aufgrund der Brandhitze nach dem Blitzeinschlag 1918", sagt der Architekt. Darüber hinaus wurden die Schallluken und Zifferblätter überarbeitet, die Türen und einfache sowie bleiverglaste Fenster aufgearbeitet und wieder eingesetzt.

"Im Inneren mussten auf den Deckenebenen insgesamt 25 Balkenköpfe erneuert sowie instand gesetzt werden", nennt Thomas Kuhn einen weiteren Schritt. Inzwischen sei der Turm innen neu verputzt. Außen müssen weitere Backsteine ausgetauscht und Fugen saniert werden. Der Baufortschritt richte sich nach der Witterung. Im Laufe des Frühjahrs werde die Rüstung am Turm aber fallen, schätzt der Fachmann ein.

Dann haben die Kolpiener auch wieder einen freien Blick auf Kugel, Wetterfahne und Kreuz. Früher schmückten Kreuze die Spitzen der acht Dreiecksgiebel, wie eine alte Fotografie zeigt. "Das muss vor dem Blitzeinschlag gewesen sein", vermutet Manfred Brasse. Er hatte auf dem Dachboden eine Collage aus Pappe mit zwei historischen Ansichten des Gotteshauses gefunden.

Pfarrer Christian Jänicke hält die Kupferhülse und Architekt Thomas Kuhn verfolgt, wie Marianne Dennert diese mit Dokumenten der Zeitgeschichte befüllt. Evelin Müller hält noch die aktuellen Euro-Münzen bereit (v.l.). Im Hintergrund das bereits fertig sanierte Eingangsportal des Kirchturms.
Foto: Keilbach/bkh1

An die Wetterfahne mit dem Kreuz erinnern sich noch einige der Kolpiener. Sie sei in den 1950er-Jahren heruntergefallen. Die neue aus Edelstahl und Kupfer ist in der Wurzener Metalldrückerei Müller hergestellt worden. Auch die Kugel haben Metalldrückermeister Christoph Müller und sein Sohn Thomas, der als Restaurator und Metallbildnermeister auf solche Arbeiten spezialisiert ist, repariert und mit einer Ölvergoldung überzogen. "Sie war undicht, hatte mehrere Einschusslöcher. Das Papier darin war zu Staub zerfallen", berichtet Christoph Müller.

In einer Kupferhülse stecken jetzt die Dokumente für künftige Generationen. Evelin Müller und Marianne Dennert vom Gemeindekirchenrat haben sie mit der Chronik der Kirchengemeinde, dem aktuellen Gemeindebrief, der aktuellen Ausgabe der Lausitzer Rundschau sowie des Dorfanzeigers und Euro-Münzen gefüllt.

"Es ist eine besondere Leistung der Kirchengemeinde, beide Kirchen im Ort zu sanieren. Sie haben viel Durchhaltevermögen und Engagement bewiesen", würdigt Pfarrer Christian Jänicke.



Zum Thema:

Die Gesamtkosten der Turmsanierung an der Kolpiener Kirche belaufen sich laut Architekt Thomas Kuhn auf etwa 135 000 Euro. An der Finanzierung beteiligten sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Murmann-Stiftung, der Kirchenkreis Bad Liebenwerda sowie die Kirchengemeinde Schöna-Kolpien. Die Finanzierung für die Sanierung der Kolpiener Kirche auf den Weg zu bringen, sei ein Prozess von rund 20 Jahren gewesen, resümierte Frank Stiehler, Kirchenbaureferent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKMD).


Birgit Keilbach / bkh1 bkh1

Lausitzer Rundschau vom 22. Januar 2016

   Zur Artikelübersicht