"Gott hat uns erhört"

Viola Petersson

Joachimsthal (MOZ) Die Planungen laufen seit Jahren. Allein: Sie blieben bislang Papier. Doch nun soll es endlich an die Umsetzung gehen. Die Kirchengemeinde Joachimsthal wurde mit ihrem Gotteshaus in den Staatskirchenvertrag aufgenommen. Der sichert Fördermittel für die Sanierung.

Erläutert die Baupläne: Pfarrerin Beatrix Spreng. Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg mit seinem Vorstandsvorsitzenden Udo Niehage (3. v. l.) hatte für die Sanierung des Gotteshauses einen Scheck über 12 000 Euro überreicht.
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Jetzt heißt es noch einmal Klappern. Klappern, um die erforderlichen Eigenanteile zusammenzukriegen. Aber eigentlich arbeitet die Kirchengemeinde Joachimsthal schon seit 15 Jahren auf den "Tag x" hin, wie Pfarrerin Beatrix Spreng salopp sagt. Ein Förderverein wurde gegründet, der Spenden einwirbt. Patenschaften für Fenster, Zinnen und Dachsteine werden vergeben.

Mehr als 20 000 Euro kamen auf diese Weise rein. Und genau 12 000 Euro kamen jetzt hinzu. Dank einer Spende des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME), der das Tagungshotel auf Hubertusstock betreibt. Die Kirchengemeinde selbst sei nämlich arm wie die sprichwörtliche Kirchenmaus. "Wir haben keine Ländereien, keine Immobilien, nichts", so die Pastorin. Ein paar Quadratmeter Grund nur, die 150 Euro an Pacht pro Jahr in die Kasse "spülen". Dafür sei die Kirchengemeinde Joachimsthal eine "sehr lebendige" Gemeinde. Und eben eine sehr rührige.

Immer wieder habe man Fördermittelanträge gestellt. Allein: Die Kirche Joachimsthal galt nicht als baufällig, als nicht einsturzgefährdet. Damit genoss das Gotteshaus - trotz der prominenten Handschrift Schinkels - keine Priorität. "Zehn Jahre haben wir beispielsweise um die Aufnahme in den Staatskirchenvertrag gekämpft", resümierte Spreng. Nun endlich mit Erfolg. Damit sei eine 50-prozentige Förderung der sogenannten Hüllensanierung gesichert. Also der Sanierung von Dach, Fenstern und Fassade. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. "Gott hat uns erhört."

Nach einer Art Notsicherung vor einigen Jahren sowie Reparaturen soll zunächst die damals begonnene Schwammsanierung abgeschlossen werden, so Spreng. Etwa 150 000 Euro sind dafür veranschlagt. Wie Architekt York Stuhlemmer, der unter anderem auch am Berliner Schloss - dem Humboldt-Forum - arbeitet, auf Anfrage sagte, sei die Ausschreibung bereits erfolgt. Im Juli ginge es los. Drei Stellen seien im Bereich der Deckenbalken und des Gebälks mit dem Echten Hausschwamm befallen. Zwei Stellen wurden bis 2010 saniert, Innenecken des Nordflügels. "Jetzt geht es um eine Ecke im Südflügel", erklärte Stuhlemmer. Die Sanierung sei relativ aufwendig. Weshalb er mit drei bis vier Monaten Bauzeit für diesen Abschnitt rechnet.

Nach der Wiederherstellung des Dachtragwerks werde man 2016 das Hauptdach in Angriff nehmen. Es folgen die Fassade, die restlichen Fenster sowie die Außentreppen. Ziel der Hüllensanierung sei es, die "bauzeitliche Fassung" von 1817 wieder sichtbar und erlebbar zu machen. Also den gotischen Klassizismus.

"Unser Traum wäre natürlich, zur 200-Jahrfeier außen fertig zu sein", fügte Pfarrerin Spreng hinzu. Wohl wissend, dass dies ein ambitioniertes Vorhaben ist. Parallel werde man bereits die Bauanträge für den Innenraum vorbereiten. Aufgrund der zu DDR-Zeiten erfolgten Umbauten und mit Blick auf die heutigen Anforderungen ginge es dort darum, den "alten Schinkel in einen modernen Schinkel" zu übersetzen.

"Dazu wollen wir einen kleinen Beitrag leisten", begründete Udo Niehage, Vorstandsvorsitzender beim VME, die Unterstützung. "Der regionale Bezug ist durch Hubertusstock gegeben. In gewisser Weise sind wir ja Nachbarn." Mit der Spende von 12 000 Euro wird der Verband zugleich Fenster-Pate. "Und zwar für das Fenster Nummer zwei an der Nordseite", erklärte die Pastorin und überreichte den Gönnern im Gegenzug eine Patenschaftsurkunde.

Märkische Onlinezeitung vom 18. Juni 2015

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