An Balken nagt der Zahn der Zeit

Annika Bischof

Neubrück (MOZ) Sie gehört zu den kleinsten und jüngsten in der Region: die Dorfkirche in Neubrück. Dass es sie überhaupt gibt, verdankt sie dem Engagement eines ehemaligen Pfarrers und der Ortsansässigen, die sich zum einen für deren Bau und später für deren Erhalt stark gemacht haben.

Sanierungsbedürftig: Das Fachwerk der Kirche in Neubrück muss dringend überholt werden. Zum Erhalt des Gebäudes hatte sich 2008 um Günter Poeschke ein Förderverein gegründet. Über diverse Veranstaltungen konnten so bereits Gelder gesammelt werden.
© MOZ/Jörn Tornow

"Es musste gehandelt werden", blickt Günter Poeschke auf die Zeit zurück, als der Förderverein Dorfkirche 2008 ins Leben gerufen wurde. Am unteren Dachrand musste notdürftig schon ausgebessert werden und auch am Fachwerk sind einzelne Balken marode geworden. Der Zahn der Zeit nagt an dem kleinen Gebäude, das zu den kleinsten Dorfkirchen in der Region zählt. Rund 100 Leute können auf den Bänken, die seit Anbeginn unter dem Tonnengewölbe stehen, Platz nehmen.

"1955 wurde die Kirche gegründet, das war eine schwierige Zeit", sagt Günter Poeschke, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche. Der Bau wurde zum Politikum, da Behörden dem damaligen Pfarrer Heinz Schlegel bei seinem Vorhaben viele Steine in den Weg legten, sowohl finanzieller Art als auch bei der Beschaffung von Baumaterialien. "So gab es eine Freigabe von drei Sack Zement in Friedland. Als man dort ankam, wusste auf einmal niemand mehr von solch einer Absprache", berichtet Günter Poeschke über die damaligen Schikanen. Auch der Rat des Kreises beteiligte sich nie an den Kosten zum Bau der Kirche. So legte der Pfarrer damals selbst Hand an und setzte den Sockel mit Helfern aus der Gemeinde. Der Bau zog sich rund zwei Jahre hin, am 15. Mai 1955 wurde die Kirche dann eingeweiht und Gläubige mussten nicht mehr bis nach Sauen fahren, sondern konnten in Neubrück zum Gottesdienst gehen.

Noch immer treffen sich Neubrücker in der Kirche. Sei es, um an einem der weniger gewordenen Gottesdienste teilzunehmen oder um sich über mögliche Veranstaltungen auszutauschen, mit denen man Spenden zum Erhalt der Kirche akquirieren kann. In der Vergangenheit organisierten die 31 Mitglieder des Fördervereins zum Beispiel ein Countryfest. Auch das Kiewer Kammerorchester war im Rahmen der Veranstaltung "Konzert an der Spree" mehrere Jahre in Neubrück zu Gast. Kontakte hierfür entstanden über die Mitgliedschaft beim Verein Alte Kirchen, in dem ein Netzwerk von Fördervereinen und ehrenamtlichen Mitgliedern in ganz Brandenburg und Berlin organisiert ist. Spenden aus diesen und anderen Ereignissen investierte der Förderverein in Baumaterialien "Wir haben unterdessen ein Holzdepot angelegt, das für die Erneuerung des Fachwerks bereitliegt", berichtet Günter Poeschke. Doch ohne größere finanzielle Unterstützung stockt die weitere Sanierung. Daher hoffen die Mitglieder des Fördervereins, dass noch in diesem Jahr von der Kirchengemeinde ein Signal kommt, dass die Sanierung mithilfe von Fördermitteln umgesetzt werden kann. Nicht zuletzt, um sicherzugehen, dass ihr langjähriges Engagement nicht vergebens war.

Am Sonntag wird zunächst jedoch das 60-jährige Jubiläum gefeiert. Der Förderverein und die Kirchengemeinde laden zu einem Festakt ein, der um 15Uhr beginnt. Mit dabei sind auch Kinder der Grundschule in Görzig, die das Programm mitgestalten. Zugleich findet die Einweihung der elektronischen Orgel statt und Pfarrer Tobias Kampf wird den Segen sprechen.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Juli 2015

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