Wiederaufbau nach 70 Jahren

Oliver Schwers

Prenzlau (MOZ) Es grenzt an ein Wunder: Die im zweiten Weltkrieg vernichteten Gewölbe der Prenzlauer Marienkirche werden doch wieder aufgebaut. 3,2 Millionen Euro stellt der Bund für das ehrgeizige Projekt zur Verfügung. Niemand hätte gedacht, dass die Idee so schnell wahr werden könnte.

Stahlskelett auf Backsteinsäulen: Die im Krieg zu großen Teilen zerstörte Marienkirche von Prenzlau wurde Stück für Stück wieder aufgebaut. Das Dach hat keine Balken mehr bekommen. Die ungewöhnliche Konstruktion ist künftig nicht mehr zu sehen.
© Oliver Schwers

Zwangsläufig schweift der Blick nach oben. Wo die schlanken Backsteinsäulen enden, fehlt das sonst übliche Gewölbe. Stattdessen stutzt der Betrachter über eine riesige Stahlkonstruktion, die das Dach der größten uckermärkischen Kirche zusammenhält. Neben dem Altar sind alte Fotografien auf kleine Ausstellungstafeln geheftet. Sie zeigen den gewaltig wirkenden Innenraum von St. Marien vor der Zerstörung. Zu sehen sind spektakuläre Aufnahmen von der niedergebrannten Prenzlauer Innenstadt, von den Ruinen der Kirche. Und auch Bilder von den eingerüsteten Mauern.

Seit 70 Jahren wird die im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstörte Marienkirche wieder aufgebaut. Der domartige Bau, der nichts Vergleichbares zwischen Stralsund und Berlin findet, hat stückweise seine frühere Pracht und Gestalt zurückbekommen. An die Wiederherstellung des Deckengewölbes glaubte indessen niemand.

Doch nachdem sogar die Glocken überraschend schnell durch zahlreiche Spenden wieder erklangen, kamen ein paar Leute aus dem Bürgerverein "Wir für Prenzlau" und aus dem Förderverein der Marienkirche auf eine ganz wilde Idee: Sie wollten die wohl größte Spendenaktion in der Geschichte der Uckermark starten. Ziel: Ein neues Gewölbe für St. Marien. Fertigstellung: In weiter Ferne. Ohne verrückte Ideen passiert nichts mehr - so die Meinung der Initiatoren.

Sie sollten Recht behalten. Denn jetzt bekommt der in jedem Denkmalführer beschriebene Prunkbau märkischer Backsteingotik sein Gewölbe früher zurück als alle Skeptiker vermuteten. Aus den Haushaltsmitteln der Bundesrepublik fließen 3,2 Millionen Euro. Damit muss es keine weitere Spendenaktion geben. Die Ausschreibung für Architekten und Baufirmen beginnen sofort.

Dahinter gestellt hat sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke. Er übergab den Spendenbescheid an den evangelischen Kirchenkreis Uckermark. "Eigentlich wollten wir ursprünglich nur das Geld für das Traggerüst beantragen", so Zierke. "Durch einen Zufall erhielt ich aber die Unterlagen für die komplette Gewölbefinanzierung. Und so haben wir am Ende den kompletten Wiederaufbau eingereicht." Und zwar nicht nur für das Gewölbe, sondern auch gleich für die ebenfalls fehlende Empore und die gesamte Orgel.

Damit erfährt das Baudenkmal eine Wertschätzung, die seinem Rang unter den deutschen Kulturgütern gerecht wird. "Schon beim Bau der Kirche stand nicht nur die Frömmigkeit im Vordergrund, sondern auch der Wille, etwas Großes darzustellen", so Superintendent Reinhart Müller-Zetzsche. Künftig könne man sich den Innenraum mit seinem Gewölbe und der Orgel ansehen und anhören. Zwar wurde das hauptsächlich von Touristen besuchte Kirchenschiff bereits in der Vergangenheit für Konzertveranstaltungen genutzt, doch dürfte die Akustik später eine ganz andere Qualität erreichen.

Im Jahre 2018 rechnet der Superintendent mit der Fertigstellung des Innenausbaus. Die evangelische Kirche stellt für die Beseitigung der Kriegsschäden Eigenmittel zur Verfügung.

Märkische Onlinezeitung vom 18. August 2015

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