Ein schwerer und steiniger Weg

Bärbel Kraemer

Lühnsdorf (MZV) "Auf den ersten Blick sieht nichts ganz furchtbar aus", so Theda von Wedel-Schunk, vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, die Lühnsdorfer Kirche betrachtend. Am vergangenen Sonntag traf die Mitarbeiterin für den Bereich Potsdam-Mittelmark zu einem Vororttermin im Dorf ein. Weil die Kirche dringend Hilfe braucht.

Viele Lühnsdorfer wollen sich tatkräftig und Ideenreich an der Sanierung beteiligen. Ihre Ideen und Wünsche erklären sie Theda von Wedel-Schunk vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (re. blauer Schal).
© MZV

"Im Innern bekommt man dafür aber das nackte Grausen", erklärt der Lühnsdorfer Fritz Moritz. Der Turm ist gesperrt, er droht herabzustürzen. Über Notsicherungen wird versucht, das schlimmste zu verhindern. Aber wie lange gelingt das noch?

Während des Vororttermins erklärt Fritz Moritz den Schaden mit Historie, der seinen Ursprung im Kirchenbaujahr hat. Die Schieferplatten der Turmeindeckung wurden damals mit den falschen Nägeln befestigt. 1934, genau 35 Jahre nach der Vollendung des Kirchbaus, wurde dieser Fehler und erste Schäden dadurch festgestellt. Doch die Kriegsjahre und die Zeit danach erlaubten keine Sanierung. So verging die Zeit. Bereits in den 1960er Jahren hatte sich die Problematik so arg verschärft, dass ein Stützwinkel im Turm installiert werden musste - um ihn zu sichern. Tatsächlich wurde dadurch jedoch nur eine Kräfteverlagerung von einer Seite auf die andere erreicht. 2010 musste die erste Notsicherung erfolgen. Weil die Konstruktion, die die Lasten von den zerstörten Holzbauteilen auf andere umleiten sollten, keine Erfolge gezeigt und zusätzlich zu Rissen im Mauerwerk geführt hatte. 2013 folgte eine erneute Notsicherung, mittlerweile besteht dringender Handlungsbedarf. Knapp 100.000 Euro sind für das Projekt Kirchenrettung in Lühnsdorf erforderlich. Weshalb sich der Gemeindekirchenrat und engagierte Einwohner des Dorfes zu einem Förderkreis zusammengefunden haben. Gemeinsam sucht man nach Möglichkeiten, konkret nach Fördermittelgebern, mit deren Hilfe das Sorgenkind Kirche gerettet werden kann. Unzählige Gespräche wurden in den zurückliegenden Monaten geführt und Fördermittelanträge geschrieben.

Der Vorortbesuch durch Theda von Wedel-Schunk ließ bei den Lühnsdorfer die Hoffnung keimen, dass trotz vieler anderer Dörfer die quasi Mitbewerber im Gerangel um die immer knapper werdenden Fördermöglichkeiten sind, die Mühen am Ende von Erfolg gekrönt sein könnten. Positiv wurde abermals bewertet, dass viele Lühnsdorfer sich um den Erhalt der Kirche im Dorf mühen - gläubige Christen und Atheisten.

Da ist Lisa Kienow, die junge Studentin, die erst vor sechs Jahren nach Lühnsdorf zog. Die angehende Restauratorin will sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Altar der Kirche befassen und ihn nachfolgend restaurieren - ihm sein ursprüngliches Aussehen zurückgeben.

Carmen Böttcher gehört als Lühnsdorferin zu den Sängern des Bad Belziger Gospelchores. Zugunsten der Lühnsdorfer Kirche hat sie die Gesangsgemeinschaft für ein Benefizkonzert (11. Oktober um 14.30 Uhr) zugunsten der Kirche begeistern können. Als dritter im Bunde bietet Roy Baumgart seine Hilfe an. Unter anderem will der Kunsttischler die alte Eingangstür zur Kirche sanieren. Weitere Lühnsdorfer wollen sich auf anderen Ebenen, ihren Möglichkeiten entsprechend, einbringen. Sie eint das Ziel, das noch unmöglich erscheinende - die Lühnsdorfer Kirche als Hochzeitskirche in der Region zu etablieren - Wirklichkeit werden zu lassen. Theda von Wedel-Schunk bezeichnete diese guten Geister des Dorfes am Sonntag als "das Bodenpersonal" in Sachen Kirchenrettung.

Im nächsten Jahr wird die Glocke im Turm des Lühnsdorfer Kirchbaus 400 Jahre alt - im Dorf hofft man, dann sowohl den Glockengeburtstag als auch die Sanierung des Kirchleins feiern zu können.

Märkische Onlinezeitung vom 18. April 2015

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