Neue Glocken läuten bald in Graustein

Spendenaktion erzielte bereits 67 731 Euro / Bauarbeiten finden in dieser Woche statt

SPREMBERG 93 Prozent der nötigen Spenden für den Einbau der neuen Glocken haben die Freunde der Grausteiner Kirche bereits gesammelt. In dieser Woche findet die Montage statt. Auch der Turm wird dabei stabilisiert.

Torsten Bark auf Inspektion: Das alte Geläut (l.) ist noch unterm Dach. Die neuen Glocken stehen schon im Vorraum der Kirche.
Foto: René Wappler
 
Foto: Wappler

Über Holztreppen steigt Diplomingenieur Torsten Bark hinauf in den Turm. Dort stehen die beiden alten Glocken auf einer Palette. Zwei Arbeiter kümmern sich um die Demontage, Staub hängt in der Luft.

Am Austausch der alten Glocken nimmt das ganze Dorf Anteil. 67 731 Euro sind bereits an Spenden für das Projekt eingegangen. Das Ziel liegt bei 73 000 Euro. Elf verschiedene Glocken hingen in den vergangenen 300 Jahren in der Kirche, wie der sich seit dem Jahr 2015 im Ruhestand befindende Pfarrer Jakob Werdin ausrechnete.

Nun rüsten die Arbeiter das Gotteshaus an der Dorfaue für die Zukunft. Torsten Bark erklärt: "Die Hartgussglocken sind inzwischen altersschwach." Deshalb werden sie ersetzt durch ein Geläut aus Bronze. Als "nahezu unkaputtbar" bezeichnet der Diplomingenieur dieses Material. Zudem zeichne es sich durch einen besseren Klang aus. Doch allein bei diesem Projekt bleibt es nicht. Eine Schwingungsanalyse im September 2014 ergab, dass der Glockenturm weiterer starker Belastung auf Dauer nicht mehr standhalten könnte. In der Beschreibung des zuständigen Büros für Tragwerksplanung und Bauphysik heißt es dazu: "Die Bolzen zum Anschluss der Schwellen an das Mauerwerk haben zum Teil mehrere Zentimeter Spiel", ebenso die Verbindungen der Etagen und Schwellen in der Kirche. Deshalb ziehen die Fachleute nun die Bolzen nach. Außerdem kommen statisch wirksame Scheiben in die Decken und Wände. Sie halten den Turm künftig stabil. Aufwändige Arbeiten fanden schon in der Vergangenheit an diesem Ort in der Grausteiner Dorfaue statt. Im Jahr 1676 wurde das ursprüngliche Gebäude erstmals durch eine Fachwerkkirche ersetzt.

Wie Diplomingenieur Torsten Bark berichtet, erstreckte sich ein nahezu vollständiger Umbau über die Jahre 1913 und 1914. Dieses Projekt setzte sich im Jahr 1919 fort. Damit prägte sich das heutige Erscheinungsbild der vorreformatorischen Holzkirche. Der Glockenturm ist ungefähr 30 Meter hoch.

Das Dach wurde im Jahr 2001 einer weiteren Sanierung unterzogen. Damals überwachte die Spremberger Firma "Aring Bauplanung" die Arbeiten bei einem finanziellen Aufwand von 92 500 Euro. Nässe hatte sich im Dachstuhl ausgebreitet. Im Rahmen der Sanierung bekam der Turm eine neue Krone. Zudem wurde die Dachhaut in Schiefer neu gedeckt.

Nach Auskunft des Gemeindekirchenrates wurde im Jahr 1346 zum ersten Mal ein Gotteshaus im Ort erwähnt, der damals den Namen Grawynsteyn trug. An diesen Bau erinnert noch heute der katholische Altar. Nach der Reformation hielt laut Gemeindekirchenrat der evangelische Glaube Einzug.

Die neuen Glocken für den Kirchturm befinden sich bereits im Gebäude. Das alte Geläut erklang zum letzten Mal am vergangenen Sonntag. Zu diesem Ereignis hatte der Gemeindekirchenrat die Einwohner eingeladen.

René Wappler

So helfen Bürger ihrem Heimatort

KOMMENTAR Die Spendenaktion für die Grausteiner Kirche offenbart, welches Potenzial im Engagement der Einwohner für ihren Ort steckt. Nahezu 70 000 Euro sind bereits zusammengekommen und das ohne Fördermittel.

Ohnehin scheint das Spenden-Modell allmählich populär zu werden, nicht nur in Graustein. Der Spremberger Landesgartenschau-Verein mag im vergangenen Jahr eine Niederlage erlitten haben, als Wittstock und nicht, wie erhofft, die Perle der Lausitz den Zuschlag für das große Fest im Jahr 2019 erhielt. Trotzdem plant der Verein weiter für die Zukunft, auch dank der Hilfe von Sponsoren. So wollen die Mitglieder das Fundament der alten Kapelle auf dem Georgenberg freilegen.

Engagement für die Heimat lebt jedoch nicht nur vom Geld: Viele Spremberger helfen unentgeltlich im Ehrenamt den Asylbewerbern im Spree-Neiße-Kreis, und auf die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren können die Städte ohnehin nicht verzichten. Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie der Einsatz der Bürger die alltägliche Demokratie stärkt. Wenn jedoch die Kommunen weiter finanziell ausbluten, kann er in Enttäuschung umschlagen. Spendenaktionen und Hilfe im Ehrenamt sind eben nichts Selbstverständliches. Es ist immer wieder hilfreich, sich dessen bewusst zu bleiben.

rene.wappler@lr-online.de

René Wappler

Lausitzer Rundschau vom 20. Januar 2016

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