Gotteshaus birgt Kostbarkeiten

Mathias Hausding

Petershagen (MOZ) Die Kirche im Zeschdorfer Ortsteil gehört neben Sankt Marien in Frankfurt zu den ältesten Gotteshäusern in Brandenburg. Ein Förderverein kümmert sich seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit der Kirchengemeinde um den Erhalt. Erstmals organisierten beide Weihnachten eine Christvesper.

Geschichtsträchtig: Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche Petershagen errichtet. Sie gehört zu den ältesten in der Mark Brandenburg.
© Johann Müller

"Wir hätten natürlich auch nach Falkenhagen fahren können", resümiert Lothar Neumann. Er ist der Vorsitzende des Fördervereins. Aber kein Gottesdienst zu Weihnachten im schmucken Gotteshaus des Dorfes? Das mochten sich weder er noch andere im Ort vorstellen. Und so organisierten Kirchengemeinde und Verein gemeinsam eine Christvesper. Fred Janischewski hatte die Kirche liebevoll ausgeschmückt. "Das macht er zuverlässig und sehr liebevoll", lobt Kirchenälteste Sabine Neumann.

Ein riesiger Tannenbaum zieht die Blicke auf sich. Auch in Nischen und an Wänden ist Tanne drapiert. Die Sitzheizungen verströmen angenehme Wärme. Der Blick ist frei auf die Kostbarkeiten im Gotteshaus, das etwa Ende des 13. Jahrhunderts aus Granitquadern errichtet wurde. "Zwei Familien haben die Kirche und den Ort geprägt, Familie Strantz und Schulz-Petershagen", erzählt Elke Apelt. Sie kennt sich bestens aus, führt Interessierte durch den imposanten Bau und erklärt die Kostbarkeiten. 1721 entstanden die reich verzierten geschnitzten barockenAltaraufbauten und die Kanzel Auch die beiden Epitaphe, die Patron Hugo Schulz-Petershagen stiftete, der Taufstein und die Sauer-Orgel, letztere gestiftet von Maria Schulz-Petershagen, gehören zu den Besonderheiten der Kirche, die selten im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Die Kirche hatte den Krieg fast unbeschadet überstanden. "Da hat man nicht immer so sorgenvoll hierher geschaut, weil es in der Nachbarschaft mehr für den Erhalt von Kirchen zu tun gab", erklärt Elke Apelt. Doch auch das Petershagener Gotteshaus brauchte und braucht helfende Hände.

Als der Turm vor Jahren einzustürzen drohte, gründete sich der Förderverein. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde wurde Geld gesammelt. Am 19. Juni 2007 konnte die neue Turmzier, so die korrekte Bezeichnung, aufgesetzt werden. Danach wurde es etwas ruhiger. Aber es sei noch mehr nötig, berichtet Sabine Neumann. Sie verweist auf den bröckelnden Putz im Vorraum. Auch die Sauer-Orgel muss dringend saniert werden. Sie spiele noch, aber habe durch eindringendes Schmelzwasser Schaden genommen, ergänzt Elke Apelt. Mit Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerten rücken Verein und Kirchengemeinde den denkmalgeschützten Bau immer wieder ins Bewusstsein. Auch der Gottesdienst an diesem Heiligabend ist so ein Baustein.

Elke Apelt liest die Weihnachtsgeschichte, dazwischen wird viel gesungen. Henriette Vorwerk spielt Flöte, Ralf Beier aus Döbberin sorgt am Keyboard für die musikalische Untermalung bei allen Liedern. Am Ende gibt es viele herzliche Umarmungen und immer wieder ein Dankeschön an die Organisatoren, die sich über eine gut gefüllte Spendenbox freuen können. Angesichts der Reduzierung von Pfarrstellen braucht es solcher ehrenamtlicher Initiativen, um das Leben in der Kirche aufrecht zu halten. "Die Kirche als architektonisch wertvoller Zeitzeuge ist es wert", sieht es Elke Apelt. Sie selbst ist Mitglied in der Kirchengemeinde und engagiert sich im Verein, in dem auch Nicht-Christen mitwirken. "Es ist meine Kirche, hier wurde ich getauft und bei Pfarrer Karl-Heinz Quos, der von 1969 bis 1991 Pfarrer war und die Kirche sehr geprägt hat, konfirmiert", erzählt Karla Brutschke. Sie ist die Finanzerin des Vereins, freut sich mit den anderen Organisatoren über den gelungenen Abend,

Märkische Onlinezeitung vom 28. Dezember 2015

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