Dicke Steinquader mit feinem Pinselstrich

Andreas Wetzel

Hasenfelde (MOZ) Gut 50 Jahre hatte die Hasenfelder Dorfkirche einen Innenraum mit schlichten weißen Wänden und grünem Mauersockel. Jetzt hat die Kirche wieder ein sichtbares, wenn auch nur aufgemaltes Mauerwerk - Ergebnis eines seit Juni dauernden Restaurierungsprojekts.

Strich für Strich entsteht eine Mauer: Restauratorin Marlies Genßler bearbeitet von der Kanzel aus die Wand in der Hasenfelder Dorfkirche. An der Ecke links ist zu sehen, wie die aufgemalten Quader auch auf dem rechten Feld aussehen sollen.
© MOZ

Im Gespräch mit der Restauratorin Marlies Genßler und Hannegret Richter vom Verein Kultur-Kirche-Hasenfelde wird schnell klar, warum vor der Kirche ein alter Tankanhänger steht: Darin war das Wasser gebunkert, das vor allem zum Beginn der Arbeit nötig war. "Wir mussten zuerst die alte Leimfarbe abwaschen", erzählt Hannegret Richter. Die war bei der letzten Verschönerungsaktion in den 60er-Jahren auf den 1901 glatt geputzten Innenwänden aufgetragen worden. Den Sockelputz hatte die Kirchengemeinde schon 2014 erneuern lassen.

Jetzt also galt es, dem Kirchenraum mit dem neuen Anstrich gleich auch wieder sein altes Gesicht denkmalgerecht wiederzugeben. Dass früher aufgemalte Steinquader die Wände geziert haben, wurde nicht erst beim Abwaschen der Farbe sichtbar. "Wir haben auch noch Ecken mit dem alten Anstrich gefunden", berichtet Hannegret Richter; beispielsweise hinter einem Schrank auf der Orgelbühne.

Der Vorteil heute: "Die Maße für die Quader lagen als Muster vor", so Marlies Genßler. Die freiberufliche Diplom-Restauratorin lebt in Prötzel bei Wriezen. Nach Hasenfelde hat sie speziell für den Denkmalschutz entwickelte Leimfarbe mitgebracht, die sie erst großflächig und jetzt mit feinem Pinsel aufträgt. Die umlaufende Bordüre zur Holzdecke hin hat sie komplett fertiggestellt, als die Kirche innen noch eingerüstet war.

Während der Hitze-Tage der vergangenen Wochen sei sie - und auch ihre Kollegin sowie ihre Tochter, die ihr zeitweise mit zur Hand gingen - oft von Besuchern beneidet worden um den vermeintlich kühlen Arbeitsplatz in der Kirche. Marlies Genßler lacht. "Da oben unter dem Dach, wenn man sich auch noch bewegt, war es mit der Kühle dann doch rasch vorbei." Ihr ist aber die Freude anzusehen, Strich für Strich ein Mauerwerk zu schaffen, bei dem es sogar Fugen mit Tiefen-Effekt zu geben scheint. Und ohne Gerüst ist bereits erkennbar, wie gut das alles mit dem barocken Altar und der Kanzel harmoniert.

30 000 Euro muss die Kirchengemeinde dafür investieren. 5000 Euro davon hat das Denkmalamt beigesteuert, 7000 Euro der Evangelische Kirchenkreis. Die Gemeinde Steinhöfel beteiligt sich mit 500 Euro. Wie Hannegret Richter weiter erläutert, muss der Rest aus eigens dafür gebildeten Rücklagen der Kirchengemeinde kommen - und aus der Arbeit des Vereins.

Der hat bereits einen Termin für das nächste Benefizkonzert, das erste in der dann fertig restaurierten Kirche, im Kalender eingetragen: Am 11. Oktober singt der Fürstenwalder Con-brio-Chor in Hasenfelde.

Märkische Onlinezeitung vom 19. August 2015

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