Taufstein wieder sicher

Oliver Schwers

Stendell (MOZ) Aus Sicherheitsgründen hatte man den Taufstein von Stendell in eine Ecke gestellt. Er war brüchig geworden. Der Freundeskreis der Feldsteinkirche ließ ihn restaurieren und passend zu Pfingsten mit einem Festgottesdienst einweihen.

Eveline Lüdtke (l.) vom Freundeskreis Feldsteinkirche Stendell und Pfarrerin Monika Harney lüften das Tuch über dem frisch sanierten Taufstein.
© MOZ/Oliver Voigt

Pfarrerin Monika Harney hätte sich sehr gewünscht, zur Wiedereinweihung eine Taufe vornehmen zu können. Doch der Wunsch wurde nicht erfüllt. Und die meisten der Kirchgänger, die an diesem Pfingstsonntag zum Gottesdienst kamen, konnten sich an ihre eigene Taufe gar nicht mehr erinnern. "Wir haben hier lange keine Taufe mehr vorgenommen", wunderte sich die Pfarrerin.

Gemeinsam mit Eveline Lüdtke vom Freundeskreis der Feldsteinkirche enthüllte sie den weiß verhangenen Taufstein, der in einem ebenso strahlenden Weiß schimmert. Das Terrakotta-Exemplar aus dem Jahre 1876 kam gerade aus der Berliner Werkstatt des Restaurators Oliver Guhr zurück und steht nun wieder deutlich sichtbar mitten im Kirchenschiff. Guhr hatte die Schadstellen ausgebessert und vor allem den schweren Stein wieder standsicher gemacht. Außerdem passt das Äußere nun farblich zur Kanzel.

Wie also nun eine Einweihung ohne Taufkind vornehmen? Pfarrerin Harney kam auf die Idee, alle Gottesdienstbesucher eine Bitte in eine Papierblüte schreiben zu lassen. Die Objekte entfalteten sich in der mit Wasser gefüllten Schale und offenbarten ihr Inneres, während alle Neugierigen um den Stein herumstanden und die Wünsche vorlasen.

Der Bitte des Freundeskreises entsprechend kramten einige von ihnen in ihren alten Unterlagen und brachten die eigenen Taufsprüche und Konfirmationsurkunden mit. Früher war es üblich, dass die Kinder schon im sehr frühen Alter ihre Taufe erhielten. Das wollten die Eltern so, und auch die Kirche. Heute machen Erwachsenen- oder Jugendlichentaufen teilweise die Hälfte aller Anfragen aus. Wenn sich die Eltern aber auf die Entscheidungsfreiheit ihrer Kinder berufen würden, dann würden sie die Entscheidung einfach den Kindern übertragen - so Monika Harney.

Sie selbst kam durch einen Trick ihrer Eltern zur Taufe in die evangelische Kirche. Denn weil der Vater katholisch war, sollte die Tochter eigentlich ebenso erzogen werden. Als die Großmutter eines Tages verreiste, liefen die Eltern dann zum Pfarrer und ließen sie doch evangelisch taufen. Am Ende studierte die junge Frau dann Theologie.

Der für 2000 Euro restaurierte Taufstein von Stendell, vollständig finanziert aus privaten Spenden, wartet nun auf seine eigentliche Inbetriebnahme. Die Freunde des Freundeskreises sind gespannt, wer der Täufling sein wird.

Märkische Onlinezeitung vom 26. Mai 2015

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