Nach Untersuchungen in die Kirche Wutike

Gebeine der von Platen kommen in die Gruft

Massive Zahnerkrankungen und Kopfverletzungen weisen die Gebeine der 6 Menschen auf, die Anfang Dezember bei Bauarbeiten in der lange gesuchten Gruft der Kirche Wutike gefunden wurden. Wenn alle Untersuchungen an den Knochen abgeschlossen sind, sollen sie erneut in der Gruft, die derzeit beräumt wird, bestattet werden.

Helen Stohr (l.) und Ralf Scherrer untersuchen die Gruft unter der Kirche archäologisch.
Quelle: Sandra Bels

Wutike. Helen Stohr und Ralf Scherrer füllen Eimer für Eimer mit Bauschutt und Holzresten. Bauarbeiter tragen sie über eine Leiter ans Tageslicht. Die Archäologen vom Büro ABD Dressler beräumen die Gruft unter der Wutiker Kirche. Dort trat Anfang Dezember des vergangenen Jahres bei Bauarbeiten am Fußboden in der Nähe der Eingangstür der Kirche der lange gesuchte Eingang zur Gruft zutage. Drinnen fanden sich Gebeine von sechs Personen. Sie wurden mittlerweile gesichert.

Gordon Thalmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz sagt, dass die Knochen im Labor untersucht werden. Man könne anschließend genauere Auskünfte unter anderem zu Alter, Gesundheits- und Ernährungszustand der Bestatteten machen. Eine Anthropologin habe bereits massive Zahnerkrankungen feststellen können sowie Kopfverletzungen, denen nun auf den Grund gegangen werden soll.

Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, ist geplant, die Gebeine pietätvoll in einer luftumspielten Kiste in der Gruft erneut zu bestatten. „So können wir den Verfall und die Zersetzung der Gebeine stoppen“, sagt Gordon Thalmann. Außerdem soll die Gruft anschließend verschlossen werden und künftig nicht zugänglich sein. „Das Gewölbe ist wegen seines Klimas der beste Ort für die Skelettteile“, weiß Thalmann. Eine Umbettung hält er nicht für notwendig. „Die Gruft war das Grab der Menschen. Es gibt keinen Grund, sie anderswo hinzubringen“, ist seine Meinung. Zudem sei die Entscheidung mit dem Gemeindekirchenrat gefällt worden, bei einer Gegenstimme.

Die erhob der zuständige Pfarrer Christian Ruch. Er kann das Vorgehen nicht gutheißen und hatte vorgeschlagen, die Gebeine ins Achäologische Landesmuseum zu bringen oder auf dem Wutiker Friedhof zu bestatten. Dort gibt es eine Begräbnisstätte der Familie von Platen, die einst im Ort wirkte und die Kirche bauen ließ, und der die Skelettteile eindeutig zugeordnet werden können. Mit der Bestattung in der Gruft „hinterlässt man der Nachwelt das gleiche Problem, vor dem wir jetzt stehen“, sagt Ruch. Er findet es auch nicht gut, dass der Kirchengemeinde ein weiterer Kostenfaktor aufgebürdet wird, der bei der Kirchensanierung nicht geplant war. „Ich weiß, dass ich für meine Meinung Kritik ernten werde“, so Ruch. Dennoch findet er, dass man sie nicht außer Acht lassen sollte. Und er befürchtet weitere Kosten, die auf die Kirchengemeinde zukommen könnten infolge der Untersuchungen in der Gruft. „Wer weiß, was sich noch findet“, sagt Ruch mit Blick auf die aktuelle Entwicklung. Beim Beräumen des Gewölbes trat an ihrem Eingang ein weiteres Grab zutage, dass aber laut Thalmann nicht in die Zeit der anderen Bestattungen passt. Das Kind muss früher begraben worden sein, eventuell, als sich an der Stelle der alte Kirchhof befand.

In Sachen Kosten versucht der baubegleitende Architekt Michael Holzrichter zu relativieren. „Wir sind noch im geplanten Rahmen“, sagt er. Aktuell gehe es darum, die Kirche innen für Gottesdienste wieder herzurichten. Bei einer Baubegehung traf er sich gestern nicht zum ersten Mal mit Jürgen Kübart. Der Ingenieur hat die Kirchenaufsicht im Bauwesen und ist auch für den Kirchenkreis Kyritz-Wusterhausen zuständig. Er verschaffte sich einen Eindruck von den neuesten Aktivitäten und sagte, dass das Ziel jetzt sein müsse, die Kirche wieder benutzbar zu machen. „Daran arbeiten wir derzeit“, so Holzrichter.

Die Außensanierung ist abgeschlossen. Restarbeiten im Innenraum stehen noch an. Dazu gehört auch die Überdeckung der Gruft, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind. Außerdem sind Tischler- und Elektroarbeiten geplant. Dass Ostern bereits der erste Gottesdienst in der Kirche gefeiert werden kann, daran glauben weder Holzrichter noch Ruch. „Wir wollen eher auf Pfingsten oder Himmelfahrt orientieren“, so der Architekt. Eine gute Woche werden die Archäologen noch in der Gruft zu tun haben, schätzt Helen Stohr. Holzrichter denkt, dass frühestens in anderthalb bis zwei Wochen die Kiste mit den Gebeinen zurückgebracht werden kann.

Von Sandra Bels

Märkische Allgemeine vom 10. Februar 2015

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