Signal starker Ortsverbundenheit

Thomas Berger

Prädikow (MOZ) Wie weiter mit dem wirtschaftlich unrentablen Friedhof in Prädikow? Zumindest keine Schließung, so die Botschaft bei der jüngsten Gesprächsrunde im Gemeinderaum. Rund 40 Personen waren der gemeinsamen Einladung der neuen Pfarrerin Anika Grünwald aus Buckow sowie der Gemeindevertreterin und Landtagsabgeordneten Simona Koß gefolgt. Die Gerüchteküche um eine angeblich unmittelbar bevorstehende Schließung des örtlichen Friedhofes hatte zuvor mächtig gebrodelt.

Friedhof Prädikow: Unter anderem der alte Baumbestand, der zur Verkehrssicherung regelmäßig beschnitten werden muss, sorgt für Kosten, die nicht mehr durch die wenigen Beisetzungen gedeckt sind.Für die Trauerhalle gibt es ein Renovierungsangebot
© Thomas Berger

Auf der einen Seite stehen die rein wirtschaftlichen Kennziffern, auf der anderen dörfliche Identität, Verbundenheit und Tradition. Dass man diese Seite nicht einfach negieren könne und wolle, räumten auch die Pfarrerin und Gemeindekirchenratsvorsitzender Ulrich Wehlan ein.

Beide machten schon in der Einführung deutlich, dass die Kirchengemeinde vor einem echten Dilemma steht. Lediglich fünf Beisetzungen habe es in Prädikow in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit Anfang 2012 gegeben. Das bringe bei weitem nicht genügend Einnahmen, während zugleich das Kirchenrecht vorschreibe, dass Friedhöfe kostendeckend zu betreiben seien. Schon seit rund zwei Jahren habe deshalb die Variante einer möglichen Schließung im Raum gestanden. Dass diese in keinem Fall von heute auf morgen wirksam werde, sondern einen längeren Prozess mit sich ziehe, fügte Anika Grünwald in ihren Ausführungen gleich hinzu. Bei einem Schließungsbeschluss gebe es zwei Varianten: Entweder ab dem Stichtag gar keine Beerdigungen mehr zuzulassen oder aber nur noch die von Angehören, für die schon eine Grabstelle reserviert sei. Letzteres würde die Gesamtlaufzeit weiter hinausschieben.

Ein engagiertes Plädoyer für den Friedhofserhalt hielt Prädikows ehemaliger Pfarrer Manfred Caesar. Als er vor über 30 Jahren aus Berlin kam, habe es noch bis zu 13 Beerdigungen pro Jahr gegeben. Doch vor allem habe er damals erst auf dem Dorf gelernt, wie stark die lokale Bindung sei - was sich nicht zuletzt am Friedhof festmache: "Der ist auch eine Stätte der Begegnung. Deswegen dürfen wir uns das nicht mit ein paar Statistiken aus der Hand nehmen lassen." Der Prötzeler Gemeindevertreter Olaf Kaupat erinnerte daran, wie früher im Nachbarort mit gemeinsamen Einsätzen der dortige Friedhof wieder auf Vordermann gebracht wurde. Solches Engagement könne er sich wieder vorstellen.

Von einer möglichen Übertragung des Friedhofes an die Kommune als Idee hatte Anika Grünwald ebenfalls gesprochen. Denkbar wäre das, meldeten sich sowohl Bürgermeister Rudolf Schlothauer als auch Amtsdirektor Karsten Birkholz zu Wort. Eine Verbesserung aber nicht unbedingt, wie Letzterer ausführte. Vieles würde dann zwar professioneller aber auch deutlich teurer werden. "Meine Bitte deshalb: Nehmen sie es weiter lieber selbst in die Hand." Dafür, das nahmen Pfarrerin und Gemeindekirchenratsvorsitzender aus der Runde mit, gibt es in Prädikow eine große Bereitschaft. Zudem gab es von mehreren Seiten den Vorschlag, die bisherigen Gebühren etwas anzuheben oder auch extra Spenden zu sammeln. Gelohnt, so die einhellige Bilanz, hat sich dieses späte, aber noch nicht zu späte Gespräch damit allemal.

Märkische Onlinezeitung vom 27. Juli 2015

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