Taufengel jetzt im silbernen Gewand

Dieter Gutsche

Altwustrow (MOZ) Der Taufengel ist wieder in die Kirche Altwustrow zurückgekehrt. Die Restaurierung ist nur durch das Zusammenwirken der Evangelischen Kirchengemeinde, des Förderkreises Alte Kirchen und des Förderkreises Kirche Altwustrow zustande gekommen.

In neuem Gewand: Der restaurierte Taufengel hängt wieder in der Altwustrower Kirche. Die Farbgebung ist in Absprache mit dem Landesdenkmalamt erfolgt und basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen
© Ulf Grieger

Der Taufengel, der seit Heiligabend 2015 wieder im Gotteshaus hängt, sieht etwas anders aus, als der, der gut ein Jahr zuvor abgehängt wurde. Statt einem goldenen Umhang trägt der restaurierte Engel jetzt einen silbernen Umhang mit einem Hauch von Hellblau am Faltenwurf des Saums. Golden sind weiterhin seine Flügel, sein Haar und seine Taufunterschale. "Vielen gefiel er vorher besser", sagt ein Kirchenbesucher. "Er sieht völlig anderes aus, ich musste mich auch erst daran gewöhnen", bestätigt Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger lächelnd.

Die Initiative der Restaurierung sei vom Förderverein "Kirche Altwustrow" ausgegangen, sagte die Pfarrerin aus Neulietzegöricke. Mit im Boot saß der Gemeindekirchenrat, der das Vorhaben ebenfalls begrüßte und von Anfang an begleitete. Der Restaurator Thoralf Herschel aus Falkensee habe im Juni 2013 das erste Gutachten für den Taufengel erarbeitet. Das Zweitgutachten fertigte Restauratorin Katharina Leubner aus Neurüdnitz an.

Beide Gutachten kamen zum gleichen Ergebnis. Zirka 7000 Euro würde die Restaurierung kosten. Je 3000 Euro sagten der Förderverein "Kirche Altwustrow" und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu, den Rest übernahm die Kirchengemeinde . Die Bewilligung des Förderkreises erreichte die Pfarrerin bereits am 19. Juni 2014. Uwe Donath, Regionalbetreuer für Märkisch-Oderland und Oder-Spree des Förderkreises, hatte immer ein offenes Ohr und stand dem Vorhaben sehr wohlwollend und hilfreich zur Seite, lobt Nanna-Maria Luttenberger.

Daraufhin stellte sie den Antrag auf eine Restaurierungsgenehmigung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Wegen Personalengpässen in der Behörde habe sich die Genehmigung verzögert. Doch das Landesamt für Denkmalpflege sprang ein, so dass die Genehmigung im November 2014 durch die Untere Denkmalschutzbehörde erteilt wurde. Den Auftrag erhielt die Neurüdnitzer Restauratorin. "Sie nahm den Taufengel ab und brachte ihn in ihre Werkstatt", berichtet Pfarrerin Luttenberger. Dort wurde der Engel in seine einzelnen Teile zerlegt, die einzelnen Farbschichten abgetragen und analysiert. Diese Arbeit nahm mehrere Monate in Anspruch. Während dieser Zeit gab es zwei Treffen mit Werner Ziems von der Abteilung Praktische Denkmalpflege des Landesamtes, der unter anderem für die Restaurierung von Ausstattung, Gemälde und Skulpturen, worunter auch Tauf-engel fallen, zuständig ist. Zusammen mit den Vertretern des Altwustrower Fördervereins, der Pfarrerin und Katharina Leubner diskutierte der Vertreter des Landesdenkmalamtes die Analysen und legte die weiteren Maßnahmen fest. Auf der Grundlage der Untersuchungen basiert der äußere Farbanstrich, den der Taufengel jetzt aufweist.

Vergangenen Sommer stellte sich heraus, dass die Restaurierung ca. 1000 Euro mehr kosten würde. "Der Förderverein "Kirche Altwustrow' erklärte sich sofort bereit, den Betrag zu übernehmen. Mit großem Engagement organisierte er Benefizkonzerte, um die erhöhten Kosten ausgleichen zu können", betont Nanna-Maria Luttenberger. Ohne das unermüdliche Engagement des Fördervereins "Kirche Altwustrow" und des Förderkreises "Alte Kirchen" wäre das Vorhaben nie realisiert worden. Die Kirchengemeinde hätte die Investition nicht alleine stemmen können.

Der Altwustrower Taufengel aus Holz ist ein Spätbarockes Kunstwerk, so die Pfarrerin. Die Entstehungszeit liegt Ende der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Engel symbolisiere den Thronrat Gottes. Von ihm geht göttliche Weisung aus. Sie beinhaltet den Auftrag Jesu Christi an seine Jünger, die Menschen auf seinen Namen zu taufen und sie so zu seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zu machen.

Ferner symbolisiere der Engel die himmlische Sphäre, in die die Christen durch die Taufe hinein genommen werden.

Märkische Onlinezeitung vom 18. Januar 2016

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