Kirche mit Dachschaden

Heike Weißapfel

Schönfließ (MZV) Die Decke der Schönfließer Dorfkirche ist kaputt. In welchem Maße, steht zwar noch nicht fest. Doch die Besucher müssen vor herunterfallenden Brocken geschützt werden. Ein Gerüst, das eine eingezogene Holzdecke trägt, ist aufgestellt. Eine Dauerlösung ist das aber nicht.

Schön, aber etwas lädiert: Auf der hölzernen Zwischendecke ist kaum Platz zum Stehen. Trotzdem können Prüfarbeiten zum Zustand der Decke und der Wände unternommen werden.
© Heike Weißapfel/MZV

Die Decke macht der Kirchengemeinde schon seit einigen Jahren Sorgen. Gelegentlich prüfe ein Maurermeister, ob sie noch hält, sagt Werner Rohrer. An einigen Stellen klaffen Handteller große Löcher.

Die Schönfließer Kirche ist an sich ein Kleinod und gilt als eines der ältesten Gebäude Oberhavels. Nicht zuletzt deshalb hofft der Pfarrer auf Geld aus der Gemeinde, dem Landkreis und der Landeskirche, um den Bau zu erhalten und zu sanieren. Um 1250 als romanischer Quaderbau aus Feldsteinen errichtet, ist das Gotteshaus später mehrfach umgebaut worden. Heute ist das Innere des Kirchenschiffs ein ansehnlicher barocker Raum mit großer Orgelempore und einer einst beheizbaren Patronatsloge an der Südseite. Die Decke ist stuckverziert.

Nachdem die ersten Stücke herausgefallen waren, habe Klaus Brietzke vom Gemeindekirchenrat gleich Angebote für Gerüstbauer eingeholt, erklärt Rohrer. Seit Mai steht nun ein Gerüst, das für vier Monate gemietet werden konnte. "Auf Dauer ist das aber keine Lösung", sagt Werner Rohrer. Abgesehen davon, dass der Innenraum dadurch wie eine Baustelle aussieht, wäre es auch zu teuer. 5 000 Euro kostet das Gerüst für den Sommer; davon hat der Freundeskreis der Kirche alleine 3 000 Euro gegeben.

"Wir haben überlegt, ein Netz aufzuhängen. Doch dazu hätten Bolzen in die Wände gebracht werden müssen, und das wollten wir nicht. Am Putz dürfen wir laut Denkmalbehörde nichts anders machen, aber Bolzen reinschießen? Das geht doch nicht", meint er. Zudem hätte ein Netz auch verhindert, dass die Decke untersucht werden kann. Auf dem Zwischenboden aus Holz könnte aber jemand zumindest gebückt stehen oder sitzen und daran arbeiten.

Das Problem ist aber wohl nicht nur die Decke, fürchtet der Pfarrer. "Es ist wohl grundsätzlich zu überlegen, wie man die Kirche trocken kriegt." Denn Spuren von Feuchtigkeit sind auch an den Wänden zu sehen. Ob Wasser durch die Feldsteine dringt oder Schichtenwasser von unten drückt, sei unklar. Das Kirchenschiff liegt jedenfalls tief, wie jeder sehen kann, denn vier Stufen führen ins Innere hinunter.

Es gibt einen Beschluss vom Kreiskirchenrat Nord-Ost, dass nur noch bauerhaltende Maßnahmen gemacht werden. "Die setzen Prioritäten, das ist ja auch in Ordnung", findet Rohrer. Denn einerseits hat die Schönfließer Dorfkirche insofern keine eigene Gemeinde, als die gemeinsame Kirchengemeinde Bergfelde-Schönfließ das Bergfelder Gotteshaus nutzen kann und zudem dort gerade erst ein neues Gemeindehaus eröffnen konnte.

Werner Rohrer hofft dennoch, dass die Kirche gleich hinter dem Berliner Stadtrand von allen Beteiligten als wichtig angesehen wird. Denn voll ist sie oft. Die Konzertreihe "Schönfließer Sommermusiken" zieht seit 25 Jahren an manchen Wochenenden mehr als hundert Zuhörer an.

Die Gemeinde Mühlenbecker Land hat durchaus schon viel investiert, beispielsweise einen großen Teil der Kosten für den Kirchturm übernommen. Der Architekt Walter Schütz werde die Decke in den kommenden Monaten untersuchen und werde feststellen, wie umfänglich die Sanierung sein könnte, so Rohrer. Um die Sache vor den kirchlichen Bauausschuss zu bringen, müsse eben erst einmal ein Gesamtkonzept her.

"Es wäre sonst das Aus für die Sommermusiken, weil das Gerüst nicht immer da stehen kann", bedauert der Pfarrer,. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass diese schöne Kirche einfach vor sich hingammeln soll."

Das nächste Konzert findet am Sonnabend, 11. Juli, ab 16 Uhr statt. Dann liefern sich die Pariser Violinistin Elisabeth Balmas und der Berliner Violoncello-Spieler Hans-Joachim Scheitzbach ein heiteres musikalisches Duell. Der Eintritt beträgt acht Euro.

Märkische Onlinezeitung vom 07. Juli 2015

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