Wieder ein Gesicht für Altwriezen

Katrin Hartmann

Wriezen (MOZ) Es ist ein Generationenprojekt - ein Projekt, das sich über mehrere Jahrzehnte hinziehen wird. Aber es liegt Rosemarie Urban und Beate Taube sehr am Herzen. Was sie sich schon seit langer Zeit wünschen, ist ein kirchliches Gesicht für Altwriezen.

Bislang nur ein Modell: So soll die alte Fachwerkkirche in Altwriezen im besten Fall wieder aussehen
© MOZ/Katrin Hartmann

Seit 1973 gibt es in dem Wriezener Ortsteil kein erkennbares - zumindest von außen - Kirchengebäude mehr. "Am alten Rundling stand mal eine alte Fachwerkkirche mit drei Glocken. Heute steht dort eine Baracke, an der auch schon Reparaturarbeiten gemacht werden mussten", erzählt Rosemarie Urban. Für Ortsunkundige ist von außen nicht erkennbar, dass es sich bei dem Flachbau um das Gotteshaus des Dorfes handelt. Das Gebäude hat derzeit nicht einmal ein Kreuz über dem Eingang hängen.

Die Fachwerkkirche wurde 1630 fertiggestellt und musste drei Jahrhunderte später durch Sturmschäden und fehlende finanzielle Mittel wieder abgerissen werden. Auf dem Platz, an dem der alte Fachwerkbau einmal stand, sind heute noch drei Stufen und ein Podest zu sehen. Ein Überbleibsel des erhabenen Baus, an den sich Rosemarie Urban noch gut erinnern kann.

Seit einigen Jahrzehnten engagiert sich die 63-jährige Altwriezenerin im Gemeindekirchenrat. Viele neue Leute seien in den vergangenen Jahren in das Dorf gezogen. Viele Leute, die die alte Fachwerkkirche nicht kennen. Das findet Rosemarie Urban schade. Besonders, weil sie andere Erinnerungen hat. Während ihrer Jugend ist sie mit dem Gebäude aufgewachsen. Mit der alten Kirche verbindet sie die Christenlehre, den Konfirmandenunterricht, ihre eigene Hochzeit sowie die Taufe ihrer ältesten Tochter. Auch deshalb will sie die Kirche wieder ins Dorf holen. "Als erstes wünschen wir uns den Aufbau des alten Turms als Wahrzeichen", sagt Rosemarie Urban. Der Platz, an dem der Turm einmal stand, liegt im denkmalgeschützten Kern des Alten Rundlings. Auf etwa 70 000 Euro schätzt sie die Kosten für den Bau des Turms.

"Die Kirche ist die Geschichte unseres Glaubens und unserer Kultur", sagt Rosemarie Urban. Um den Traum von der Kirche im Dorf realisieren zu können, haben sie und ihre Mitstreiterin Beate Taube unter dem Titel "Kirche Altwriezen" einen Förderverein gegründet, der noch ins Vereinsregister eingetragen werden muss. Die Gründungsveranstaltung fand am 6. November statt. "Wir waren 19 Personen - hauptsächlich alte Bewohner aus dem Dorf", sagt Rosemarie Urban.

Ein erster Schritt Richtung Kirche ist bereits im Gange. Auf dem alten Kirchplatz soll eine Tafel, die zur Zeit angefertigt wird, aufgestellt werden - mit zwei Bildern und einer Chronik zu dem Fachwerkbau.

Der Verein sucht noch Mitstreiter, Interessenten können sich bei Rosemarie Urban unter 033456 35266 melden.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Dezember 2015

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