Neuenhagener Kirche erstrahlt in neuem Glanz

Maria Ugoljew

Neuenhagen (MOZ) Das Dorf Neuenhagen ist um eine architektonische Perle reicher. Die Kirche, in der im März 2013 ein großes Feuer ausgebrochen war, eröffnet nach gut zweijähriger Restaurierung wieder ihre Pforten. Der Brand hatte vieles zerstört - aber auch bisher Unentdecktes zum Vorschein gebracht.

Pure Farbenpracht: Der Altarraum der Kirche, die 1902 erbaut wurde, hat seine ornamentale Gestaltung wieder. In den 1970er-Jahren wurde der Bereich weiß überstrichen.
© Maria Ugoljew

Beim Betreten der Kirche kommt der Besucher aus dem Staunen nicht heraus: So bunt sind die Gotteshäuser in der Region nur noch selten. Kräftige Farben und Ornamente zieren die Wände - insbesondere der Altarraum ist mit seinen satten Grün- und Rottönen, die den Bereich dominieren, eine Pracht.

In den 1970er-Jahren ist der Innenraum der Kirche weiß überstrichen und der Boden mit Auslegware überdeckt worden. Teils war die schlichte Gestaltung damals modern, teils fehlte auch das Geld für restauratorische Maßnahmen.

Über Jahrzehnte existierte das Haus in dieser einfachen Form. Und wäre das Feuer am 17. März 2013 nicht ausgebrochen, wäre die bunte Schönheit wohl nie zu Tage gekommen. 55 Feuerwehrleute aus Neuenhagen, Bralitz, Bad Freienwalde und Altranft waren damals vor gut zwei Jahren im Einsatz. Über eine Stunde kämpften die Frauen und Männer gegen die Flammen an. Die Ursache für den Brand ist bis heute nicht geklärt. "Es gibt lediglich die Vermutung, dass es an der alten Elektrik gelegen haben könnte", sagt Architektin Barbara Anders. Gemeinsam mit dem Berliner Architekturbüro Henrich Rauschning leitete sie die Restaurierungsarbeiten in der Neuenhagener Kirche.

Auch sie war überrascht, als sie eines Tages die bunten Friese im Altarraum und im Hauptschiff der Kirche entdeckte. Niemand hatte bis dato damit gerechnet, auch die Gemeinde ahnte nichts von der ursprünglich farbenfrohen Gestaltung. "Durch das Abwaschen der Wände kamen die Ornamente zum Vorschein", sagt Barbara Anders. Die Beteiligten entschieden sich, den Originalzustand im Altarraum mit Hilfe von Restauratorin Marlies Genßler wiederherzustellen.

Doch bevor an die Farbgestaltung überhaupt gedacht werden konnte, stand der Wiederaufbau der Decke auf dem Programm. Sechs Wochen lang wurden die verkohlten Holzbalken per Hand vom Ruß befreit. Die Decke komplett abzunehmen, das wollten die Beteiligten nicht. "Wer weiß, was dann noch alles zum Vorschein gekommen wäre", sagt die Architektin. "Wo hört man auf, wo fängt man an, war immer die Frage." Auch das Budget musste im Auge behalten werden. Eine Dreiviertel Million Euro hatte die Gebäudeversicherung der Gemeinde für die Wiederinstandsetzung des Hauses - inklusive aller anfallenden Honorarkosten - zur Verfügung gestellt.

Von dem Geld wurde auch die Winterkirche wieder aufgebaut. Der Raum auf der rechten Empore dient den Kirchenmitgliedern seit den 1950er-Jahren als Gemeindetreffpunkt. Dort war im März 2013 das Feuer ausgebrochen. "Glücklicherweise war der Raum abgeschlossen", sagt Barbara Anders. Hätte die Tür offen gestanden, hätte das Feuer vielleicht den Kirchenturm mit erwischt, "und wer weiß, was noch alles". Der verkohlte Rest steht nun als Andenken im Treppenhaus - neben den angeschmolzenen Orgelpfeifen. Denn auch das Instrument, das vor wenigen Jahren durch Spendenmittel erst saniert und 2011 eingeweiht worden war, wurde durch die Hitze stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch auch sie erstrahlt nun in neuem Glanz.

Die Kirche wird am Sonntag in Anwesenheit des Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Oderland-Spree, Frank Schürer-Behrmann, mit einem Festtagsgottesdienst wiedereröffnet. Besucher können Führungen durchs Haus wahrnehmen. Außerdem ist ein buntes Rahmenprogramm mit Musik und Theater geplant. Los geht's ab 14 Uhr.

Märkische Onlinezeitung vom 28. Mai 2015

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