Restaurierung der Pessiner Kirche wieder ein gutes Stück vorangekommen

Wappen erhielten messingfarbene Rahmen

Nach der abgeschlossenen Sanierung des Pessiner Gotteshauses beschäftigt sich der Kirchenförderverein jetzt mit der Restaurierung des Kirchenschiffes. Mittlerweile haben die Wappen an der Nord-und Südempore einen messingfarbenen Rahmen erhalten. Rekonstruiert wurden auch einige Ornamente an den Bögen der Emporen.

Praktikant Konrad Schulz versieht die Wappenrahmen mit einer Kupfer-Messing-Folie, was der Fachmann Vergolden nennt.
Quelle: Andreas Kaatz

Pessin. Die Pessiner Dorfkirche gewinnt immer mehr von ihrer einstigen Pracht zurück. „Mit der reinen Sanierung sind wir durch, jetzt beschäftigt uns vor allem die Restaurierung“, sagt Andreas Flender, Vorsitzender des Kirchenfördervereins. Ein Stück weit sind die Pessiner aber auch damit vorangekommen. Nachdem im Frühjahr der Altar fertiggestellt werden konnte, haben nun die Rahmen der Wappen an der Nord- und Südempore eine Vergoldung erhalten, ebenso wie die unter der Decke verlaufenden Bögen.

Für Flender ein tolles Ergebnis, obwohl er sich hin und wieder auch von Dorfbewohnern anhören muss: „Was soll das ganze Gold hier, wir sind doch eine arme Gemeinde.“ Dann weist er die Leute darauf hin, dass es sich weniger um Gold, sondern um ein Schlagmetall in Kupfer-Messing handelt – und dass diese Gestaltung dazu beiträgt, dass die Kirche dem Zustand aus der Zeit um 1900 immer näher kommt.

Aber damit nicht genug: Restauratorin Annett Schulz legte in den vergangenen Wochen an den Bögen der Emporen eines der Ornamente frei, die zu DDR-Zeiten in den 50er-Jahren mit einer Alkydharzfarbe überstrichen worden sind. „Es war sehr mühselig, dieses Ornament freizulegen“, sagt sie. Es blieb aber bei dem einen Element, das für Annett Schulz nun die Vorlage für die anderen Ornamente bildete. Diese rekonstruierte sie, sprich: Sie malte sie an den anderen Stellen auf die vorhandene alte Farbschicht auf.

Wenn der Förderverein bald weiteres Geld auftreiben kann, dann rechnet Andreas Flender in etwa zwei Jahren mit dem Abschluss der Restaurierung. So sollen auch die Ost- und Westempore an die Reihe kommen. Außerdem will man die Ornamente um die Wappen der Rittergutsbesitzer freilegen und die Wappen selbst, die in den 50er- Jahren wenig fachmännisch aufgefrischt worden sind, restaurieren. Dazu hat Flender auch schon Kontakt zu den Nachkommen der damaligen Adligen aufgenommen und um eine finanzielle Beteiligung gebeten. „Die Erhaltung der Wappen ist regionalhistorisch sehr wichtig“, sagt Annett Schulz.

Sanierung der Pessiner Kirche

Die Dorfkirche wurde in den vergangenen Jahren umfangreich saniert. Dies betraf unter anderem zwischen 1992 und 2002 die Dachkonstruktionen der Kirche sowie 2012 die Außenfassade.
Auch im Inneren des Gotteshauses passierte sehr viel. So musste man den Fußboden aufnehmen und neu verlegen und vor allem an vielen Stellen den Schwamm beseitigen, so an der Treppe zur Südempore.
An der Decke entstand 2013 das Putzwappen derer von Bredow neu, einschließlich der Engel. Gleichzeitig verschwand damit die alte Kassettendecke.
Die Pessiner Kirche ist eine der ältesten im Havelland. Einige Teile stammen aus dem 15. Jahrhundert. Eine bauliche Besonderheit sind die hölzernen Lauben von 1739 auf beiden Seiten des Kirchenschiffs.

Der Vereinsvorsitzende hofft zudem, dass in Kürze auch ein anderes, noch ausstehendes Projekt Gestalt annimmt. So soll der Turm einen Treppenaufgang erhalten, um ihn touristisch nutzen zu können. „Die Rundumsicht von oben ist genial“, meinte er. Und auf einer Zwischendecke, die noch eingezogen werden müsste, könnten Ausstellungen gemacht werden. Zudem sollen im unteren Teil eine kleine Küche und eine Toilette entstehen - wegen der Fahrradtouristen, aber auch wegen der Veranstaltungen, die hin und wieder in der Kirche stattfinden. Dazu sind jetzt EU-Fördermittel beantragt worden.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine vom 21. Juli 2015

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