Nach zwölf Jahren ist das Werk vollbracht

Dorfkirche in Schöna erstrahlt in neuem Glanz / Viele weitere Kirchen in der Region noch sanierungsbedürftig

SCHÖNA-KOLPIEN Die Kirche in Schöna hat nicht mehr den Status "einsturzgefährdet". Sie ist wieder zu einem nutzbaren und mit Leben erfülltem Gotteshaus geworden. Möglich war das durch großes Engagement der Kirchengemeinde und Einwohner des Doppeldorfes Schöna-Kolpien.

Mit dem Außenanstrich als letztem Schritt der Sanierung ist die Schönaer Kirche jetzt fertiggestellt. Nichts erinnert mehr an das baufällige Gebäude vor zwölf Jahren.
Foto: Birgit Keilbach/bkh1

"Als ich 2001 erstmals herkam, standen hier 88 Fichten, die Kirche habe ich gar nicht gesehen", erinnert sich Pfarrer Dirk Lehner, der die Sanierung knapp ein Jahrzehnt lang begleitete. Kein Wunder, denn seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Gebäude sich selbst überlassen geblieben.

"Seit 1985 war die Kirche baupolizeilich gesperrt", blickt Marianne Dennert vom Gemeindekirchenrat zurück. Doch die Schönaer wollten den mittelalterlichen Feldsteinbau nicht noch weiter verfallen lassen. Im Jahr 2001 berieten Klaus Dennert, Karl Klaus, Volker Thiele und Jörg Nowatnick mit dem Pfarrer gemeinsam einen Rettungsplan. Es entstand die Idee, mit dem Christkindlmarkt Geld für die Sanierung zu sammeln. Das mobilisierte neben den Christen viele weitere Dorfbewohner. Jährlich beginnt die Adventszeit seitdem mit dem Christkindlmarkt.

"Die Kirchensanierung wurde zum Anliegen der ganzen Dorfgemeinschaft", sagt Marianne Dennert. Ausdruck fand dies auch in der Gründung des "Fördervereins zum Wiederaufbau der Kirche Schöna" unter Vorsitz von Helmut Trapka. Gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat trieb der Verein das Vorhaben voran.

"Wir mussten uns zum Beispiel damit befassen, wo wir welche Anträge auf Fördermittel stellen konnten", nennt die Vorsitzende, Evelin Müller ein Beispiel. Der Architekt wurde beauftragt, das Baugeschehen vor Ort musste begleitet werden.

"Es hat ganz schön viel Geduld erfordert und diese zeitweise auch auf eine harte Probe gestellt", resümiert Evelin Müller. So hätten sie schon fast nicht mehr damit gerechnet, den Turm und die Gebäudehülle doch noch sanieren zu können, weil sich die Bewilligung von Fördermitteln lange hinzog.

Vier Bauabschnitte umfasste die Sanierung der Schönaer Kirche und deren Ausbau zur Begegnungskirche von 2003 bis 2015. Im ersten wurden die Dächer von Chor und Apsis erneuert, die Wände mit Ankern gesichert. Im zweiten folgten Dach und Wände des Kirchenschiffs. "Alle Balkenköpfe waren verfault, teilweise musste Hausschwamm beseitigt werden und die Wände wurden längs mit Rohren und Ankern gesichert", erläutert der Luckauer Architekt Thomas Kuhn.

Dann erfolgte der Innenausbau inklusive Umbau zur Begegnungskirche. Die Logen wurden aus dem Chor entfernt und fanden als Windfang und Lagerraum neue Verwendung. Darüber bildet die um vier Meter verlängerte Empore jetzt die Decke für den neu geschaffenen Gemeinderaum, der mittels Glasschiebewand vom Kirchenraum abgetrennt werden kann. Denn nach dem Verkauf des Pfarrhauses brauchte die Gemeinde wieder einen eigenen Raum. Der historische Durchgang zum Turm wurde wieder geöffnet und der Turm mit seinem teilweise maroden Fachwerk im vierten Bauabschnitt ebenso umfassend saniert.

Insgesamt kostete die zwölfjährige Kirchensanierung laut Thomas Kuhn 773 700 Euro, wozu das Land Brandenburg und die EU rund 42 Prozent, die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis Bad Liebenwerda jeweils rund 20 Prozent beisteuerten. Darüber hinaus beteiligten sich die evangelische Landeskirche Mitteldeutschland, die Staatskirche und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an der Finanzierung. 43 000 Euro flossen laut Marianne Dennert aus Christkindlmarkt-Einnahmen und Spenden in den Bau. 10 000 Euro der Vereinseinnahmen sollen noch in diesem Jahr für die Restaurierung der Turmuhr verwendet werden.

Jetzt gehe es darum, dieses schöne Gotteshaus als Begegnungsstätte mit Leben zu erfüllen, blickt Pfarrer Christian Jänicke voraus. Einige Ideen gibt es bereits, beispielsweise Konzerte und Ausstellungen darin zu veranstalten. "Wir wollen uns als Kirchengemeinde mit Veranstaltungen für alle und gemeinsam mit den Vereinen aus dem Dorf einbringen. So wie es in der Vergangenheit zum Erhalt der Kirche funktioniert hat, soll es auch weitergehen", gibt Marianne Dennert einen Ausblick.

Zum Thema:

Etwa 1400 Dorfkirchen gibt es in Brandenburg. Viele sind aufgrund jahrelanger Vernachlässigung sanierungsbedürftig. Den Erhalt, die Instandsetzung und Nutzung dieses einzigartigen Kulturerbes hat sich der Förderkreis Alte Kirchen Berlin Brandenburg zum Ziel gesetzt. Rund 300 lokale Fördervereine unterstützen dieses Vorhaben. In der Region widmet sich seit 2002 der Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz der Aufgabe. Beginnend mit elf Kirchen im Altkreis Luckau, zählt er heute 42 Gotteshäuser in drei Landkreisen zu seinen Mitgliedern. Seit Bestehen hat der Förderkreis laut der Vereinsvorsitzenden Annegret Gehrmann rund 250 000 Euro aus eigenen sowie eingeworbenen Fördermitteln in Sanierungs- sowie Restaurierungsprojekte eingebracht. Zu den Langjährigsten zählen die Kirchen in Luckau, Bornsdorf und Riedebeck. bkh1

Birgit Keilbach / bkh1 bkh1

Lausitzer Rundschau vom 07. August 2015

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