Schäden am mittelalterlichem Sakralbau größer als vermutet

Wunderblutkirche in Bad Wilsnack braucht Hilfe

Die Schäden an der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack sind größer als vermutet, das Dach etwa ist in einem besorgniserregenden Zustand. Der Kirchengemeinde steht aber zu wenig Geld zur Verfügung, um alle Schäden zu reparieren. Deswegen soll die Kirche nun zu einem Denkmal von nationaler Bedeutung werden. Das hätte enorme Vorteil bei der Sanierung.

Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack war einst eine der bedeutenden Wallfahrtstätten Europas.
Quelle: Andreas König

Bad Wilsnack. Wenn es stimmt, dass am Kölner Dom seit seiner Entstehung gebaut wird, muss man sich über den Zustand der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack nicht wundern. Dort wird zwar seit Jahren immer wieder das eine oder andere saniert und restauriert, aber das Dach ist in einem sehr besorgniserregenden Zustand. Kein Wunder, wurde es doch in den 1970er Jahren letztmals „angefasst“. Leider steht der Kirchengemeinde und der Landeskirche weit weniger Geld zur Verfügung als dem milliardenschweren Erzbistum Köln. Daher ist eine Sanierung der Bad Wilsnacker Kirche nur als nationale Aufgabe zu bewältigen. Genau um diese Anerkennung bemühen sich derzeit Vertreter der Kirchengemeinde, des Fördervereins, der Landeskirche und der Landesministerien. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sankt Nikolai in Bad Wilsnack ein Denkmal nationaler Bedeutung wird.

Unter anderem darüber informierten Experten die interessierte Öffentlichkeit in dieser Woche. „Die Dachkonstruktion weist erhebliche Mängel auf“, sagte Regine Hartkopf. Die Architektin ist Dombaumeisterin in Naumburg, Merseburg und Zeitz. Sie leitet Sanierung und Neugestaltung der Bad Wilsnacker Kirche. An erster Stelle steht die Reparatur des Dachs.

Ein starker Sturm könnte der Kirche enorm schaden

„Es gibt konstruktive Mängel“, sagt Regine Hartkopf. Balken würden direkt auf Kappen liegen, was zu starken Verwerfungen in der Dachkonstruktion führt. „Die Kirche ist nicht einsturzgefährdet, aber bei einem starken Sturm könnte schon einiges passieren“, erklärt sie. Hinzu komme eine enorme Feuchtigkeit im Fundament und an den Außenwänden vor allem an der Südseite des gewaltigen Kirchenbaus. „In den Jahrhunderten ist das Höhenniveau des umgebenden Geländes gestiegen, weshalb jetzt Regenwasser in die Fundamente läuft“, sagt Regine Hartkopf. Dem Dach fehlen zudem Regenrinnen und Abläufe, was die Schäden vergrößert und das Tempo erhöht, in dem sie fortschreiten.

„Die Rettung wäre eine Anerkennung der Wunderblutkirche als Denkmal nationaler Bedeutung“, sagt Pfarrer Daniel Feldmann. Gemeinsam mit dem Gemeindekirchenratsvorsitzenden Christian Richter und vielen anderen engagierten Helfern bemühe man sich seit gut vier Jahren, Verständnis für das doch recht dringende Anliegen zu wecken. „Jetzt stehen die Chancen offenbar ganz gut“, sagt Christian Richter. Das liegt unter anderem auch daran, dass aus Brandenburg derzeit kein vergleichbarer Sakralbau mehr diesen Status besitzt. Das Kloster Neuzelle, jahrelang in dem Förderprogramm, ist inzwischen saniert.

Kirche wünscht sich Anerkennung zum Reformationsjubiläum 2017

Andererseits brauchen die Wilsnacker große Hilfe bei der gigantischen Aufgabe. „Es ist ja nicht nur die Sanierung der Kirche, auch die städtebauliche Wunde, die seit dem Brand des Stadtschlosses in Wilsnack klafft, müsste geschlossen werden“, sagt Pfarrer Feldmann. Das könnte erreicht werden, indem die sogenannte Schlossplatte wieder bebaut wird. Ein Museum könnte dort entstehen, in dem viele Exponate gezeigt werden könnten, die jetzt ohne geschichtliche Einordnung und religiösen Bezug in der Kirche gezeigt werden.

Schließlich möchte die Gemeinde die Kirche wieder zu einer Oase des Glaubens und der Ruhe machen. Derzeit parken Fahrzeuge unmittelbar an der Kirche. Pfarrer Feldmann ergänzt: „Die Anerkennung als Denkmal nationaler Bedeutung wäre ein wichtiges Signal zum Reformationsjubiläum 2017. Wohl kaum an einem Ort in Brandenburg sind die Auswirkungen der Reformation so gut zu erkennen wie in Wilsnack.“

Der Finanzbedarf wird auf mehrere Millionen geschätzt. Selbst der Eigenanteil für die Drittelfinanzierung von Bund, Land und Kirche übersteigt die Möglichkeiten der Kirche bei weitem. „Ein bis zwei Prozent, mehr schaffen wir nicht“, sagt Richter. Alle Ideen sollen in einem Konzept münden, das im Sommer vorgestellt wird.

Von Andreas König

Märkische Allgemeine vom 20. März 2015

   Zur Artikelübersicht