Dem Original wieder nah

Judith Melzer-Voigt

Darritz (MZV) Ein bisschen zusammengewürfelt - so könnte man den Zustand der Orgel in Darritz in den vergangenen Jahrzehnten beschreiben. Doch das gehört nun der Vergangenheit an. Orgelbauer Matthias Beckmann erneuert gerade Teile des Instruments.

Neue Schmuckstücke: Der Friesacker Orgelbauer Matthias Beckmann setzt derzeit die Prospektpfeifen der Darritzer Orgel ein. Diese stammen aus Kassel. Die originalen Pfeifen verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg.
© MZV

Die Hollenbach-Orgel im Darritzer Gotteshaus ist ein Stück Regionalgeschichte. "In Folge der Wirren des Zweiten Weltkrieges gingen die Metallpfeifen verloren", erklärt der Friesacker Matthias Beckmann. Anschließend sei das Instrument nicht mehr spielbar gewesen - bis in die 1950er-Jahre. Damals nahm sich Orgelbauer Gerbig aus Eberswalde der Orgel an und baute die Pfeifen ein, die er gefunden hat - aus Metall und aus Holz, ältere und neuere. "Das war auch völlig in Ordnung", ist Beckmann überzeugt. "Die Orgel hat anschließend ja gespielt." Ausreichend Metallpfeifen, wie es sie ursprünglich in dem Instrument gegeben habe, hätten damals einfach nicht ausreichend zur Verfügung gestanden.

Bis zum Anfang der 1990er-Jahre wurde die Hollenbach-Orgel nicht mehr erneuert. Dann wurde ein behelfsmäßig Gebläse eingesetzt, das allerdings etwas zu laut war. "Dadurch konnte das Instrument nicht mehr gestimmt werden", erklärt Matthias Beckmann. Ein sogenannter Orgelwind war zu hören. Zum Stimmen sei aber ein ruhiger Ton notwendig. Dazu kam das Aussehen: "Von der Optik her war die Orgel nicht mehr zeitgemäß", so Beckmann. "Daher hat die Kirchengemeinde gesagt: Das wollen wir jetzt wieder schön haben."

Also rückten Beckmann und sein Helfer Axel Bayerl an. "Wir sind dabei, das Gebläse mit einem Schallschutz zu versehen", erklärt der Orgelbauer und wagt sich gleich an eine Vorführung. Er schaltet besagte Mechanik ein - und bis auf ein ganz leises Rauschen ist nichts zu hören. Allein das Gebläse, dessen Schwungräder laut Beckmann auch perfekt ausgewuchtet sein müssen, habe rund 1 500 Euro gekostet.

Eine neue Lampe, ein fehlendes Registerstück: Das sind die Kleinigkeiten, um die sich Beckmann und Bayerl nebenbei kümmern. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Prospektpfeifen, also denen, die auch von außen zu sehen sind. Die Pfeifen im Inneren bleiben so erhalten, wie sie sind. "Sie klingen ja noch wunderbar", so Beckmann. "Daher ist ein Austausch nicht wirklich notwendig." Der Orgelbauer sieht es auch nicht so, dass er Metallpfeifen einsetzen muss, nur um den einstigen Originalzustand des Instrumentes wieder herzustellen. "Dadurch würde es sich auch nicht wieder um eine reine Hollenbach-Orgel handeln", so Beckmann. "Fremdpfeifen bleiben Fremdpfeifen." Von der Klaviatur her sei das Instrument noch in Originalzustand. "Und jetzt wird es wieder viele Jahrzehnte den Dienst tun", ist Beckmann überzeugt. "Und das in der Optik von damals. Klanglich sind wir auch wieder nah dran."

Maximal 10 000 Euro wird die Sanierung des Instrumentes kosten. Die Arbeiten liefen nach Plan - fast. Matthias Beckmann hat die Prospektpfeifen am vergangenen Donnerstag aus Kassel geholt, dabei allerdings fünf in der Werkstatt des Pfeifenbauers vergessen. Diese wurden Freitag nach Friesack geliefert, kamen am Montagabend an und konnten Dienstag noch rechtzeitig nach Darritz gebracht werden.

Am ersten Advent, 29. November, wird die Orgel wieder zu hören sein: Ab 13.30 Uhr spielt Kreismusikschulleiter Harald Bölk darauf. Matthias Beckmann wird im Anschluss an die Einweihung einige Infos zur Restaurierung des Instrumentes geben.

2017 geht es im Darritzer Gotteshaus mit der Sanierung weiter. Die komplette Hülle und die Holzwurm-Bekämpfung werden laut Joachim Pritzkow vom Temnitzer Gesamtgemeindekirchenrat in Angriff genommen.

Märkische Onlinezeitung vom 18. November 2015

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