Eine 800-Jährige braucht Hilfe

Die Mitglieder des Fördervereins für den Erhalt der Kirche Casel sammeln Geld für die Sanierung des Gebäudes

CASEL Die 800-jährige Kirche von Casel braucht Hilfe. Sie wurde als katholische Wallfahrtskapelle im 13. Jahrhundert errichtet. Im Jahr 1985 drohte das Feldstein- Kleinod einzustürzen.

Die Kirche Casel stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Caseler haben sie bis heute erhalten, sie ist aber stark reparaturbedürftig. Irene Dommaschk, Martina Scharoba, Christa Schütt und Helga Oelschläger (v. l.) sind Mitglieder im Förderverein der Kirche.
Foto: Marion Hirche/jul1

Dies konnte aber aufgrund der tatkräftigen Unterstützung durch die Caseler Bewohner abgewendet werden. 1986 gab es die Wiedereröffnung der Kirche mit zwei Taufen.

"Der Zahn der Zeit nagt bis heute an unserer Kirche, so sind Gebälk und Turm stark reparaturbedürftig. Um den Verfall aufzuhalten, haben wir am 4. Juni 2010 den Förderverein zum Erhalt unserer denkmalgeschützten Kirche in Casel gegründet. Darin engagieren sich Christen und Nichtchristen, um den Enkeln, Urenkeln und deren Nachkommen die Kirche zu bewahren", erklärt die Fördervereinsvorsitzende Irene Dommaschk. Inzwischen besteht der Verein nun schon fünf Jahre. Helga Oelschläger gehört zu den Unterstützern des Vereins. Die heute 79-Jährige hat in der Kirche 1960 geheiratet. Dort wurden ihre Tochter Katrin und jetzt auch ihre Enkelkinder getauft.

"Ich erinnere mich auch noch an die Wochen nach dem Krieg, als mein Vater den Kronleuchter, der immer noch hier hängt, aus Holz gebaut hat. Für jeden Caseler Gefallenen ist darauf eine Kerze." Tochter Katrin Oertel mischt aktiv im Förderverein mit, obwohl sie erst später wieder in Casel wohnen wird.

Die 87-jährige Christa Schütt hat dafür gesorgt, dass in der Kirche eine sehr alte Tradition wieder belebt wurde. Von ihrer Großmutter hatte sie als junges Mädchen erfahren, dass vor dem Johannisreiten, ein sorbischer Erntebrauch, der nur hier in Casel noch erhalten ist, die Reiter an einem Festgottesdienst teilgenommen haben. "Dieses Wissen habe ich im Verein preis gegeben und seit vier Jahren findet wieder der Gottesdienst vor dem Johannisreiten statt", war von der rüstigen Seniorin zu erfahren.

"Jeden Monat gibt es hier einen gut besuchten Gottesdienst. Wir haben wieder das Osterwaleien am Ostermontag eingeführt, feiern regelmäßig das Erntedankfest, organisieren eine Sommerausstellung und sind beim Tag des offenen Denkmals dabei. Im Advent gibt es ein Konzert und seit vorigem Jahr sogar einen Weihnachtsmarkt. Bei Letzterem haben wir 2014 nach einem alten Rezept erstmals wieder den Echten Caseler gebacken, der ein richtiger Renner war", erzählt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Martina Scharoba.

Die diesjährige Sommerschau präsentiert Aquarelle der Lübbenauer Hobbymalerin Anke Schollmeier. Bis zum Ende des Sommers sind die Werke zu sehen.

Bei der Eröffnung bekam der Förderverein einen Spendenscheck vom Rotary-Club. Mit dieser Summe ist nun der nötige Eigenanteil für die Sanierung der Kirche zusammen. Für 2017 ist das Gotteshaus in den Sanierungsplan aufgenommen.

An den Wochenenden kann die kleine, feine Feldsteinkirche in dem Drebkauer Ortsteil besichtigt werden.

Spendenkonto:
IBAN DE 76 18050000190008580
BIC WELADED 1CBN

Marion Hirche/jul1

Lausitzer Rundschau vom 03. Juni 2015

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