Kirche Hermsdorf birgt so manches Geheimnis

Unter Farbschichten verstecken sich Wandmalereien / Logen sollen wieder die Herrschaftswappen erhalten

HERMSDORF Außen präsentiert sich die Hermsdorfer Kirche seit dem Jahr 2012 als saniertes Schmuckstück. Doch drinnen ist noch viel zu tun. Und es gibt ein paar Geheimnisse und Rätsel, auf die beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag garantiert hingewiesen wird.

An den später eingebauten Logen der Kirche Hermsdorf fehlen die Herrschaftswappen. Restaurator Ralph Schirrwagen (oben) untersucht die überstrichene Holzkonstruktion. Reinhard Noack vom Kirchbauverein zeigt großes Interesse für die Arbeit des Fachmannes.
Foto: Manfred Feller

Ohne eine sachkundige Führung ähnelt eine Dorfkirche der anderen. Schnell ist der Besucher wieder draußen. Doch wird genauer hingesehen, dann gibt es viel zu entdecken.

Das größte Geheimnis der seit diesem Jahr sogar bei Dunkelheit angestrahlten Hermsdorfer Kirche verbirgt sich im Innern. Bereits beim ersten Sondieren im Jahr 1995, mit Blick auf die angestrebte Renovierung, wurden auf den beiden Seiten des Schiffes Malereien unter alter Farbe entdeckt, sagt Restaurator Ralph Schirrwagen aus Nexdorf in Elbe-Elster. Er erarbeitet derzeit den restauratorischen Untersuchungsbericht, der die Grundlage für spätere Arbeiten darstellt.

Die mittelalterlichen Kirchenmalereien waren in grauer Vorzeit übermalt worden, weil der Zeitgeschmack sich geändert hatte oder der lokale Fürst es so wollte. Ohne Rücksicht seien wahrscheinlich auch Putzstellen erneuert und später die Logen eingebaut worden. Ob der Denkmalschutz die Malerei freigelegt haben will, sei noch unklar. "Ich würde es tun, aber wer soll das bezahlen?", schränkt Reinhard Noack, Vorsitzender des Kirchbauvereins, sofort ein. Denkbar wäre, dass eine Stelle freigelegt und konserviert wird. "Damit die Malerei bei späteren Arbeiten im Bewusstsein bleibt", sagt Ralph Schirrwagen. Die Innensanierung müsse sanft erfolgen.

Die ausbesserungsbedürftige Decke soll, wie alles nach barockem Ursprung, einen hellen Anstrich erhalten. Die Wände könnten einen lichten, rötlichen Ockerton bekommen.

Das hölzerne Inventar bezeichnet der Restaurator als nicht ansehnlich, aber akzeptabel. Die Holzimitatfarbe aus dem 19. Jahrhundert wird wohl einem Grau mit Teilmarmorierungen weichen. So sehe es jedenfalls unter der jetzigen Farbe aus.

Der eher schmucklose Altar müsse einst viel farbenfroher, goldverzierter ausgesehen haben. Er soll später gründlich untersucht und restauriert werden.

Leider überstrichen wurden die Wappen auf den Logen. "Links soll die Lipsaer und rechts die Hermsdorfer Herrschaft gesessen haben", sagt Reinhard Noack. Die Wappenkonturen sind unter der Farbe zu erkennen. Entweder sie werden mit enormem Aufwand freigelegt oder nach historischem Vorbild kostengünstig nachgezeichnet.

Wenn das Gutachten zur Innenrestauration vorliegt, wird mit Behörden beraten und werden Förderanträge gestellt. Reinhard Noack hofft, dass Decke und Wände im nächsten Jahr an der Reihe sind. Die Kosten sind sechsstellig.

Die Evangelische Kirche Hermsdorf öffnet am Denkmalstag: 14 Uhr Kaffee und Kuchen, 15 Uhr Führungen, 16 Uhr Benefizkonzerte mit dem Männergesangsverein 1846 Ruhland und einem Überraschungschor. Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden für die Innenrenovierung der Kirche gebeten.

Manfred Feller

Lausitzer Rundschau vom 09. September 2015

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