Zerstörte Kirche soll Kulturraum werden

Inga Dreyer

Wriezen (MOZ) Der Zerstörung Wriezens ist am Donnerstagabend in der Ruine der Marienkirche gedacht worden. Im Zuge der Kämpfe um Wriezen, die am 16. April 1945 begannen und sich über vier Tage erstreckten, war auch St. Marien in eine Ruine verwandelt worden. Das spitz in die Höhe ragende Satteldach war verschwunden. Wenn die dafür notwendigen Fördermittel bewilligt werden, soll die Ruine nun ein neues Dach bekommen. Eine Stahl-Glas-Wand soll zudem die Möglichkeit geben, im großen Kirchenschiff einen kleineren Saal abzutrennen.

Gemeinsames Gedenken: Vor einem für diesen Anlass aufgestellten Kreuz gedachten am Donnerstagabend zahlreiche Menschen der Zerstörung der Stadt Wriezen vor 70 Jahren. Schüler des Johanniter-Gymnasiums trugen Zeitzeugenberichte vor.
© Andreas Karpe-Gora

Am Dienstagnachmittag hat der Architekt Rainhardt Pavlitschek in einer kleinen Runde Vorentwürfe für die Gestaltung der Räume vorgestellt. Eingeladen waren potentielle Nutzer des neuen Veranstaltungssaals wie das Johanniter-Gymnasium, der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM), Vertreter der Landeskirchlichen Gemeinschaft, der evangelischen Gemeinde und der Stadt Wriezen.

Geplant ist, dass die Wände, die die jetzigen Gemeinderäume und die Winterkirche auf der Südseite vom Kirchenschiff abtrennen, herausgenommen und ebenfalls durch eine Stahl-Glaskonstruktion ersetzt werden. Der direkte Blick ins Kirchenschiff wird dadurch gegeben. Durch eine weitere Stahl-Glaskonstruktion mit großen Türen soll das Kirchenschiff auf Höhe des neuen Rundbogens abgetrennt werden können - je nachdem, ob Veranstaltungen für mehr oder weniger Besucher geplant sind.

Der kleinere "Sakralraum", der an die Apsis anschließt, soll im Winter beheizbar sein. Das ganze Schiff zu heizen wäre zu teuer, erklärte der Architekt.

Bürgermeister Uwe Siebert und Schulleiter Michael Tiedje äußerten ihre Sorge, dass der Raum auch bei geöffneten Türen zweigeteilt erscheinen könne. Beide sprachen sich dafür aus, den Eindruck von Plätzen erster und zweiter Klassen zu vermeiden. Rainhardt Pavlitschek jedoch erläuterte, dass eine gewisse Zäsur bleiben werde.

Die potentiellen Nutzer wurden aufgefordert, über ihre Wünsche nachzudenken. Der Architekt erzählte von seinen Erfahrungen, dass bei gelungenen Bauvorhaben später von selbst neue Ideen entstehen. "Wir sollten unsere Fantasie jetzt sprießen lassen", ermunterte Uwe Siebert die Anwesenden.

Märkische Onlinezeitung vom 16. April 2015

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