"Sorgenkind" schweißt Dorf zusammen

Bärbel Kraemer

Lühnsdorf (MZV) Der Bad Belziger Gospelchor "Flaming Voices" singt am kommenden Sonntag, 11. Oktober, für den Erhalt des Lühnsdorfer Kirchturms. "Wir freuen uns alle schon sehr darauf", sagt Heidrun Tietz vom örtlichen Förderkreis zur Kirchensanierung.

Hans-Jürgen Bergholz, Heidrun Tietz und Fritz Moritz am Gotteshaus.
© MZV

Unter den knapp 30 Männern und Frauen deren Stimmen den Chor mit Leben erfüllen, ist auch die Lühnsdorferin Carmen Böttcher, die ihre Mitstreiter für das Konzert in ihrem Heimatdorf zugunsten der Kirchenrettung begeistern konnte. Angekündigt ist eine Mischung aus ruhigeren Spirituals und fröhlich mitreißende Gospels.

Das "Sorgenkind Kirche" hat die Lühnsdorfer Dorfgemeinschaft in den zurückliegenden Monaten noch fester zusammengeschweißt, als sie es ohnehin schon war. Gläubige Christen und Atheisten engagieren sich wie Carmen Böttchen - jeder auf seine Art und nach seinen Möglichkeiten - für die Rettung des denkmalgeschützten Gemäuers.

Knapp 100.000 Euro sind dafür erforderlich, obwohl das Kirchlein noch jung an Jahren ist.

1898 wurde der Kirchbau errichtet - jetzt droht nicht nur der Turm herabzustürzen. Mittels Notsicherungen konnte bislang das Schlimmste verhindert werden. Wie lange dies noch gelingt, vermag jedoch niemand zu sagen.

Wie oft der Lühnsdorfer Heimatforscher Fritz Moritz - er ist gleichzeitig Mitglied im Förderkreis - den Schaden mit Historie, der seinen Ursprung im Kirchenbaujahr hat, schon erläutert hat, vermag er schon nicht mehr zu sagen. Damit die Kirche jedoch auch kommenden Generationen im Dorf erhalten bleibt, will man in Lühnsdorf neue Wege gehen. Geht es nach dem Willen der Gemeinde, soll dieselbe nach erfolgter Sanierung als Hochzeitskirche allen Menschen offen stehen - ob gläubig oder nicht. Ob diese moderne Vision von einer Hochzeitskirche, in der Christen und Atheisten sich das Ja-Wort geben können, Wirklichkeit wird, hängt vom Wohlwollen des Konsistoriums ab. Doch dort tut man sich mit der Idee der Lühnsdorfer - trotz eines entsprechenden Gemeinderatsbeschlusses - schwer. Mit der erhaltenen Antwort will man sich im Dorf, wo man "das Sorgenkind Kirchbau" tagtäglich vor Augen hat, nicht zufrieden geben. "Die Kirche ist unser aller kulturelles Erbe", sagt Förderkreismitglied Fritz Moritz. Mit Heidrun Tietz und Hans-Jürgen Bergholz zählt er die eigentlich schon fast unzähligen gemeinsamen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft, wie beispielsweise die Sanierung der Kirchhofsmauer, zum Erhalt des Gotteshauses und des Umfelds auf. Mit den Worten "jeder hilft" untermauert Moritz das Verantwortungsgefühl, das Christen und Atheisten im Dorf eint, wenn helfende Hände bei dringend notwendigen Arbeiten an der Kirche oder auf dem Kirchhof gebraucht werden. Sogar weltliche Trauerfeiern werden in der Lühnsdorfer Kirche bereits abgehalten. Deshalb will man nicht verstehen, dass Heiratswilligen, die nicht der Kirche angehören, eine Zeremonie im Gemäuer verwehrt werden soll - schließlich setzen sich für den Erhalt des Kirchbaus auch alle ein. "Wir müssen den Weg gemeinsam gehen", bemerkt Heidrun Tietz, auf ein Umdenken an höherer Stelle hoffend.

In den zurückliegenden Wochen und Monaten haben die Mitglieder des Förderkreises - in dem ebenfalls Christen und Atheisten vertreten sind - viel Papier beschrieben. Sie haben Fördermittelanträge formuliert, Spenden eingeworben. "Mit diesen Spenden haben wir den erforderlichen Eigenanteil für die erhoffte Förderung zur Sanierung aus dem LEADER-Programm gesichert", sagt Fritz Moritz. Doch der LEADER-Fördertopf kann sich den Lühnsdorfern nur erschließen, wenn neben dem Eigenanteil auch ein zukunftstaugliches tragfähiges Nutzungskonzept vorliegt. Die Hochzeitskirche wäre der passende Schlüssel dafür.

Um dieses Ziel zu erreichen, will sich die Dorfgemeinschaft weiter für "ihre" Kirche engagieren. Während des Gospelkonzerts wird zusätzlich eine Postkartenaktion zugunsten der Kirche natürlich gestartet. Dieser Tage gehen die neuen Ansichtskarten aus dem Dorf in den Druck und schon am 15. November steht das nächste Event - eine musikalische Buchlesung mit Uta Gosselck-Perschmann - auf dem Veranstaltungskalender.

Das Chorkonzert mit den "Flaming Voices" im Landhaus "Alte Schmiede" (Scheune) in Lühnsdorf beginnt am 11. Oktober um 14.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Spende zugunsten der Kirchturmrettung wird erbeten.

Märkische Onlinezeitung vom 04. Oktober 2015

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