Auf der Spur der Engel unterwegs

Der Forster Kirchbauverein organisierte eine Tour zu den Taufengeln in Sergen, Komptemdorf und Kahren

FORST Auch für Taufengel gibt es gute und schlechte Zeiten. Inzwischen gibt es eine wahre Renaissance dieser geflügelten Wesen. Am Samstag folgten rund 50 Teilnehmer der "englischen" Fahrradtour, zu der der Forster Kirchbauverein "Freundeskreis St. Nikolai" eingeladen hatte, ihren Spuren in den Gotteshäusern von Sergen, Komptendorf und Kahren.

Gruppenbild mit Engel: "Anhimmelnde" Blicke gab es nicht nur für den Taufengel in Sergen, sondern auch für die in Komptendorf und Kahren.
Foto: Angela Hanschke/aha1

In Sergen empfing Hans-Dieter Harnath, Vorsitzender und Gründungsmitglied des "Förderverein Dorfkapelle Sergen" die Besucher vor dem im Jahre 1837 fertiggestellten einstigen Gotteshaus, einem eindrucksvollen Saalbau, der an architektonische Entwürfe von Friedrich Schinkel anknüpft. Finanziert wurde der Bau, der eine ältere Patronatskirche ablöste, durch die Schönigsche Stiftung, die nach dem Tod des kinderlosen Gutsbesitzers Gottfried Carl August von Schönig im Jahre 1807 gegründet wurde. Am Samstag bewunderten die Geschichtsinteressierten aus Forst, Trebendorf und Cottbus nicht nur das schmucke Äußere, sondern auch die aufwendige, vor acht Jahren durch Malermeister Klaus Petrick erneuerte Innengestaltung. Nach Jahrzehnten des allmählichen Verfalls nahm sich der im Jahre 2006 gegründete Förderverein des denkmalgeschützten Gebäudes an, ließ Fenster, Dach und Fußboden sanieren, um es für kulturelle Veranstaltungen zu erhalten. Bis zum kommenden Osterfest soll auch der Altar wieder in neuem Glanz erstrahlen. "Die Kapelle war nie im Besitz der Kirche", erläuterte Hans-Dieter Harnath, "und wurde nach der Wende an die Großgemeinde Neuhausen/Spree übertragen". Insgesamt 100 000 Euro, zum größten Teil Spendengelder, wurden bisher eingesetzt.

Die Herkunft des relativ kleinen Taufengels, der etwas versteckt, rechts des Eingangs über den Köpfen der Betrachter schwebt, ist unbekannt. Bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden gefunden und in Potsdam restauriert, findet er trotz fehlender Arme Bewunderung bei den Besuchern, die seinetwegen bis aus Berlin anreisen. Es sei wahrscheinlich im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts entstanden, schätzte Frank Henschel aus Forst ein.

Auf dem Radweg erreichte die Gruppe Komptendorf, wurde dort durch die ausgebildete Kirchenführerin Brigitte Sakretz vor dem lang gestreckten Kirchenbau mit seitlichem Eingang begrüßt. Es sei eine der größten Feldsteinkirchen der Region und eine Filialgründung der Kirche in Kahren, berichtete sie. Rund 1200 Plätze bietet der mehrfach erweiterte Bau aus Feld- und Backsteinen sowie Quadern aus Raseneisenerz. 180 Zentimeter misst der Taufengel, der im Jahre 1698 von Ernst von Zabeltitz aus Laubsdorf gestiftet wurde. Der Engel mit dezentem Anstrich, mit der von hellen Locken umspielten Stirn und der barock geformten Taufschale in den ausgebreiteten Armen ist der größte der drei Engel und der einzige, der noch bei Taufen zum Einsatz kommt.

Nördlich von Komptendorf erreichte die Gruppe die Johanneskirche in Kahren. Die einschiffige Saalkirche ist ein spätgotischer Bau aus grob gefügten Feld- und Raseneisensteinen aus der Zeit um 1500. Im Jahre 2005 erfolgte auf Initiative von Sieghard von Pannwitz, dessen Vorfahren einst das Patronat in Kahren innehatten, die Gründung des Fördervereins der Johanneskirche zu Kahren. Auch dort zog der zierliche, um 1700 entstandene, 1,50 Meter große Taufengel mit den feinen Gesichtszügen, dem rötlichen Haar, einen grünen Kranz haltend, alle Blicke auf sich. Weil die Mechanik, um ihn hinabzulassen, defekt ist, wird derzeit die herausgelöste Messingschale zur Taufe genutzt. Bewundert wurden auch ein frisch restauriertes Epitaph und die erste wendische Bibel. Und schließlich ließ Pfarrer Helmut Huppatz, der nicht nur die Komptendorfer sondern auch die Kahrener Kirche als Seelsorger betreut, auf Wunsch der Kirchenbesucher die Orgel erklingen.

"Es war eine wunderbare Entdeckungsreise", sagte Gerda Henschel, die sich darüber freute, dass es Menschen gibt, die sich für den Erhalt von Dorfkirchen einsetzen. "Das waren die die ersten Taufengel, die ich gesehen habe", verriet Rüdiger Scheib aus Forst. "Ich hoffe, die Engel haben mich jedoch schon lange zuvor wahrgenommen."

Angela Hanschke / aha1

Lausitzer Rundschau vom 04. August 2015

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