Kultur soll die Fara Gubinska wiederbeleben

Polen und Deutsche engagieren sich für ein Gotteshaus

GUBIN Gubener und Gubiner haben sich vor zehn Jahren mit einem gemeinsamen Ziel zusammengetan: Sie wollen der einstigen Stadt- und Hauptkirche im Ostteil der Neißestadt wieder Leben einhauchen. Vieles konnten sie bisher erreichen. Doch es liegt auch noch viel Arbeit vor ihnen. Mindestens 1,5 Millionen Euro werden noch benötigt, um ihr Projekt zu vollenden.

Die imposante Kirchenruine in Gubin: Demnächst soll am Turm weitergearbeitet werden.
Foto: J. Pozar/zar1

Seit dem Jahr 2005 bemüht sich der Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche um die Sanierung des Gotteshauses. Gemeinsam mit einer Stiftung in Gubin sowie der Bauhütte Kirche Gubin soll das Gotteshaus wieder aufgebaut werden. "Allerdings", so der Vorsitzende des Gubener Fördervereins, Günter Quiel, "wird es nicht mehr als Kirche dienen."

Schon viele Jahre zuvor hat die polnische Seite versucht, das historisch wertvolle europäische Kulturdenkmal wieder aufzubauen. Doch dem Land fehlte das Geld dafür die Kirche war im Besitz des polnischen Staates. Vor elf Jahren rief der einstige Gubiner Gemeindepfarrer Zbigniew Samociak dazu auf, den Wiederaufbau der einstigen Stadt- und Hauptkirche zu unterstützen. Als Folge gründeten sich der Gubener Verein und eine Stiftung in Gubin sowie die Bauhütte Kirche Gubin. Alle arbeiten bis heute eng zusammen. Das Land übergab die Kirche letztlich an die Stadt Gubin und die Arbeiten an der Fara Gubinska konnten endlich losgehen. "Als Pfarrer Samociak die Tür der einstigen Stadt- und Hauptkirche erstmals öffnete, war alles grün. Die Natur hatte sich in 60 Jahren längst das Areal zurückgeholt", erzählt Günter Quiel. Zweieinhalb Tonnen Schutt haben Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer aus der Kirche geschafft. Dabei wurden viele Details wie Fragmente von Grabplatten und mit Schutt gefüllte Krypten entdeckt. Wegen des Denkmalschutzes musste alles gesiebt werden. "Dann waren die Profis dran", so Quiel. Zu den Profis gehörte Dr. Jaroslaw Lewczuk, Archäologe aus Zielona Gora (Grünberg). Er wusste, dass die Kirche sowohl spätromanische, früh- als auch spätgotische Elemente aufweist. So wurden Reste einer Holzkirche entdeckt, um die die neue Kirche herumgebaut wurde. Im heutigen Eingangsbereich wurden Stufen der romanischen Kirche gefunden. "Schon damals war der Zugang also an derselben Stelle", sagt Günter Quiel.

Die heutigen Fundamente befinden sich auf den spätromanischen Grundsteinen. "Im Kircheninneren haben wir sehr frühe Backsteinelemente gefunden. Auch Scharniere der Eingangstür aus dem 14. Jahrhundert wurden ausgegraben", so Quiel. Grabplatten aus dem Jahr 1464 wurden in der Nähe des Altars ebenfalls gefunden. Allerdings wurden diese beim Einbau einer Zentralheizung im Jahr 1896 fast völlig zerstört, denn der Bau erfolgte schonungslos durch die Gräber. Ein gut erhaltenes Grab konnte aufgrund von Münzen dem 14. Jahrhundert zugeordnet werden.

Für Günter Quiel war das Aufsetzen der Haube auf den Kirchturm am 1. Juni 2007 ein erster Höhepunkt der Arbeit der Vereine. "Das hat den Wiederaufbau veranschaulicht", sagt Quiel. Auch die Turmeröffnung am 31. Mai 2013 war ein besonderes Ereignis.

Am Turm soll jetzt auch weitergearbeitet werden. "Der Turmkranz soll von außen begehbar werden. Außerdem soll die Spitze eine Wetterfahne bekommen", so der Vereinsvorsitzende. Dabei bekommen die Gubener und Gubiner finanzielle Unterstützung der Partnerstadt Laatzen.

Quiel ist sich sicher, dass die Menschen aus beiden Teilen der Neißestadt in der einstigen Kirche bald wieder unter einem Dach stehen werden. Noch gebe es schließlich einige, die eine besondere Verbindung zum Gotteshaus haben. Einige wurden dort getauft, einige gaben sich vor Gott das Ja-Wort.

Die Firma Heinle, Wischer und Partner aus Breslau hatte vor zwei Jahren einen Architektenwettbewerb gewonnen. Sie wollen der Kirche ein durchsichtiges Dach geben. Doch dem Verein fehlen dafür etwa 1,5 Millionen Euro an Eigenmitten "Wir brauchen Hilfe von außen", appelliert Günter Quiel.

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Als Entstehungszeit der Kirche sind die Jahre 1190 bis 1240 angegeben. Im Jahr 1520 wurde das Fundament für den quadratischen Turm geschaffen. Die Kirche hatte Ende des 16. Jahrhunderts mehr als 1700 Sitzplätze. Am Neujahrstag 1945 fand der letzte Gottesdienst statt. Bei den Kämpfen im Februar 1945 wurde die Kirche weitestgehend zerstört. Das 70 Meter lange Bauwerk prägt bis heute das Stadtbild.zar1

Jana Pozar / zar1 zar1

Lausitzer Rundschau vom 23. Mai 2015

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