Zähes Ringen um ein gemeinsames Kulturerbe

Förderverein zum Wiederaufbau der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche im heutigen Gubin braucht Geld zur weiteren Sanierung

GUBEN/GUBIN Das Kirchenruinenprojekt in Gubin steht derzeit still. Geld für den restlichen Turmausbau und das Kirchenschiff fehlen. Der Förderverein zum Wiederaufbau hat sich daher viel für die nächsten Monate vorgenommen.

Der Förderverein braucht dringend Geld für die weiteren Arbeiten an der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche im heutigen Gubin. Anfang kommenden Jahres soll zumindest der Turmausbau abgeschlossen werden, womit die Gäste den Rundblick genießen können.
Foto: zar

Die Gubiner Kirche, die den meisten nur als Ruine bekannt ist, schlummert still vor sich hin. Die Bauarbeiten an dem Ort, der zum Symbol des friedlichen Zusammenwachsens der deutsch-polnischen Doppelstadt geworden ist, ruhen. Für Günter Quiel auch im zehnten Jahr des Bestrebens um das steinerne Relikt kein Grund, Trübsal zu blasen: "Wir werden weiter alles an den Aufbau dieser Begegnungsstätte setzen, in der die Menschen in beiden Stadthälften aufeinander zugehen können", sagt der Vorsitzende des Fördervereins zum Wiederaufbau der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche.

Doch dazu müssen Quiel und seine Mitstreiter noch manche Hürde am Objekt überwinden, erklärt er am Montag im Infozentrum an der Berliner Straße. Aktuell müssen dringend restliche Baumängel beseitigt und Denkmalschutz-Auflagen am 2013 sanierten Kirchturm umgesetzt werden. Der war zuvor lange geschlossen. "Die zuständige Baufirma aus Polen ist insolvent und auch die Mittel der Gubiner Verwaltung und unseres Vereins sind derzeit ausgeschöpft", sagt Quiel.

Konkret müssen der Turmkranz zur Außenbegehung fachlich zu Ende gebaut sowie die Wetterfahne gefertigt und angebracht werden. Die Architektenpläne dafür liegen seit Langem in der Schublade. "Auch Gubens Partnerstadt Laatzen rührt kräftig die Spendentrommel", so Quiel. Mithilfe neuer Spendengelder will der Förderverein das Projekt nun bis Anfang 2016 abschließen.

Finanzielle Mittel werden zudem für den Wiederaufbau des restlichen Kirchenschiffs dringend benötigt. Rund zehn Millionen Euro will man über das EU-Förderprogramm Interreg 5A bekommen: "Wir stehen in der letzten großen Förderperiode naturgemäß in Konkurrenz zu vielen anderen Städten", betont Quiel erneut. Allein der Eigenanteil der Kommune sei ein "Riesenproblem". Um Gelder in die Stiftungskasse zu spülen, hat der Förderverein für die kommenden Wochen einige Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Die RUNDSCHAU gibt einen Überblick:

Einen persönlichen Eindruck von der Stadt- und Hauptkirche werden sich am 28. Juli etwa 300 Gäste der Doppelstadt verschaffen. "Das nehmen wir zum Anlass, um die bundesweite Delegation von Sozialdemokraten auf unser Projekt aufmerksam zu machen", erklärt SPD-Stadtverordneter Quiel.

Gemeinsam mit dem Kulturhaus Gubin wird am 1. August zum deutsch-polnischen Begegnungsfest auf die Theaterinsel eingeladen. "Wir möchten damit vor allem die tagtägliche Arbeit der Vereine in Guben und in Gubin würdigen", sagt Kulturhaus-Leiter Janusz Gajda. Neben dem Gubener Weinbauverein Grano präsentiert sich beispielsweise der Förderverein Gubiner Berge. "Es gibt viele Leckereien und am Abend spielt die im Ostblock legendäre Band Rote Gitarren auch deutsche Songs."

Am Freitag, 7. August, wird um 15 Uhr die Ausstellung "Die Niederlausitz und das südliche Lebuskie" im Kirchturm eröffnet. Es handelt sich um eine Dauerleihgabe, die die Universität Zielona Góra mit der BTU Cottbus-Senftenberg erarbeitet hat. Die regional-historische Schau ist ab Oktober auch in anderen Städten in Spree-Neiße und der Lausitz zu bestaunen.

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr ist auch ein weiterer musikalischer Sommerabend im Kirchenschiff der Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche geplant. "Am 16. August wird reichlich klassische Kammermusik geboten", informiert Monika Wachsmann, Vize-Vorsitzende des Stadtchores Guben. Der Eintritt zum Konzert ist frei. Zugunsten des weiteren Aufbaus des Kirchenschiffes werden die Besucher vor Ort um eine Spende gebeten, ergänzt sie.

Einen Vortrag zur Heimatgeschichte wird es am 2. September im Turm der Gubiner Kirche geben. Eberhard Wittchen gibt Einblicke in die Nachkriegsjahre und die schwierige Gasversorgung beider Stadthälften. "Wir sind in unserem Bemühen um den Wiederaufbau auch stets auf der Suche nach Neuem und Nischen in Vergangenheit und Gegenwart der Doppelstadt", erklärt Vereinschef Günter Quiel.

Zum Thema:

Wer den Wiederaufbau der früheren Gubener Stadt- und Hauptkirche in Gubin finanziell unterstützen möchte, kann das auf einfachstem Wege über eine Spende auf folgendes Konto tun:Sparkasse-Spree-NeisseIBAN: DE23 18050 0003 5021 500 00BIC: WELADED1CBNVerwendungszweck: Wiederaufbau Stadtkirche

Bernhard Schulz

Lausitzer Rundschau vom 15. Juli 2015

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