Turmkugel gefüllt und verschlossen

Eva Loth

Medewitz (MZV) Wird bei Restaurierungsarbeiten an Kirchen eine Turmkugel geöffnet, wird nicht gleich ein Schatz erhofft, aber zumindest Informationen und Gegenstände aus der Bauzeit der Gotteshauses. Die Medewitzer Turmkugel war indes leer wie eine aufgegessene Konservenbüchse. "Na ja, nicht ganz", meinte Pfarrer Stephan Schönfeld schmunzelnd, "ein paar Spinnweben waren schon drin".

Martin Braunschweig aus dem Architekturbüro Braunschweig aus Brandenburg/Havel, Pfarrer Dr. Stephan Schönfeld, Dachdecker Dirk Bösecke und die Gemeindekirchenräte Heinz Kempin, Martina Flechsig sowie Matthias Wilke (v.li.) erklommen den Turm.
© MZV

So soll es beim erneuten Öffnen der Kugel nicht sein. Deshalb haben sich Bauherren, Handwerker und Kirchenmitglieder am vergangenen Freitag nach Medewitz aufgemacht, um die Kugel zu füllen und wieder zu verschließen. Zwei Kupferrohre wurden mit aktuellen Dokumenten gefüllt, wie zum Beispiel Bauzeichnungen, Berichte über die Sanierung, ein "Kirchenfenster", Münzen und Visitenkarten. Nachdem die Kupferbehälter von Dachdeckermeister Dirk Bösecke verschlossen waren, kam der schwierigste Teil - der Aufstieg über das Gerüst auf den Turm. Gemeinsam wurden die Zeugnisse der Zeit in die Turmkugel gelegt und fachmännisch verschlossen.

Vier Jahre hat der Kampf um Fördermittel gedauert, um das historische Gemäuer restaurieren zu können. Bereits seit zwei Jahren können die Glocken nur noch an Feiertagen geläutet werden, die Konstruktion des Turms ist marode, das Dach undicht. Auch hat sich der Turm etwas geneigt, wird aber wohl in der Stellung belassen werden. Zurzeit sind die Bauarbeiten ein wenig im Rückstand. Das hat damit zu tun, dass einige Schäden am Gebälk und am Mauerwerk erst während der Bauarbeiten entdeckt wurden. In die Balken hat sich viel Feuchtigkeit gezogen, sodass sie ausgetauscht werden müssen. Jetzt konnte erst das notwendige Holz bestellt werden. Der Nässe im Sockel soll durch Anbringen von Dachrinnen und einer Kiesschüttung entgegengewirkt werden. Die Kosten des Gesamtprojektes belaufen sich auf etwa 165.000 Euro. Neben den Eigenleistungen der Kirchengemeinde, finanziert unter anderem durch Spenden der Kirchenmitglieder, stammt dieser Betrag aus Förderungen der Stiftungen Maßwerk und Denkmalschutz, aus Fonds der Evangelischen Kirche, des Kreises Potsdam-Mittelmark sowie der Bundesregierung - wofür Frank-Walter Steinmeier (SPD), der hiesige Wahlkreisabgeordnete im Bundestag, seinen Namen gegeben hat.

In Vorbereitung der Sanierungsarbeiten ergab sich auch noch ein anderer Aspekt. Da es zur Kirche nur durch ein kleines Gartentor führt, fehlte eine Baustellenzufahrt. Neben der Kirche stehen eine alte Scheune und auch das alte, fast schon eingefallene, Küsterhaus. Beides, samt Grundstück, gehörte dem Landesbetrieb für Straßenwesen und wurde von diesem der Kirchengemeinde zum Kauf angeboten. Der ortsansässige Bauunternehmer Andre Brückner spendete das Geld für den Kauf und wird die Gebäude mit sanieren. Er hat sich lediglich ein Wohnrecht im Küsterhaus vorbehalten. Im Gebäude können nun sanitäre Anlagen eingerichtet werden. "Außerdem hätten wir endlich eine Winterkirche", freut sich Matthias Wilke jetzt schon.

Die Kirche in Medewitz wurde im 14. Jahrhundert als Feldsteinkirche gebaut. Im 30-jährigen Krieg wurde sie zerstört. 1713 ließ der Fürst Hans Friedrich Brandt von Lindau die zerstörte Kirche wieder aufbauen. Dabei erhielt sie ihre heutige Barocke Form. Im Inneren der Kirche befindet sich ein wunderschöner hoher Altar mit einer sehr alten Sanduhr und Fürstenstühle. An der Wand befinden sich zwei Heiligenfiguren aus dem 14. Jahrhundert, die die heilige Maria mit dem Jesus und der heilige Sebastian darstellen. Die beiden Holzfiguren stammen ursprünglich nachweislich aus der Kirche in Reetz und sind eine Leihgabe der Reetzer Kirche an die Kirche inDer Taufstein ist von 1703 und steht in der heutigen Winterkirche. Interessenten, die die Kirche besichtigen möchten, melden sich bitte telefonisch bei Familie Müller unter der 033849/51702!

Märkische Onlinezeitung vom 03. November 2015

   Zur Artikelübersicht