Pinnower Kirche wird innen immer grüner

Heike Weißapfel

Pinnow (MZV) Die Sanierung des Pinnower Kircheninneren wird dieses Jahr fortgeführt. In seiner Jahresversammlung gab der Förderverein der Kirche am Freitagabend einen Überblick über seine Arbeit und künftige Vorhaben.

Gefährlich verrottet: Von der großen Ulme an der Pinnower Kirche war bei einem Herbststurm ein 80 Zentimeter dicker Ast abgebrochen. Der innen hohle Baum musste nun für knappe tausend Euro gefällt werden.
© MZV

Die Decke der Kirche ist frisch geweißt - und das war im vergangenen Jahr auch das Teure an der Sanierung. 11 500 Euro hat der Förderverein der Pinnower Dorfkirche dafür ausgegeben, davon alleine 4 500 Euro für das Gerüst, das gemietet werden musste. 7 700 Euro hat die Restaurierung der Kanzel gekostet, berichtete Claudia Jakob, Schatzmeisterin des Vereins. Restaurator Ulrich Schneider hat auch die Quadrierung der Wände Rechteck für Rechteck weiter fortgeführt. Mit 1 600 Euro schlugen die Arbeiten zu Buche. 600 Euro Strom wurden 2014 in der Kirche verbraucht - vor allem auch für den Heizlüfter, der für die Restaurierung eingesetzt werden musste. Zu den weiteren Ausgaben zählen neue Faltblätter, die 2 400 Euro gekostet haben, aber auch Gema-Gebühren von 218 Euro, die bei den Veranstaltungen anfallen. "Wir können aber nicht immer nur Musik von Leuten spielen, die länger als 70 Jahre tot sind", sagte Sokol mit Blick auf Veranstaltungen mit jungen Leuten.

Einnahmen hatte der Verein aber auch. Zu den Beiträgen der gut 60 Mitglieder kommen Erlöse aus den Konzerten sowie Spenden. Eine verstorbene Borgsdorferin hatte beispielsweise vor ihrem Tod statt um Grabschmuck um Spenden für die Sanierung gebeten. 1 000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Die Stadt Hohen Neuendorf hat 5 000 Euro gegeben. Der Vereinsvorsitzende Klaus Sokol will deshalb den Bauausschuss in diesem Jahr wieder einmal einladen, um zu zeigen, wofür die Mittel verwendet worden sind - und um gelegentlich weitere zu beantragen. Immerhin gebe es in einigen Fraktionen der Stadt Interessierte an der Pinnower Kirche.

"Wir müssen realistisch denken, aber wir schaffen ja auch was", erklärte Sokol. In diesem Jahr soll Restaurator Schneider die zweite Wand weiter in grüner Marmoroptik ausmalen. 13 000 Euro sind für die Renovierung der Empore veranschlagt.

"Der innere Schornstein wird zurückgebaut, sodass eine glatte Seitenwand entsteht", informierte Wolfgang Thumann vom Vorstand des Vereins. Auf eine Spende der Sparkassenstiftung hofft der Fördervein auch wieder. Eine solche zu akquirieren war dem Vorstandsmitglied Professor Johann Adrian gelungen. Der Vorstand wurde nach dem Bericht von etwa 40 anwesenden Mitgliedern einstimmig entlastet -und auch gleich wiedergewählt.

Nach der Fördervereins-Pflicht gab es als Kür einen Vortrag von Dr. Gerd Kley über das Kreuz am Kremmener Damm. Der Physiker aus Schwante, der sich seit vielen Jahren hobbymäßig mit Geschichte befasst, kann nicht nur alle historischen Friedrich- und Wilhelm-Größen von den ersten Hohenzollern in der Mark spielend leicht auseinanderhalten, sondern versteht die Geschichte auch lebendig darzustellen.

Johann von Hohenlohe ist das steinerne Kreuz am Kremmener Damm gewidmet. Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, hat es 1845 als "vaterländisch sinnvolles Denkmal" bei Friedrich August Stüler, der auch Erbauer der Pinnower Dorfkirche war, in Auftrag gegeben. Es ersetzte ein hölzernes Kreuz. "Es war gar nicht üblich, an eine Schlacht mit einem Kreuz zu erinnern", erklärte Kley, eher schon an ein Mordopfer. Kurzweilig beschrieb Gerhard Kley die mittelalterlichen "Quitzows, Bülows, Rochows, Putlitze und Bredows" in der Region viel eher als verhasste Raubritter denn als edle Recken. Die Schlacht auf dem schmalen Kremmener Knüppeldamm sei ein letztlich begrenztes Gemetzel gewesen unter der Ägide von Landadligen gegen die Vertreter von Friedrich I., den damaligen Markgrafen von Brandenburg. Für diesen kämpfte und starb Johann von Hohenlohe.

"Im Jahre des Herrn 1412 d. 24. Oct. am St. Columbani Tage fiel hier der edle Herr Johannes Graf zu Hohenloh" steht auf dem Sockel des Kreuzes. Noch heute wird das Denkmal von den beiden Bäumen gesäumt, die vor 170 Jahren mit der Setzung des Steins gepflanzt wurden.

Nach Kleys Recherchen war der Graf zu Hohenlohe allerdings nicht besser als seine Kontrahenten, sondern andauernd in Fehden verwickelt. Er galt als verschwenderisch, so Kley, was ihn auch dazu trieb, ungesetzliche Taten zu begehen. Insofern scheint er des ehrenden Kreuzes auch nicht würdig - was die Geschichte selbst keineswegs weniger interessant macht.

Märkische Onlinezeitung vom 03. März 2015

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