Knallige Farben für die Apsis

Caroline Reul

Wellmitz (MOZ) Die Apsis der Kirche in Wellmitz leuchtet wieder in knalligen Farben. Auf Initiative des Gemeindekirchenrates und mit finanzieller Unterstützung vom Landkreis konnte der originale Zustand nachempfunden werden.

"Poppig" nach Stüler: Bei der Restauration haben sich die Experten an die Vorlage des Architekten gehalten, der die Apsis gern auffällig gestaltete, während der Rest des Inneren des Gotteshauses eher in schlichten Farben gehalten war.
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Hinweis aufs Original: Eine kleine Stelle der eigentlichen Bausubstanz hat Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung freigelegt.
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Die Kirche in Wellmitz ist um einen weiteren Blickfang reicher. Nicht mehr nur der hohe Turm, der schon von fern sichtbar ist, und die Fassade aus Backsteinen sind Hingucker des Bauwerks. Auch wer das Gotteshaus betritt, wird sich seit einigen Wochen nicht mehr verwehren können, seinen Blick sofort auf eine Stelle zu richten: die Apsis, also das halbrunde Gewölbe hinter dem Altar.

Während die Sanierung an der äußeren Hülle der Kirche 2007 abgeschlossen werden konnte, war das Innere bisher immer vernachlässigt worden, erzählt Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung. "Im kommenden Jahr haben wir an Pfingsten mal wieder eine größere Anzahl Konfirmanden in Wellmitz. Daher entstand vor zwei Jahren die Idee, die Kirche zuvor zu verschönern", berichtet sie. Die Initiative sei vom Gemeindekirchenrat ausgegangen. "Besonders eingesetzt haben sich da Frau Tründelberg und Frau Krüger", sagt Dorothee Schmidt-Breitung.

Da die Gelder in einer Kirchengemeinde eher knapp seien, sei es glücklicherweise gelungen, von der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises 5000 Euro an Fördergeldern zu bekommen. Da dieser Zuschuss nicht für die Restauration des kompletten Innenraums gereicht hat, haben sich die Verantwortlichen entschieden, zunächst die Apsis zu gestalten. Diese war, wie auch die übrige Kirche ab 1853 nach Plänen des Architekten Friedrich August Stüler errichtet worden, der auch das Neue Museum in Berlin geschaffen hat. Zuvor war die alte Wellmitzer Kirche 1848 bei einem Brand vernichtet worden, ebenso wie das Dorf selbst.

"Leider sind die Originalzeichnungen von Stüler nicht mehr erhalten", bedauert Dorothee Schmidt-Breitung, die sich auf andere überlieferte Aufzeichnungen verlassen musste. Um zu zeigen, wie die Apsis einmal ausgesehen hat, hat sie ein kleines Feld mit der originalen Bausubstanz freigelegt - und auch nach der Restauration so belassen. Bevor es aber an diese ging, musste zunächst ein Riss beseitigt werden. Dafür hat Fred Schulze aus Ratzdorf mit seiner Bau GmbH gesorgt. "Es wird sich aber wohl nicht vermeiden lassen, dass der Riss irgendwann wiederkommt", erklärt die Restauratorin.

Anschließend ist der Originalzustand der Apsis mithilfe speziell angemischter Farben nachempfunden worden. Nun leuchtet sie in knalligem Blau, Grün, Gelb und Orange. Wegen dieser, wie sie es nennt, fast "poppigen" Farben, hatte Dorothee Schmidt-Breitung zunächst Bedenken, ob die Wellmitzer Gefallen in ihrer Apsis finden. "Die Reaktionen waren durchweg positiv", kann sie im Nachhinein beruhigt sagen. Einen Dank richtet sie auch an Elektroingenieur Heiko Krüger. Der Wellmitzer hatte nämlich dafür gesorgt, dass die wiedergewonnene Schönheit der Apsis im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht gerückt wurde.

Die Arbeiten wurden im Oktober beendet. Dorothee Schmidt-Breitung freut sich über die große Spendenbereitschaft zugunsten der Sanierung, die die Wellmitzer während der Arbeiten zeigten und die andauert - zuletzt beim Adventskonzert des Lawitzer Männerchors. Denn längst ist nicht alles getan, was getan werden kann. Als nächstes würde die Gemeinde gern dem Kirchenschiff sein ursprüngliches Weiß zurückgeben.

Märkische Onlinezeitung vom 18. Dezember 2015

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